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„Alice“ fordert das Publikum

Premiere „Alice“ fordert das Publikum

Ganz allein steht Victoria Schmidt in „Alice“ auf einer leeren Bühne umringt von unzähligen Klebezetteln. Die Monologfassung des berühmten Kinderbuches fördert die Fantasie und fordert das Publikum.

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Mit „Alice“ ins Wunderland: Victoria Schmidt zeigt den Kinderbuchklassiker als großen Monolog.

Quelle: Foto: Buseck

Marburg. . Der Inhalt von „Alice im Wunderland“ von Lewis Carroll ist durch viele Umsetzungen weltbekannt. Fast jeder hat ein eigenes Bild vom weißen Kaninchen, dem Hutmacher, der Grinsekatze und der Herzkönigin im Kopf. Doch die Erwartungen einer bunten Fantasiewelt werden in der Monologfassung von Matthias Jochmann gebrochen. „Ich will am Theater die Fantasie der Zuschauer ansprechen“, sagt der Regisseur im Gespräch nach der Premiere.

Fantasie und besonders Aufmerksamkeit sind bei dieser Inszenierung gefragt. Mal erzählt Victoria Schmidt ganz ruhig und bildhaft als Titelheldin Alice, was sie erlebt, sieht und fühlt. „Das ist ein widerspenstiges Wunderland“, ist ihr schnell klar. Mal schlüpft sie rasant von einer Rolle in die nächste – von der verängstigten Alice zum aufgedrehten Kaninchen und wieder zurück. Wer nicht aufpasst, verliert schnell den Faden.

An vielen Stellen klebt sich Schmidt beim Rollenwechsel einen der vielen unbeschrifteten Klebezettel auf die Brust. Das hilft besonders in Szenen, in denen sie zwischen Alice und einer anderen Figur hin- und herspringt.
Die Idee zum Monolog stammt von Regisseur Matthias Jochmann und Schauspielerin Victoria Schmidt.

„Ich wollte mich mal an ein Solo-Stück wagen“, erzählt sie. Erst nach dieser Entscheidung fiel die Wahl auf 
„Alice“, das Schmidt sehr viel Spielraum bietet, den sie hervorragend nutzt. Mit ihrer lockeren Sprache und ihrer jungen Art schafft es Victoria Schmidt, den Spannungsbogen über die 60 Minuten zu halten. Doch auch für sie ist das Stück anstrengend, 
wie sie im Gespräch verrät.

Unterbrochen wird Alices Reise immer wieder durch harte 
Klänge, die eine bedrohliche Atmosphäre verströmen. Die 
Inszenierung richtet sich an Erwachsene. Für Kinder ist das Stück wahrlich zu abstrakt und herausfordernd, für Jugendliche dagegen geeignet.

Denn auch sie treibt die Frage der Identitätssuche um, auf die die Monologfassung heruntergekürzt wurde. „Man will alles sein und allen gerecht werden“, so Matthias Jochmann. Auch in der Monologfassung verliert sich Alice im Wunderland. „Du erinnerst dich an Alice“, besinnt sich Victoria Schmidt gegen Ende des Stücks.

Das Stück schaut aber auch über den Tellerrand des Kinderbuches hinaus, greift etwa auf ein Zitat aus „Briefe an kleine Mädchen“ von Lewis Carroll zurück, das von Jürgen Keuchel gesprochen wird.
„Alice“ ist heute um 19.30 Uhr in der Black Box des Landestheaters zu sehen.

von Mareike Bader

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