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Alte Musik zum Träumen schön gesungen

Alte Musik zum Träumen schön gesungen

Der Marburger Chor Canticum Antiquum hat sich der Musik des Barock und der Renaissance verschrieben. Am Sonntag sang er in der vollbesetzten Kugelkirche.

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Das Vokalensemble Canticum Antiquum sang in der Marburger Kugelkirche.Foto: Bader

Marburg. Vor 30 Jahren gründete die Dirigentin Brigitte Krey mit einigen ihrer Gesangschüler das Vokalensemble Canticum Antiquum. Seiner Tradition folgend präsentierte der Chor am Sonntag geistliche Musik von Alessandro Scarlatti (1660-1725) aus der Barockzeit.

Alessandro Scarlatti ist für sein großes Oeuvre bekannt. Er hat über 100 Opern geschrieben, dazu etwa 800 Kantaten und 20 Oratorien. 1715 wurde Scarlatti zum Ritter geschlagen und nannte sich seitdem „Cavaliere Scarlatti“. Sein Schüler und Sohn Domenico Scarlatti (1685-1757), der mit seinen einsätzigen Sonaten für Tasteninstrumente die Klavierliteratur seiner Zeit auf ein neues Niveau hob, gilt heute jedoch als der Berühmtere.

In seinen geistlichen Werken beherrschte Scarlatti den „stile antico“, den er aus seiner Kindheit in Rom kannte. Diesen kontrapunktischen Kompositionsstil hörte man auch bei der „Missa Concertata Quatro Tono“ und dem „Magnificat Primo Tono“, die vom Canticum Antiquum gesungen wurden. So etwa beim dritten „Agnus Dei“ am Ende der Messvertonung.

Hier zeigte sich aber auch die feinfühlige Kompositionsweise Scarlattis, dem der Ausdruck und das Schattieren des Klanges wichtig war. Fein abgestimmt und getragen interpretierte der Chor den letzten Messteil. Noch deutlicher waren die Affekte in der Musik im ersten „Kyrie eleison“ zu hören. Klang der erste Teil noch sehr dramatisch, fast wie ein Aufschrei, so klang das „Christe eleison“ viel harmonischer. Das zweite „Kyrie eleison“ wiederum bestach durch seine Lebendigkeit und hallte wunderbar durch die Kugelkirche mit ihrer hohen Decke.

Die große Herausforderung bei den Stücken waren jedoch die vielen Tempiwechsel, wie auch Dirigentin Brigitte Krey nach dem Konzert berichtete. Wie im Credo wechselten sich immer wieder getragene, fein gesungene mit lebhafteren Passagen ab, die besonders durch die Eigenständigkeit der verschiedenen Stimmen überzeugten. Es war erstaunlich wie gut die Sänger und Sängerinnen die ausgeschmückten Koloraturen der barocken Musik meisterten.

All diese Merkmale vereinten sich im „Magnificat Primo Tono“, das in seine jeweiligen Abschnitte gegliedert war. Es gab verzierte, schnelle Koloraturen, herrliche Soli und wenn sich die Stimmen des Chores zu einem wunderschönen, harmonischen Klangteppich verwebten, kam man als Zuhörer ins Träumen.

Begleitet wurde das Vokalensemble durch Yoshio Takayanagi an der Theorbe, einem alten Lauteninstrument. Er wird auch beim Karnevalskonzert am Sonntag vor Rosenmontag - zu hören sein.

von Mareike Bader

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