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Alex Capus macht Zeitgeschichte spannend

Lesung Alex Capus macht Zeitgeschichte spannend

Es könnte absurder kaum klingen. Ein Schiff, das nach seiner Taufe sofort wieder zerlegt und in 5000 Kisten verpackt nach Afrika transportiert wird? Eine wahre Geschichte. Bestsellerautor Alex Capus hat sie aufgeschrieben.

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Bestsellerautor Alex Capus las im TTZ.Foto: Schwarzwäller

Marburg. Da liegt man nach getaner Recherchearbeit an einem Strand auf Samoa, liest und was passiert? Man stolpert über eine kleine Notiz und damit mitten hinein ins nächste Buchprojekt. So ist es Alex Capus vor fast zehn Jahren ergangen, nachdem er auf den Spuren von Robert Louis Stevenson unterwegs gewesen war. In einer Fachzeitschrift stieß er auf den britischen Kolonialoffizier Geoffrey Spicer Simson und über ihn auf die Geschichte der „Götzen“, die er in „Eine Frage der Zeit“ erzählt.

Die „Götzen“ war ein Dampfschiff, das 1913 auf Befehl von Kaiser Wilhelm in der Meyer-Werft in Papenburg gebaut wurde und das „in Afrika sein Unwesen getrieben hat“, wie Capus sagt. Der Autor und Journalist, der in Frankreich geboren wurde, in Basel studiert hat und heute im schweizerischen Ölten lebt, lässt seine Leser mit Schiffbaumeister Anton Rüter, Handwerksbursche Hermann Wendt und Nieter Rudolf Tellmann nach Afrika reisen. Die drei Werftarbeiter hatten die Aufgabe, die Kisten zu begleiten und die „Götzen“ am Tanganjikasee wieder zusammenzubauen.

Die äußeren Fakten und Ereignisse seien historisch akkurat, sagt Alex Capus, aber bei der Schilderung beispielsweise dessen, was der 23-jährige Hermann empfunden hat bei seiner Ankunft im fernen Afrika, da sei er natürlich Schriftsteller. Es sei etwas sehr Berührendes gewesen, in den Aufzeichnungen zu blättern, die aus dieser Zeit noch existieren und aus denen noch immer Sand riesele, nachdem sie in Afrika vergraben waren, erzählt der Autor. Wenn er mit dem Finger über das Papier fahre - „da trennt mich von meinen Helden Zeit, aber sonst gar nicht viel“. Sein Lieblingsheld in diesem Buch ist übrigens der bizarre Geoffrey Spicer Simson, verrät er.

Die rund 70 Besucher seiner Lesung im Technologie- und Tagungszentrum unterhielt Capus glänzend. Nicht nur auf dem Papier ist der Autor ein guter Erzähler. Es gibt ganz viele Geschichten rund um die Geschichte zu hören. Und jede Menge zu lachen, trotz des ernsten Hintergrunds. Als Zugabe bekommt das Publikum ein Häppchen aus seinem Buch „Mein Nachbar Urs“ serviert - wobei er fünf Nachbarn hat, die Urs heißen und einen namens Friedrich, der aus Deutschland kommt. Dabei lernen wir dann auch, während Friedrich für die Prüfung zur Einbürgerung büffelt, dass der Deutsch-Schweizer an sich eigentlich auf gar keinen Fall witzig ist.

von Nadja Schwarzwäller

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