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Alte Produktionen, neue Verträge

103. Bayreuther Festspiele Alte Produktionen, neue Verträge

Die Kanzlerin macht blau - Termine. Das nimmt der Eröffnung der 103. Bayreuther Festspiele am Freitag zwar ein wenig protokollarischen Glanz, dürfte aber in der Königsloge nicht weiter auffallen.

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Wie auf diesem Foto von 2011 rollen Arbeiter derzeit den einen Teppich vor dem Festspielhaus in Bayreuth aus.

Quelle: Marc Müller

Bayreuth. Thomas Gottschalk macht auch blau. Was fürs Protokoll egal ist, für den Glamour-Faktor nicht - und all die Wagnerianer freuen mag, die diesmal nicht hinter ihm im Parkett den Hals verrenken müssen, um etwas zu sehen von dem, was da passiert auf der Bühne.

Dort ist in diesem Jahr alles eine Nummer kleiner als 2013, als die Musikwelt, und nicht nur die, den 200. Geburtstag des größten aller Musikdramatiker aus Leipzig feierte. Zumindest ist alles eine Nummer älter. Denn wie immer, wenn es im Vorjahr einen neuen „Ring“ gab auf dem Grünen Hügel, steht nun keine Neuinszenierung an.

Da folgerichtig, obwohl wieder rund 60000 Besucher in den kommenden sechs Wochen ins Frankenland pilgern werden, im Vorfeld auch das Medieninteresse ein wenig kleiner ist, wurde Frank Castorf, seit 1992 Volksbühnenintendant in Berlin und inszenierender Ring-Ersatz für den abgesprungenen Lars von Trier, nun proaktiv und wetterte im „Spiegel“ ausführlich über die Mutter aller Festivals und ihre Leitung: Wie einen Idioten habe man ihn behandelt, er merke, „dass all die Anarchie, die mein Bühnenbildner Aleksandar Dénic und ich hier vergangenes Jahr reingebracht haben, nicht mehr erwünscht ist“.

Das sei einmal dahingestellt. Denn ausgesucht haben ihn die Wagner-Schwestern Katharina und Eva Wagner-Pasquier, die noch bis nächstes Jahr gemeinsam die Geschicke der Richard-Wagner-Festspiele lenken, ja genau wegen dieser Anarchie. Will meinen: wegen des beinahe sicher zu erwartenden Skandals, wenn ein bekennender Stücke-Zertümmerer wie Castorf im Allerheiligsten der Wagnerwelt das Allerheiligste der Wagnerwelt inszenieren darf. Und gemessen daran blieb es 2013 einigermaßen ruhig. Gewiss, im Publikum buhte man sich die Seele aus dem Leib. Die Kritik indes nahm Castorfs gediegene Kapitalismus-Kritik tendenziell wohlwollend auf - und feierte die musikalische Seite der Medaille, das Dirigat Kirill Petrenkos, die fabelhafte Sänger-Besetzung.

Musik wird bejubelt, Regie wird ausgebuht

Der Befund, dass die Musik bejubelt wird im maroden 2000-Plätze-Theater mit der einzigartigen Akustik und die Regie ausgebuht, er gehört zum guten Ton auf dem Hügel. Folgerichtig war es bislang bei den übrigen Produktionen dieser Saison auch nicht anders: beim Biogas-Fabrik-„Tannhäuser“ Sebastian Baumgartens, mit dem alles aufs Neue beginnt - und der nach dem Ende dieser Festspiele ausgemustert wird. Am Pult steht wieder der gefeierte Axel Kober.

Auch beim szenisch eher unerheblichen „Fliegenden Holländer“ Jan Philipp Glogers, wird Wagners Partitur triumphieren. Dafür bürgt am Pult Christian Thielemann. Bei Hans Neuenfels‘ Ratten-„Lohengrin“ übernimmt diese Aufgabe Andris Nelsons.

