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Nackte Tatsachen im Rathaus

„Unzensiert“ Nackte Tatsachen im Rathaus

„Unzensiert“ heißt die Ausstellung, die die Aktmalgruppe Wehrshausen im Historischen Rathaus präsentiert. Nun war Vernissage.

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Die Aktmalgruppe Wehrshausen stellt in Marburg Gemälde und Zeichnungen aus.

Quelle: Pixabay

Marburg. So vielseitig wie die vierzehn Mitglieder der Aktmalgruppe Wehrshausen sind, so vielschichtig sind auch ihre Bilder. Jeder Einzelne hat eine ganz eigene Antwort auf das Thema Akt gefunden: Mal sind die nackten Körper nur mit wenigen Strichen angedeutet, mal sind sie ganz realistisch und natürlich abgebildet. Mal sind die Farben hell, luftig und lebensfroh, mal dunkel, schwer und düster. Mal 
wurde mit Kohle und Tusche gezeichnet, mal mit Aquarellfarben und Acryl gemalt.

Die Bilder tragen sprechende Titel: Sie heißen „In den Startblöcken“ und „In Gedanken“, „Sonnenstrahl“, „Morgenstunde“, „Badende“ und „Ballerina“. Dabei haben sich die Mitglieder der Künstlervereinigung zum Ziel gesetzt, ganz spontan und unzensiert Stimmungen wiederzugeben, sagen sie selbst.

„Wir haben noch nie zusammen in Marburg ausgestellt“, erzählte Janka Steiner bei der Vernissage. Ein Teil der Aktmalgruppe Wehrshausen kenne sich schon seit den 1990er-Jahren aus dem Institut für Bildende Kunst an der Philipps-Universität Marburg. Von der Ausbildung her seien die Gruppenmitglieder aber ganz verschieden. Einige hätten eigene Ateliers und seien noch in anderen Vereinigungen engagiert, ­erklärte Janka Steiner weiter.

Becker sieht „erhebliche gesellschaftliche Dimension“

Dr. Christoph Becker, der die Malerinnen und Maler sehr gut kennt und auch manchmal Modell sitzt, führte in die Ausstellung ein. „Alle Künstler sind hier gleichberechtigt“, betonte er. „Seit 25 Jahren funktioniert das so.“ In den 1990er-Jahren habe sich die Aktmalgruppe um die Künstlerin Waltraud Bolenz gegründet und arbeite seitdem ganz selbstständig. „Es gibt keinen Kursleiter, keinen Häuptling“, erläuterte Dr. Becker. Hier werde nicht korrigiert, sondern man lerne voneinander. Es gebe Tipps, keine weisen Ratschläge.

Zur Ausstellung sagte er, Nacktheit sei als Begriff immer aufgeladen. Außerdem gebe es eine „erhebliche gesellschaftliche Dimension“. Das von der Werbung diktierte Körper
ideal lasse viele an ihrem Körper zweifeln. „Viele Menschen fühlen sich zu dick oder zu dünn, zu alt oder zu jung, zu prall oder zu schlaff.“ Kunsthistorisch betrachtet sei der Akt schon immer ein wichtiges Thema gewesen. „Die Kunst ist eine Art Filter, durch den wir auf etwas schauen können, ohne rot zu werden,“ führte Dr. Becker aus. Dabei verspreche der Künstler, mit seinem Bild etwas aussagen zu wollen, und der Betrachter versuche, es zu verstehen.

  • Die Schau im Marburger Rathaus ist noch bis zum 6. November 2018 zu sehen und täglich von 12 bis 18 Uhr geöffnet.

von Bettina Preussner

Frauen dominieren die Aktmalgruppe Wehrshausen, die bis zum 6. November im Marburger Rathaus ausstellt. Foto: Bettina Preussner
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