Volltextsuche über das Angebot:

4 ° / -1 ° Schneeregen

Navigation:
Künstliche Intelligenz will Gott spielen

OP-Filmtest: „Alien: Covenant“ Künstliche Intelligenz will Gott spielen

In der Fortsetzung von „Prometheus“ (2012) widmet sich der renommierte Filmemacher den Abgründen der künstlichen Intelligenz und deren Konsequenzen. Die Aliens sind eher eine böse Zugabe.

Voriger Artikel
Ausflug in fantastische Welten
Nächster Artikel
Schräger Witz trifft auf tollen Gesang

Man weiß, was kommt: Kolonisten von der Erde treffen auf einem fremden Planeten auf mörderische Aliens.

Quelle: 20th Century Fox

Marburg. Als das Skript für „Alien: Covenant“ fertiggestellt war, sagte Ridley Scott über sein Monster: „Es ist eine Massenvernichtungswaffe!“ Doch Waffen handeln nicht eigenständig. Jemand muss sie bauen und benutzen, damit sie ihr vernichtendes Werk verrichten. An dieser Stelle kommt bei Scotts neuem Science-Fiction die künstliche Intelligenz ins Spiel.

Das Jahr 2104: Die Crew des Kolonistenschiffs Covenant landet unter dem Kommando des führungsschwachen Chris Oram (Billy Crudup) entgegen der Proteste des 1. Offiziers Daniels (stark: Katherine Waterston) auf einem Planeten, den sie bevölkern will. Neben der Besatzung sind 2000 Siedler im Tiefschlaf und Dutzende Embryos an Bord.

In diesem vermeintlichen Paradies sehen sich die Menschen bald nicht nur blutrünstigen Aliens gegenüber, sondern auch dem Androiden David (Michael Fassbender), dem einzigen Überlebende der 10 Jahre zuvor gescheiterten Prometheus-Expedition, die den Ursprung der Menschheit untersuchen sollte.

Szene strotzt vor biblischen Querverweisen

Der Film ist ein Zeugnis dafür, dass Scott auch noch in seinem hohen Alter eine innige Liebesbeziehung zur Ästhetik pflegt. „Alien: Covenant“ sieht atemberaubend aus – vor allem in seiner Monstrosität.

Trotz des Filmtitels spielen Scotts Aliens aber nur eine Nebenrolle. Die Schauspielkunst des in Deutschland geborenen Briten Michael Fassbender ist das Herzstück. Wenn sich die von Fassbender gespielten Androiden David und Walter, quasi ein verbessertes Modell von David, gegenüberstehen, ist „Alien: Covenant“ am besten.

Die Motive von David sind der Motor der Story: Der Android wird von seinem Erbauer und „Vater“ Peter Weyland (Guy Pearce) in einem futuristischen „Kreißsaal“ in Betrieb genommen. Die Szene strotzt vor biblischen Querverweisen. Seinen Namen gibt sich der Roboter im Angesicht von Michelangelos Skulptur „David“ selbst.

Der Dialog zwischen Schöpfer und Werk ist die Geburtsstunde von Davids ambivalentem Chauvinismus gegenüber der Menschheit. Er „lebt“ für immer, besitzt (zunächst) keine menschlichen Schwächen, ist aber dennoch zum Dienen verurteilt. Der Android fühlt sich zu Höherem berufen. David ist Frankensteins Monster, das selbst Frankenstein sein will. Er vereint kreationistischen Schöpfungswahn und destruktiven Gotteskomplex.

Zuschauer möchte Siedler zurückhalten

Der Film, der Prometheus weiterführt und der erste von mehreren Teilen sein soll, die letztlich in Ridley Scotts 38 Jahre alten „Alien“ münden, lässt jedoch auch viel zu wünschen übrig. Im Vergleich zum stilprägenden, beklemmenden Film von 1979 gelingt es Scott nicht, wirkliche Spannung aufzubauen.

Er setzt vielmehr auf vereinzelte und sehr blutige Schockmomente. Das Drehbuch lässt die Siedler zu viele 08/15-Horrorfilm-Sünden begehen. Die Kolonisten benehmen sich auf dem fremden Planeten mitunter wie naive Kinder. Mehrmals fragt man sich als Zuschauer: „Bist Du wahnsinnig?! Geh da doch nicht rein!“

Am Ende zitiert sich Ridley Scott selbst. Das ist im Grunde nicht verwerflich, aber Kennern der Alien-Filme dürfte es wie Story-Recycling vorkommen. Auch die Überraschung am Filmende können erfahrene Kinogänger schon nach der Hälfte des Films kommen sehen.

von Benjamin Kaiser

Alien: Convenant erhielt von den Besuchern der OP-Schnupper-
Premiere im Cineplex das Prädikat:  sehenswert mit der Note 2,79 (Bestnote ist 4,0).

Zuschauermeinungen:
„Sehr gelungen, bester Teil der Alien-Saga.“
Robin Kropf aus Marburg

„Gute Unterhaltung, wobei man ,Prometheus‘ gesehen haben sollte.“
Jonas Wiederhold (31) aus Marburg

„Gott sei dank, es ist endlich vorbei! Das war mein Statement nach Filmende, als das Licht noch nicht einmal an war. Damit ist ­alles gesagt.“
Anna-Maria Kirchner aus Marburg

„Schaurig, tolle Effekte.“
Iris Vincon aus Marburg

„Leider der Reihe nicht würdig. Schade.“
Benjamin Dechert (33) aus Marburg

„Sehr sehenswert, optisch sehr gut umgesetzt, nicht ganz klassisch Alien.“
Bastian Ohlemeyer (33) aus Gießen

„Spannend, gut gemacht, viel voraussehbar. Sigourney Weaver fehlt, allerdings ist Michael Fassbender top.“
Dany Steffen aus Bracht

„Fesselnd, optisch unschlagbar.“
André Stein (44) aus Marburg

„Sehr intensives Filmerlebnis. Top.“
Daniel Holtof aus Marburg

„Es kam an einigen Stellen das bekannte Alien-Gefühl auf, allerdings hat der Film einige offene Fragen hinterlassen.“
Eduard Stumpf aus Kirchhain

Die Gewinner:
Je zwei Freikarten gehen an: Thorsten Fischer, Anna-Maria Kirchner, André Stein (alle Marburg), Thorsten Dittmar (Rauschenberg) und Heiko Wolf (Ebsdorfergrund). Die Karten werden zugeschickt.

Die OP-Hitparade:
1. Sully (3,71)
2. Guardians of the Galaxy 2 (3,69)
39. Alien: Convenant (2,79)

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Hier finden sie die Kommentare und Meinungen der Redakteure zu lokalen und weltpolitischen Themen sowie Glossen und augenzwinkernde Beträge. mehr