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55 Fotografen zeigen 250 Rockstars

Kunstverein: Ausstellung „On Stage“ 55 Fotografen zeigen 250 Rockstars

Es ist eine beeindruckende Liste von Rockstars, die von diesem Donnerstag an im Kunst­verein zu sehen ist. „On ­Stage“ heißt die Ausstellung der Hochschule für Gestaltung Offenbach. Eröffnet wird sie um 18 Uhr.

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Drei der vier Ausstellungsmacher: Florian Albrecht-Schoeck, der Marburger Clemens Mitscher und Rudi Weissbeck machen beim Hängen der Fotoschau eine kleine Foto-Pause.

Quelle: Uwe Badouin

Marburg. Mick Jagger von den Rolling Stones turnt in seinem unnachahmlichen Stil über die Bühne. Daneben arbeitet – mit vielen Falten im Gesicht – Gitarrist Keith Richards. Jagger und Richards sind nicht die einzigen Rocklegenden, die bis zum 2. Februar in großformatigen, hochauflösenden Fotos im Marburger Kunstverein „On ­Stage“ zu sehen sind. Black Sabbath, Alice Cooper, Patti Smith, Joe Cocker, die New Model Army, die britische Band Franz Ferdinand, Saga, Imagine Dragons­ und und und.

Fotografiert wurden sie von Studierenden der Hochschule­ für Gestaltung in Offenbach in Kursen unter der Leitung des Marburger Fotokünstlers Clemens Mitscher. Der ist seit 1997 Lehrkraft für besondere­ Aufgaben an der Offenbacher Hochschule, wo er zwischen 1985 und 1991 studierte. 2010 bot Mitscher im Sommersemester erstmals einen Kurs in Stage-Fotografie an. Es sei ideal, um das fotografische Handwerk zu lernen. Wer mit den sich ständig ändernden Lichtverhältnissen auf einer Rockbühne, mit den Bewegungen der Musiker klar komme, der komme auch mit allen anderen Bedingungen zurecht, sagte er am Dienstag beim Pressegespräch. Mit Studierenden fuhr er zum Hippie-Festival an die Burg Herzberg.

Aus dem einmaligen Projekt wurde eine Dauereinrichtung an der Hochschule. Mithilfe von Sponsoren aus der Foto- und ­
digitalen Industrie wurde ein US-Schulbus zum rollenden­ Labor umgerüstet. Inzwischen lagern auf den Servern etwa­ 500.000 Konzertfotos, ein Riesenfundus in einer Zeit, in der Rock-Fotografie immer strenger reglementiert wird und freies Fotografieren kaum noch möglich ist, wie Mitscher erklärt. „Das Rockgeschäft ist ein Markt, eine Industrie“, sagt Schoeck, der 2014 gemeinsam mit Anna Pekala eine große Ausstellung im Kunstverein hatte. Entsprechend rigoros sei oft die Vertragsgestaltung für Fotografen.

„Für die Marburger
ein absolutes Geschenk“

Gemeinsam mit den anderen­ Kuratoren der Ausstellung, dem Künstler Florian Albrecht-­Schoeck, Malte Sänger und Rudi Weissbeck hat Clemens Mitscher die enorme Datenmenge durchforstet und mehr als 300 Fotos im Format 40 mal 40 Zentimeter bis 1,60 mal 2,40 Meter für die Ausstellung ausgewählt.

„On Stage“ war in den vergangenen Jahren bereits an großen deutschen Bahnhöfen zu sehen – gesponsert von der Deutschen Bahn. Rund 500.000 Menschen hätten die Ausstellung in anderer Form bereits gesehen, so Mitscher. Die Marburger Ausstellung aber ist deutlich umfangreicher. Aufgrund der Fülle­ an Fotos haben sich die vier Ausstellungsmacher für die sogenannte Petersburger Hängung entschieden. Um großformatige „Schlüssel-Bilder“ werden die Wände mit Fotos in unterschiedlichsten Formaten eng bestückt.

Beim Hängen der Fotos setzen sie, ähnlich wie Musiker auf der Bühne, auf Spontaneität und Intuition, betonen Mitscher und Dr. Frieder Schwarzinger vom künstlerischen Beirat des Kunstvereins. „Die Bilder demonstrieren ein ganz besonderes Lebensgefühl, eine Haltung, ein Gefühl von Freiheit“, betont Schwarzinger über die Fotos. Sie dokumentieren über die Musiker und Bands oder die Fans, die ihnen zujubeln, ein Stück Jugendkultur. Die Ausstellung soll dies auch durch die Art der Präsentation abbilden.

Nach Marburg geht die Fotoschau „On Stage“ vermutlich in das deutsche Rock- und Popmuseum in Udo Lindenbergs Geburtstadt Gronau. Dort werde sie mindestens zehn Euro Eintritt kosten, sagt Mitscher. Im Marburger Kunstverein dagegen ist der Eintritt frei. Die in dieser Form einzigartige Ausstellung, die laut Mitscher Produktionskosten von rund 25.000 Euro hat und komplett ehrenamtlich zusammengestellt wurde, ist für die „Marburger ein ­absolutes Geschenk“.

In die Ausstellung führen diesen Donnerstagabend Professor Bernd Kracke, Präsident der Hochschule­ für Gestaltung Offenbach, und­ 
der Kunstkritiker Andreas Schlaegel ein.

  • Die vier Kuratoren stellen großformatige und hochwertige Abzüge von vier ausgewählten Fotos von Mick Jagger, Jeff Beck, Alice Cooper und „An Horse“ zur Verfügung, die in der Ausstellung zu sehen sind und diesen Donnerstagabend unter den Besuchern der Vernissage verlost werden.
  • Die Ausstellung wird diesen Donnerstagabend um 18 Uhr eröffnet. Sie ist bis zum 2. Februar im Kunstverein zu sehen; geöffnet Dienstag bis Sonntag 10 bis 17 Uhr, Mittwoch 11 bis 20 Uhr. Jeden Samstag finden um 16 Uhr öffentliche Führungen statt. Führungen für Schulklassen und Gruppen können unter der Rufnummer 06421/25882 abgesprochen werden.

von Uwe Badouin

 
 
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