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„Marburg ist für mich Heimat“

OP-Buchtipp: Andreas Roeske: „Eine Höhle fürs Leben“ „Marburg ist für mich Heimat“

Auch im zweiten Band von Andreas Roeskes Krimireihe werden Marburger auf ihre Kosten kommen. Die beiden Kommissare Feber und Gratmann ermitteln auffällig oft an Orten, die sehr an die Universitätsstadt erinnern.

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Der in Marburg geborene und aufgewachsene Andreas Roeske hat seinen zweiten Krimi veröffentlicht.

Quelle: Isabella Thiel

„Ich überrasche mich selbst beim Schreiben. Ich fange eine 
Seite an, habe aber keine Ahnung, was auf der nächsten Seite passiert“, beschreibt Andreas 
Roeske die Entstehung seiner Bücher. Ihm gehe es manchmal wie den Detektiven, er tappe selbst im Dunkeln – und 
dann komme ihm die zün­dende Idee.

Im zweiten Krimi von Roeske brauchen auch die beiden Kommissare Feber und Gratmann eine zündende Idee. An einem Januar-Abend werden die Kommissare zu einem Einsatz am Bahnhof gerufen. Dort finden sie einen toten Drogenkurier und einen angeschossenen Jugendlichen. Außerdem werden wichtige Beweisstücke aus der Pathologie gestohlen.

Doch der Fall wird noch verstrickter. Gratmanns Sekretärin scheint durch eine frühere Freundin in den Fall verwickelt zu sein. Und der Kommissar, der eigentlich einen kühlen Kopf 
bewahren muss, gerät in ein 
Gefühlschaos. Ausgerechnet für die Sekretärin empfindet er zunehmend mehr als nur kollegiale Sympathie. Der Autor verrät: „Der Mörder taucht nicht erst auf der letzten Seite auf. Jeder kann es gewesen sein.“

Oft ärgerte sich Andreas Roes­ke über Mörder, die dem Leser erst auf der letzten Seite bekannt gemacht werden, oder Krimis, die jeder Realität entbehren. Das versuche er anders zu machen.

Klassischer Krimi mit 
Mord aus uraltem Motiv

Der Vater von zwei Söhnen wurde 1969 in Marburg geboren. Im Alter von 20 Jahren zog er nach Berlin, um sein Studium der Kunstgeschichte, Deutsch und Norwegisch zu beenden. Heute arbeitet er als Werbetexter und ist Mitinhaber einer Kommunikationsagentur. „Bei meinem Krimi handelt es sich um ein Nebenbeiprodukt“, erklärt Andreas Roeske.

Für sein Buch brauchte er ein dreiviertel Jahr – mit vielen Unterbrechungen. Im letzten Viertel musste er die Nächte zu 
Tagen machen, um rechtzeitig 
fertig zu werden. „Sein Buch dann im Regal zu sehen, ist ein super Gefühl“, schildert er. Mit seinem zweiten Buch ist Roeske sogar zufriedener als mit seinem ersten: „Mein zweiter Krimi ist besser geworden, aufgrund von Rückmeldungen.“

Sein Taschengeld hat Roeske in seiner Jugend als Kellner im Restaurant „Brasserie“ verdient. Das merkt man dem Krimi auch an, wenn der Autor ausführlich die Kneipenkultur der Universitätsstadt schildert. Schmunzelnd werden das viele Leser mit ihrer Lieblingskneipe in Marburg verbinden.

Doch das sind nicht die einzigen Passagen im Buch, die Marburger als klare Verweise auf die Universitätsstadt entlarven werden. Schon der Bahnhof, der Tatort des Krimis, kommt einem sehr vertraut vor. Mar­burger fühlen sich dabei schnell so, als stünden sie selbst am Bahnhof der Stadt – allerdings vor der Renovierung.

Autor und sein Kommissar fremdeln mit Heimatstadt

„Die Stadt in meinem Krimi ist aber nicht Marburg“, betont Andreas Roeske. Er wolle seinen Lesern kein bestimmtes Bild vorschreiben. Obwohl er zwei bis drei Mal im Jahr seine Heimatstadt besucht, gibt er zu: „Vieles hat sich verändert. Für mich ist es nicht mehr das Marburg von damals.“ Ähnlich fühlte sich Gratmann, als er in die hessische Provinz zurückkehrte, um dort zu arbeiten. Sowohl der Kommissar als auch Roeske fremdeln oft in ihrer ehemaligen Heimat.

Roeske kennt viele Neubaugebiete noch als grüne Wiese. Seine Erinnerungen an das alte Marburg baut er in seine Krimis ein. „In meinem Buch schreibe 
ich von einem Laden eines 
dicknäsigen Herren, den gab es in meiner Kindheit tatsächlich.“

Auch wenn sich viel in Marburg verändert hat, betont er: „Marburg ist für mich immer noch Heimat.“ Die Liebe zu Marburg sei geblieben, deshalb versuche er so oft wie möglich alte Freunde zu besuchen und seine beiden Söhne mit in die Universitätsstadt zu nehmen. „Dann ist immer volles Programm“, erklärt er. Trotz vieler Verpflichtungen und zahlreicher Marburgbesuche geht der Autor von einer Fortsetzung seiner Reihe aus. Er verrät: „Es gibt sogar schon einen Anfang.“ Mehr könne er allerdings nicht verraten – schließlich überrasche er sich immer selbst.

  • Andreas Roeske: „Eine Höhle fürs Leben: Gratmanns zweiter Fall“, Cividale Verlag, 228 Seiten,14,90 Euro.

von Sophia Stahl

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