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Adventskonzert mal etwas anders

Oratorium Johann Hus Adventskonzert mal etwas anders

Die Aufführung des Oratoriums „Johann Hus“ war ein besonderes Projekt anlässlich des 600. Todestages des tschechischen Reformators. Anstrengungen und auch ein Quäntchen Glück sorgten für ein gelungenes Konzert.

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Das Marburger Oktett hatte sich für die Aufführung in der Pfarrkirche Verstärkung geholt.

Quelle: Michael Hoffsteter

Marburg. Michael Brauer vom Marburger Oktett freute sich, dass die Aufführung noch dieses Jahr geklappt hat - pünktlich zum Jahr des 600. Todestags von Jan Hus. Ursprünglich sollte die Aufführung zur Hus-Ausstellung im Sommer stattfinden. Doch wegen der Brasilien-Reise des Marburger Oktetts in diesem Herbst verschob sich die Aufführung. So erklang das Oratorium von Komponist Carl Löwe und Librettist Professor August Zeune nun wie schon die Uraufführung vom 16. Dezember 1841 mitten in der Adventszeit.

Pfarrer Ulrich Biskamp, der lange Zeit in Prag gelebt hat, wo Johann Hus der Rektor der Karls-Universität war, hatte anlässlich des 600. Todestages von Hus ein Ensemble für die Aufführung in Marburg gesucht, was gerne vom Marburger Oktett übernommen wurde.

Noten schlummerten im Herder-Institut

Doch damit war die Aufführung noch lange nicht gesichert. Denn das Oratorium „Johann Hus“ ist heute nahezu unbekannt. Erst zur Lutherdekade 2013 wurde es in Süddeutschland wiederentdeckt und aufgeführt. Auch die Suche nach Notenmaterial erwies sich als schwierig. Dabei erwies sich für das Oktett als hilfreich, dass Marburg eine Universitätsstadt ist.

Was kaum jemand wusste: Ein äußerst gut erhaltenes Exemplar der Noten lag gut gesichert im Marburger Herder-Institut. „Sie lagen dort seit Hunderten von Jahren und langweilten sich vor sich hin“, erklärte Michael Brauer im OP-Gespräch. „Die Noten waren so gut erhalten, dass wir mit zwei Tagen kopieren und ein bisschen digital nachbearbeiten perfektes Material hatten - so konnten wir das hier überhaupt aufführen“, sagte der Tenor. Im Oratorium „Johann Hus“ wird der Weg des tschechischen Nationalhelden musikalisch als „Oper ohne Szene“ nacherzählt. Hus ging 1415 nach Konstanz, um vor dem Konzil seine Lehre zu verteidigen, wurde aber trotz der Zusicherung des freien Geleits als Ketzer verurteilt und auf dem Scheiterhaufen verbrannt.

Für die Aufführung hatte sich das Marburger Oktett wieder einmal Verstärkung gesucht und sich als „Oktett-Plus“ mit insgesamt 21 Sängern sowie Marion Clausen als Solistin fast verdreifacht.

Zweiter Termin im März

Das Oratorium arbeitet fein mit romantischen Harmonien. Carl Löwe hat an vielen Stellen programmatisch die Gefühlswelt während der Reise und das sich ankündigende Unheil des böhmischen Reformators Jan Hus eindrucksvoll vertont. Statt des Orchesters setzte das Oktett dabei auf die Klavierbegleitung durch Peter Groß, die sehr gut zu der etwas kleineren Chorbesetzung passte.

Stimmungsvoll war die Aufführung allemal, besonders im idyllisch wirkenden zweiten Teil, der im böhmischen Wald spielt. Die solistischen Passagen der Einzelfiguren, wie etwa dem Kardinal von Florenz, wurden, bis auf einzelne Ausnahmen, von den Sängern des Marburger Oktetts übernommen. Vereinzelt wurde das Klavierspiel durch Martin Weyer an der Orgel ersetzt, wie bei Teilen des Verhörs im dritten Teil. So wirkte die Arie Jan Hus‘, dessen Part von Michael Brauer von der Empore direkt vor der Orgel gesungen wurde, besonders eindrucksvoll.

Geschickt wurde beim Choral „Was mein Gott will“ im ersten Teil das Publikum eingeladen, mitzusingen. Zusammen mit der Orgelbegleitung wurde der Choral an dieser Stelle wunderbar hervorgehoben. Das Publikum war begeistert und bedankte sich mit Standing Ovations für eine durchweg gelungene Aufführung.

Das Oratorium wird am 6. März 2016 ab 19 Uhr in der Evangelischen Kirche in Kirchhain noch einmal aufgeführt.

von Mareike Bader

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