Neues gibt‘s erst wieder im kommenden Jahr. Dann inszeniert Katharina Wagner, 36-jährige Urenkelin des Komponisten, „Tristan und Isolde“ - um hernach das gewaltige Erbe ihres Urgroßvaters alleine weiterzuverwalten: Ihr Vertrag mit den Gesellschaftern (Bund, Freistaat Bayern, Stadt Bayreuth und die Gesellschaft der Freunde Bayreuths) wurde um weitere fünf Jahre bis 2020 verlängert, während ihre Halbschwester Eva Wagner-Pasquier (69) auf eigenen Wunsch zum 31. August 2015 ausscheidet. Damit bleiben die Festspiele einstweilen in Familienhand - obwohl sich die Mehrheitsverhältnisse auf dem Grünen Hügel verschoben haben. Bund und Freistaat halten an der Festspiel-GmbH nun 58 Prozent, und die neue Satzung sieht vor, dass, vorausgesetzt, eine Dreiviertelmehrheit stimmt dem zu, die Leitung der 1876 erstmals ausgerichteten Festspiele auch Persönlichkeiten übernehmen können, die nicht zum Clan gehören.

Durch die Neuverteilung der Machtverhältnisse und den Umstand, dass die Festspiel-Stiftung einen 40 Jahre laufenden Mietvertrag unterzeichnete, scheint der Weg frei für die notwendige Generalsanierung des Festspielhauses, an dem mittlerweile ein Baugerüst dafür Sorge trägt, dass abbröckelnder Putz Besucher nicht gefährdet. Rund 30 Millionen Euro werden dafür veranschlagt, der Löwenanteil soll vom Freistaat und vom Bund kommen. Leicht wird es nicht. Heinz-Dieter Sense, kaufmännischer Festspiel-Geschäftsführer: „Die Bauarbeiten können schließlich nur in der Zeit durchgeführt werden, wenn weder geprobt noch gespielt wird, also von Herbst bis Frühjahr. Das Wetter ist dann das größte Problem.“

Geht alles glatt, beginnt die Sanierung im September 2015. 2021 soll alles fertig sein.

DAS PROGRAMM

Tannhäuser

Musikalische Leitung: Axel Kober, Regie: Sebastian Baumgarten, Bühne: Joep van Lieshout, Kostüme: Nina von Mechow;

Sänger: Kwangchul Youn, Torsten Kerl, Markus Eiche, Camilla Nylund, Michelle Breedt; Termine: 25. Juli., 2., 12., 18., 21. und 28. August

Der fliegende Holländer

Christian Thielemann, Jan Philipp Gloger, Christoph Hetzer, Karin Jud;

Sänger: Kwangchul Youn, Ricarda Merbeth, Tomislav Mu, Samuel Youn; Termine: 26. Juli, 4., 8., 16., 24. August

Lohengrin

Andris Nelsons, Hans Neuenfels;

Sänger: Wilhelm Schwinghammer, Klaus Florian Vogt, Edith Haller, Thomas J. Mayer, Petra Lang; Termine: 31. Juli., 3., 6., 9., 17. August

Der Ring des Nibelungen

Kirill Petrenko, Frank Castorf, Aleksandar Deni; Adriana Braga Peretzki

Das Rheingold – Sänger: Wolfgang Koch, Norbert Ernst, Claudia Mahnke, Elisabet Strid, Nadine Weissmann, Oleg Bryjak, Burkhard Ulrich, Wilhelm Schwinghammer, Sorin Coliban, Mirella Hagen, Julia Rutigliano, Okka von der Damerau, Termine: 27. Juli, 10., 22. August

Die Walküre: Johan Botha, Kwangchul Youn, Wolfgang Koch, Anja Kampe, Catherine Foster, Termine: 28. Juli, 5., 11., 23. August

Siegfried: Lance Ryan, Burkhard Ulrich, Wolfgang Koch, Oleg Bryjak, Termine: 30. Juli., 13., 25. August

Die Götterdämmerung: Lance Ryan, Alejandro Marco-Buhrmester, Oleg Bryjak, Attila Jun, Catherine Foster, Allison Oakes; Termine: 1., 15., 27. August

Oper im Cineplex

Das Marburger Cineplex überträgt die Oper „Tannhäuser und der Sängerkrieg auf Wartburg“ am Dienstag, 12. August, um 15.45 Uhr live aus dem Bayreuther Festspielhaus. Es gibt ein exklusives Vor- und Pausenprogramm.

von Peter Korfmacher

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