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Ansteckende Lebensfreude im Fürstensaal

Marburger Schlosskonzerte Ansteckende Lebensfreude im Fürstensaal

Der Marburger Fürstensaal bot das ideale Ambiente für Musik aus dem Spanien des 15. bis 17. Jahrhunderts. Es musizierten die Sängerin Maria 
 Jonas und das Ensemble für Alte Musik „Les trois maines“.

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Die Sängerin Maria Jonas und das Ensemble für Alte Musik „Les trois maines“ gastierten im Fürstensaal.

Quelle: Mareike Bader

Marburg. „Tres morillas“ lautete der Name des Programms, so wie das zweite Werk des Abends. Der Flirt von drei Maurinnen mit einem stolzen spanischen Ritter stand dabei als Symbol für das Miteinander der drei Weltreligionen bei den Mauren. „Christentum und Islam ist kein neues Thema – es ist ein altes“, betonte die Sängerin Maria Jonas. Sie sei immer wieder überrascht, wie aktuell die Themen von damals heute wieder seien.

Dabei haben die verschiedenen Kulturen sich gegenseitig immer wieder beeinflusst. Es gäbe keine Geige ohne die Mauren, führte Jonas aus und auch die Laute sei ursprünglich ein orientalisches Instrument: „Überall findet man Spuren der Mauren.“

Bei manchen Liedern aus dem 15. Jahrhundert wurde deutlich, dass sie das Vorbild für die lebendigen spanischen Klänge waren, wie wir sie heute kennen. Die Musiker präsentierten schöne Lieder, die einfache Geschichten erzählten oder die Historie der Mauren, etwa den Fall Granadas, behandelten. Sie wurden von 
Maria Jonas mal sehr gefühlvoll und mal mit viel Temperament interpretiert.

Daneben stand auch Tanzmusik auf dem Programm, bei dem die Musiker des Ensembles „Les trois maines“ das Publikum mit viel Leidenschaft begeisterten. Mit dabei war Christian Zincke an der Viola da Gamba, der bereits mit verschiedenen Spielpartnern bei den Marburger Schlosskonzerten zu Gast war.

Vortrag in traditioneller Weise

In dem Stück „Canarios“ von Gaspar Sanz erntete Guillaume 
Chastel mit seinem Trommelsolo Zwischenapplaus, kaum 
einen Zuhörer hielt es ruhig auf seinem Sitzplatz. So sehr riss das fröhliche Werk mit, bei dem die Musiker immer wieder geschickt mit Tempo und Dynamik spielten.

Ebenso viel Lebensfreude versprühte das „Fandango“ von Antonio Soler. 
Nach einem kurzen Solo der 
Barockvioline begann der bunte Tanz, bei dem sich immer wieder der Charakter änderte. Das durchlaufende Cembalo mit rasanten, fließenden Läufen und die Kastagnetten unterstrichen den lebendigen Eindruck.

Ruhig und romantisch klang dagegen die „Romance del Rey Moro ‘que perdio Alahma“ von Juan del Encina, bei der Maria Jonas von Laute und Klaviziterium begleitet wurde. Das Tasteninstrument, dessen Saiten vertikal verlaufen, wurde in der Pause ausgiebig vom Publikum begutachtet.

Wie sehr sich Jonas mit den Werken des Programms und der Geschichte der Mauren auseinandergesetzt hat, bewies auch ihre Interpretation von drei spanisch-jüdischen Gesängen, die ursprünglich nur mündlich überliefert und erst in den 1950er-Jahren notiert wurden. Sie sang hier ohne Noten und begleitete sich mit einer Drehleier selbst. „So kann ich die Lieder in traditioneller Weise vortragen“, sagte die Sängerin.

Zwei weitere Konzerte 
am kommenden Sonntag

Am Ende wurde es wieder richtig lebhaft. Das Publikum bedankte sich mit langem Applaus für einen interessanten und abwechslungsreichen Abend und wurde mit einem Weihnachtslied aus Mexiko belohnt, das zwar zuerst an „Es ist ein Ros‘ entsprungen“ erinnerte, aber schon kurz darauf alles andere als weihnachtlich klang.

Am kommenden Sonntag stehen in der Reihe gleich zwei Konzerte auf dem Programm: Ab 16 Uhr dürfen sich Kinder und Erwachsene beim Familienkonzert auf „Viechereien in Wort und Ton“ freuen. Der Erzähler Stefan Müller-Ruppert und der Gitarrist Maximilian Mangold versprechen mit Werken von John Dowland, Dietmar Ungerank, Mauro Giuliani und anderen „ein tierisches Vergnügen.

Ab 19.30 Uhr präsentieren die Harfenistin Mirjam Schröder, Professorin an der Universität für Musik und darstellende Kunst in Wien, und der international konzertierende Gitarrist Maximilian Mangold ( Foto: Laura Wiegand) klassische und von der Folklore beeinflusste Kompositionen vorwiegend aus Lateinamerika und Südeuropa vom 19. Jahrhundert bis heute. Das von der Kritik hochgelobte Duo ist nach Auskunft der Veranstalter weltweit wahrscheinlich das einzige Ensemble dieser Art.

von Mareike Bader

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