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Adieu Stadthalle: Die Bagger rollen an

Abrissparty mit den Blues Brothers Adieu Stadthalle: Die Bagger rollen an

Viel besser kann man die Marburger Stadthalle nicht aufs Altenteil schicken: Erst begeisterten die Blues Brothers hunderte Fans im ausverkauften Saal, danach gab es Musik und Party im Foyer.

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Ein Schwerter schwingender Held auf der Theaterbühne

Kaum ein Durchkommen gab es bei der Abriss­party zeitweise im Foyer der Stadthalle.

Quelle: Michael Hoffsteter

Marburg. Als am Freitag spät abends gegen 23.30 Uhr der eiserne Vorhang, den das Publikum normalerweise nie zu sehen bekommt, mit einem dumpfen Knall zum letzten Mal für gut zwei Jahre auf der großen Bühne der Stadthalle fiel, war auch den letzten Besuchern klar: Die alte Marburger Stadthalle ist Geschichte.

Die Blues Brothers auf der Bühne und das staunende Publikum davor.

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28,7 Millionen Euro haben die Stadtverordneten inklusive Mehrwertsteuer für den Umbau der 1969 eröffneten Halle genehmigt. Mehr als 40 Jahre lang war die Halle der zentrale Veran­staltungsort in Marburg für die großen Produktionen des Hessischen Landestheaters, für die großen Konzerte und Kabarettveranstaltungen etwa des Kulturladens KFZ, für die Klassikangebote des Marburger Konzertvereins und für tausende Gastspiele.

Dennoch war von Wehmut wenig zu spüren bei der großen Abrissparty: „Es ist schon ein merkwürdiges Gefühl“, sagte Rudolf Zinser vom Stadthallen­management. Wehmut aber komme bei ihm nicht auf. Auch Stadträtin Dr. Kerstin Weinbach war dieses Wort angesichts des bevorstehenden Umbaus fremd. Es sei schon eher komisch, zwei Jahre lang auf große Events verzichten zu müssen, sagte sie.

Keine Zeit für Wehmut

Und das Landestheater? Die Marburger Theatermacher um Intendant Matthias Faltz haben gar keine Zeit für Wehmut. Sie stecken mitten im Vorbe­reitungsstress für den dritten Marburger Theatersommer und freuen sich auf die Herausforderungen an den Ersatzspielorten in der Lutherischen Pfarrkirche und in der Galleria Classica in der Schwanallee.Die Stadthalle wird komplett umgebaut und in zwei Jahren nicht wiederzuerkennen sein. Dabei wurde bereits jetzt alles verkauft, was irgendwie noch von Nutzen sein kann: Die großen Aluminium-Decken im Fo­yer haben ebenso einen Käufer gefunden wie die großen Leuchter, ein Teil der Saalbestuhlung und die Thonet-Sessel, die ebenfalls im Foyer standen.

Am 11. Juni ist Spatenstich, am 17. Juni wird dann die Baustelle eingerichtet: Die großen Bäume vor der Stadthalle wurden bereits gefällt, die Container der Martin-Luther-Schule in der Savigny-Straße abtransportiert, der Löwe wird noch umziehen. Abgerissen werden das gesamte Foyer und das Stadthallenrestaurant. Nur der Saal und die Bühne bleiben erhalten. Am 1. Oktober 2015 – so das Ziel von Baudirektor Jürgen Rausch – soll die Halle neu eröffnet werden, mit zwei zusätzlichen Sälen für den Kulturladen KFZ. Rausch ist zuversichtlich, den Zeit- und den Kostenrahmen einhalten zu können: 60 Prozent der Arbeiten seien vergeben und sie seien im Kostenplan geblieben.

Theater verkauft Kostüme

Am Freitag wurde die alte Halle würdevoll und mit viel Spaß für den Abriss freigegeben – mit der mitreißenden Hommage an die „Blues Brothers“. Die witzige Rock-Show begeistert seit der Premiere im Herbst die Marburger. Und auch am Freitagabend gab es minutenlange Standing Ova­tions. Die „Blues Brothers“ sollen mit umziehen in die Galleria Classica. Man darf gespannt sein, wie Intendant Faltz seine tolle Inszenierung an diese Bedingungen anpassen wird. Zudem gab es spät abends im rappelvollen Saal noch Szenen aus seiner Eröffnungsinszenierung „The Black Rider“ – ebenfalls ein Publikumserfolg.

Im Foyer gab es Musik von der Blues-Brothers-Band mit den großartigen Ogün Derendeli und Franziska Knetsch am Mikrofon. Und viele Besucher kleideten sich sehr günstig neu ein für den kommenden Fasching: Das Theater hatte einen Teil des Kostüm- und Maskenfundus aussortiert und verkauft.

von Uwe Badouin

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