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Anrührend statt artifiziell

"Carmen" in Bad Hersfeld Anrührend statt artifiziell

Vor sparsam gestalteter Kulisse entführten am Mittwochabend die Darsteller der Bizet-Oper „Carmen“ ihr Publikum ins Sevilla des 19. Jahrhunderts, in die Welt der freiheitsliebenden Zigeunerin Carmen.

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Das Foto zeigt eine Szene mit Julia Ebert in der Rolle der Frasquita (von links), Barbara Buffy als Carmen und Julia Fercho als Mercédès .Foto: Eberhard Heinemann

Bad Hersfeld. Bad Hersfeld. Für Taverne, Marktplatz, Fabrik und Stierkampf-Arena ließ Regisseur Rainer Wenke die gesamte Bühne der Ruine teilweise simultan bespielen. Er beschränkte sich dabei auf ein eher puristisches Bühnenbild. Wenig artifiziell war auch Wenkes Inszenierung. Sein erklärtes Ziel „Carmen“ im Sinne des realistischen Musiktheaters, emotional möglichst glaubwürdig zu inszenieren, wurde weitestgehend erreicht.

Umso bunter wirkte das Treiben der zahlreichen Statisten, Chorsänger des Hersfelder Festspielchores, des Frankfurter und des Marburger Konzertchores unter der Leitung von Professor Siegfried Heinrich, sowie des polnischen Bachchores und der Tänzerinnen der Tanz- und Ballettschule Michèle Meckbach. In Kostümen, die irgendwo zwischen Großmutters Kittel und rassigen Flamencokleidern rangierten, schafften sie es, das rege Treiben auf den Straßen Sevillas stimmungsvoll darzustellen.

Mit laszivem Hüftschwung und keckem Blick gewann Barbara Buffy als Zigeunerin Carmen von ihrem ersten Auftritt an nicht nur die Männer auf der Bühne für sich. Buffy spielte vielseitig. Sie war trotzig, dominant, gefühlvoll und behielt stets eine gewisse Leichtigkeit.

Auch stimmlich überzeugte Buffy mit ihrem vollen Mezzosopran, sauberer Artikulation und sauber ausgesungenen Koloraturen. Auch in den tieferen Lagen intonierte sie zielsicher.

An ihrer Seite trat Tenor Herbert Wüscher als Don José auf. Wüscher wirkte trotz seiner stattlichen Größe der dominanten Carmen unterlegen. Er erinnerte zuweilen an einen liebenswürdigen Teddybären. Später jedoch geriet er, angestachelt durch Carmens Freiheitsliebe, zunehmend in Rage. Stimmlich berührte er das Publikum mit seinem warmen, vollen Tenorklang.

Zum Publikumsliebling des Abends entwickelte sich Sopranistin Bomi Lee in der Rolle der Michaëla. Sie schwebte im blauen Kleidchen unschuldig über die Bühne und strahlte dabei viel jugendliche Leichtigkeit aus. Mit ihrem lyrischen Sopran gelang es ihr selbst komplexere Koloraturen klar und präzise zu intonieren. In tragischen Momenten vermochte sie es ebenso, ihrer Stimme die nötige Dramatik zu verleihen. So erhielt sie wohlverdienten enthusiastischen Zwischenapplaus und einen nachhaltigen Schlussapplaus.

Dramaturgisch gelang Regisseur Wenke eine spannende Abschlusskonstellation in der er den Tod Carmens durch Don José auf der Hauptbühne simultan mit dem Stierkampf von Torero Escamillo laufen ließ.

Die rund 600 Premierenbesucher bedankten sich mit langanhaltendem Applaus.

Weitere Vorstellungen sind heute sowie am 11., 13., 15., 17., 19. und 21. August jeweils um 20.30 Uhr. Karten gibt es telefonisch unter der Rufnummer 06621/506713 und im Internet unter www.opernfestspiele-badhersfeld.de

von Sabrina Ilona Teufel

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