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Abrechnung mit dem Arbeitsalltag

Premiere: Warteraum Zukunft am Hessischen Landestheater Abrechnung mit dem Arbeitsalltag

André Rößler inszeniert am Hessischen Landestheater „Warteraum Zukunft“. Das Stück des jungen deutschen Kleist-Preisträgers Oliver Kluck hat am Samstag, 22. Februar, in der Galeria Classica Premiere.

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Jürgen Helmut Keuchel (links) und Tobias M. Walter in einer Szene aus „Warteraum Zukunft“. André Rößler inszeniert das Stück von Oliver Kluck am Landestheater.Foto: Christian Buseck

Quelle: Christian Buseck

Marburg. „Warteraum Zukunft“ ist André Rößlers vierte Regiearbeit am Hessischen Landestheater: Er hat Jean-Paul Sartres „Die schmutzigen Hände“ als spannendes Politdrama in den Zuschauerraum verlegt. Er hat die antike „Antigone“ im universellen Kauderwelsch eines Übersetzungscomputers als Computerspiel auf die Bühne gebracht. Und schließlich zeigte er in „Mama Medea“ eine tragische Heldin als Rächerin im Spielplatzidyll.

Und jetzt rückt der 1978 in Wolfen geborene Regisseur in „Warteraum Zukunft“ der modernen Arbeitswelt auf die Pelle. Autor Oliver Kluck, nur zwei Jahre jünger als der Regisseur, hat für dieses Stück 2010 den „Kleist-Förderpreis für junge Dramatik“ erhalten. Uraufgeführt wurde es 2010 vom Hamburger Schauspielhaus in Koproduktion mit den Ruhrfestspielen Recklinghausen.

Im Zentrum des Stückes steht der Jungingenieur Daniel. Er hat all das gemacht, was von ihm erwartet wird: Abitur, Studium, Doktorarbeit. Er hat alles übererfüllt, doch mit der Karriere will es trotzdem nicht klappen. Die Fleischtöpfe sind vergeben.

Oliver Kluck gibt mit seinem Stück seiner Generation eine Stimme. Es ist die „Generation Praktikum“. Top ausgebildet. Strebsam. Angepasst. Was nutzt es, wenn man im Job verheizt wird. Aufbegehren? Fehlanzeige. Zu groß ist die Angst vor den finanziellen und persönlichen Folgen angesichts prekärer Beschäftigungsverhältnisse.

„Warteraum Zukunft“ wird in vielen Kritiken als wütende Abrechnung mit dem modernen Arbeitsalltag beschrieben. Kaum erschienen wurde das Stück schnell von vielen deutschen Bühnen entdeckt, die immer auf der Suche nach frischen, neuen Stoffen sind. Es wurde am Deutschen Theater Berlin inszeniert, am Hamburger Schauspielhaus, am Deutschen Nationaltheater Weimar. Was für eine Karriere für ein Stück, dass die Aussichtslosigkeit einer Karriere für die Generation Praktikum beschreibt.

24 Stunden lang folgen die Zuschauer dem Gedankenstrom Puttkamers durch seinen Arbeitstag in einem mittelständischen Industriebetrieb. Und der redet sich seinen Frust von der Seele.

„Regisseur Rößler macht aus Klucks Gegenwartsbeobachtung einen temporeichen, kabarettistisch-grotesken, überraschenden Theaterabend über das Leben der europäischen Mittelschicht“, heißt es in der Pressemitteilung des Landestheaters.

Und diese Mittelschicht läuft im Hamsterrad. Warum nimmt Puttkamer sein Leben nicht aktiv in die Hand, um daran etwas zu ändert, wenn er mit dem Ist-Zustand nicht zufrieden ist? Das ist eine der Fragen, die Rößler sich und dem Publikum stellt.

In der Hauptrolle ist Tobias M. Walter zu sehen, der bis Januar als Michael Kohlhaas in der Lutherischen Pfarrkirche auf der Bühne stand. Als Bürobelegschaft und Freundeskreis sind Uta Eisold, Julia Glasewald, Thomas Huth, Jürgen H. Keuchel sowie Daniel Sempf in gleich mehreren Rollen zu sehen.

Karten sind an der Theaterkasse in der Galeria Classica erhältlich. Die Kasse ist montags bis freitags von 9 Uhr bis 12.30 Uhr und 15 Uhr bis 18.30 Uhr sowie samstags von 9 Uhr bis 12.30 Uhr geöffnet. Weitere Informationen zum Spielplan unter www.theatermarburg.de.

Die Premiere ist ausverkauft, eventuell gibt es Restkarten an der Abendkasse.. Weitere Vorstellungen sind am 26. Februar sowie am 2., 4., 6 und 19. März jeweils ab 19.30 Uhr.

von Uwe Badouin

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