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Alter Held tröstet Berlin

Neue Single von David Bowie Alter Held tröstet Berlin

Am Tag nach dem Desaster um den Flughafen kam der Trost. Wenn Berlin auch seine Zukunft nicht gebaut bekommt, zieht doch seine Geschichte immer noch.

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David Bowie hat sich lange Zeit rar gemacht. Das Archivfoto zeigt ihn bei einem Auftritt in Lübeck im Jahr 1997. Foto: Markus Beck

Quelle: Markus_Beck

Berlin. Ein alter Held der Stadt singt wieder, nach zehnjährigem Schweigen. Am Montag wurde David Bowie 66 Jahre alt, und zur Feier des Tages schenkt er seinen Fans eine Single. Ein neues Album mit dem Titel „The Next Day“ soll im März folgen. Im Internet forderten Fans gestern vehement, Bowie solle auch wieder auf Tour gehen. Der Brite ist seit 2006 kaum noch öffentlich aufgetreten, 2004 hatte er sich in Hamburg wegen einer verstopften Arterie operieren lassen müssen. Viele Fans befürchteten, Bowie habe sich zur Ruhe gesetzt. Mit 66 Jahren aber geht es für ihn wieder los. Sein neuer Song ist melancholisch, er ist nostalgisch, und er ist vor allem wunderschön. „Where are we now?“ (Wo sind wir jetzt?) heißt die Single.

Die Antwort ist einfach: Zurück in den 1970er Jahren. Zurück in Bowies Berlin. Von 1976 bis 1979 wohnte der Künstler in der Schöneberger Hauptstraße 155, im selben Haus wie Brian Eno, Iggy Pop und Tony Visconti. Die drei wichtigsten Dinge dieser Zeit: die Mauer, das Heroin und die Hansa-Studios. Im Meistersaal, der „Hall by the Wall“, nahm Bowie Teile seiner Berlin-Trilogie auf, bestehend aus den Alben „Low“, „Heroes“ und „Lodger“.

Tony Visconti, sein Wegbegleiter seit damals, hat auch die neue Single produziert. Der Videokünstler Tony Oursler, mit dem Bowie ebenfalls schon lange zusammenarbeitet, führte Regie beim Video. Bowies Gesicht und das einer schweigenden Schönen sind auf eine vierfüßige Fellpuppe montiert.

Bowie singt von einer nostalgischen Reise durch die Hauptstadt. Die Gitarre rumpelt, die Kamera fährt die Mauerreste entlang, und Bowie wundert sich, dass er am Potsdamer Platz einfach so in die U-Bahn steigen kann. Er erinnert an den 9. November 1989 auf der Bösebrücke an der Bornholmer Straße, und an die legendäre Diskothek „Dschungel“.

Am Ende des Videos taucht dann kurz der gealterte, aber fitte David Bowie von heute auf. Entspannt lehnt er an der Wand. Wie ein Rentner sieht er nicht aus, eher wie einer, der noch einmal durchatmet, bevor es losgeht mit dem Comeback.

von Jan Sternberg

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