Volltextsuche über das Angebot:

7 ° / 2 ° Regenschauer

Navigation:
Angst, Terror und ein Serienmörder

Kinostart: „Kind 44“ Angst, Terror und ein Serienmörder

Als knallharter Geheimdienstoffizier hat Leo Demidow im stalinistischen Russland Karriere gemacht. Doch dann gerät sein Weltbild ins Wanken.

Voriger Artikel
Dokufilm über Jakobsweg und seine Pilger
Nächster Artikel
Steinhöfel: Lesung und Film im Cineplex

Leo (Tom Hardy, links) wird von Generalmajor Kuzmin (Vincent Cassel, rechts) dazu angehalten, den Mord an einem Kind zu vertuschen.

Quelle: Concorde

Marburg. Tom Hardy ist der Mann der Stunde. Er sorgt momentan nicht nur in dem neuen „Mad Max“-Film für Furore. Der britische Schauspieler stand auch für die düstere Bestseller-Verfilmung „Kind 44“ von Daniel Espinosa vor der Kamera. Die Frau an seiner Seite ist dabei Noomi Rapace.

Irgendetwas stimmt hier nicht: Im Kreise von Freunden schwärmt Leo Demidow (Hardy) von seiner Frau Raisa (Rapace), die die Liebe seines Lebens ist. Aber ihr Lächeln wirkt gequält. Das warme Licht und der schöne Schein der Kerzen – ein falscher Glanz. Denn die Welt da draußen, es ist die stalinistische Sowjetunion der 50er Jahre, sieht ganz anders aus.

Hier sind alle Farben verblasst, der Rauch der Schornsteine macht die Städte schmutzig und die Herzen der Menschen sind durch eine permanente Atmosphäre der Bespitzelung, der Angst und Bedrohung vergiftet. Menschen werden willkürlich verhaftet, Regimekritiker kurzerhand eliminiert.

Keine Fragen. Gegner ausschalten!

Diese Darstellung kam in Russland nicht besonders gut an. Kurzerhand wurde der Thriller wegen „Entstellung historischer Tatsachen“ vom russischen Kulturministerium aus dem Verkehr gezogen. In Deutschland erhielt „Kind 44“, der Bestseller von Tom Rob Smith diente Regisseur Daniel Espinosa als Vorlage, dagegen das Prädikat „besonders wertvoll“. Begründung der Deutschen Film- und Medienbewertung: Es sei ein „wichtiger gesellschaftskritischer Film, der aufklärt über eine Zeit, in der ein System sich über alles stellte. Sogar über die Wahrheit.“

Wer aber ist nun dieser Leo Demidow? Aufgewachsen als Waisenkind, hat der bullige Typ im stalinistischen Russland Karriere als knallharter, wenn auch durchaus korrekter Geheimdienstoffizier gemacht. Die Narben in seinem Gesicht spiegeln die Verletzungen seiner Seele wider. Demidows Auftrag: Alle Gegner des Systems ausschalten. Fragen? Keine.

Alles soll doch schön sein in Stalins Paradies der klassenlosen Gesellschaft, wo alle glücklich sind und es angeblich keine Verbrechen gibt. Dass der Schein gewahrt wird, dafür sorgt eine gigantische und gnadenlose Geheimdienstmaschinerie. Wer aber einmal in die Fänge des Systems gerät, hat keine Chance mehr: „Wer verfolgt wird, wird verhaftet. Und wer verhaftet wird, ist bereits schuldig“, sagt der Tierarzt Anatoli Brodsky (Jason Clarke), der in die Fänge der Häscher gerät.

Bedrohung und Angst kommen gut rüber

Aber nach und nach beginnt Demidows Weltbild zu wanken, zerbröselt sein Leben langsam. Ewige Wahrheiten verlieren ihre Wahrhaftigkeit. Und die Liebe seiner Frau? Nur gespielt? Alles nur eine Illusion? Schließlich gerät Demidow selbst ins Visier des Geheimdienstes und wird mit Raisa aus Moskau in das entlegene Rostow verbannt, wo die beiden in einem heruntergekommenen Loch hausen müssen. Hier kommt Demidow schließlich einer unheimlichen Mordserie an Kindern auf die Spur. Der verbannte und kaltgestellte Geheimdienstoffizier nimmt gegen alle Widerstände die Jagd nach dem Killer auf.

Die Atmosphäre aus Terror, Verrat, Heuchelei, drückender Bedrohung und permanenter Angst hat Regisseur Daniel Espinosa („Safe House“) wunderbar eingefangen und mit Tom Hardy (37) einen Schauspieler engagiert, der Bedrohung und Verletzlichkeit gleichermaßen überzeugend verkörpern kann. Ein bisschen mehr Druck und Spannung hätte der schwedische Regisseur Espinosa seinem Film, vor allem bei der Jagd nach dem Killer, aber schon geben können.

  • Der Film läuft im Cineplex.

von Wolfgang Marx

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Hier finden sie die Kommentare und Meinungen der Redakteure zu lokalen und weltpolitischen Themen sowie Glossen und augenzwinkernde Beträge. mehr