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5 Laien-Darsteller in 50 Rollen

Hitchcock-Klassiker 5 Laien-Darsteller in 50 Rollen

Der Autor John Buchan hat sie 1915 geschrieben, Sir Alfred Hitchcock 20 Jahre später zu einem Klassiker auf Zelluloid gemacht und das „Theater voRSpIel 39“ nun ganz neu als witzigen Slapstick-Spaß interpretiert: „Die 39 Stufen“.

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Mit viel Slapstick und der OP in den Händen zeigt das Theater „VoRSpiel 39“ das Stück „Die 39 Stufen“.

Quelle: Nadja Schwarzwäller

Marburg. Das hätte Alfred Hitchcock sich wohl auch nicht träumen lassen: Dass er mal als kleine Pappfigur von einer Kulissenwand auf die Bühne der Marburger Waggonhalle schaut, wo einer seiner Kultfilme als Slapstick-Komödie daherkommt. Vor fast genau hundert Jahren hat Hitchcock aus dem Stoff des schottischen Autos John Buchan einen Hollywood-Film gemacht. Patrick Barlow wiederum bearbeitete den Film zu einem Bühnenstück, das seit 2006 im Londoner Westend als Dauerbrenner läuft. Diese Fassung diente der Gruppe „Theater voRSpIel 39“ nun als Vorlage für ihre Neu-Inszenierung. Und die hat es in sich.

Die Geschichte ist schnell erzählt: Richard Hannay fällt in einer Londoner Revue eine Spionagegeschichte in Gestalt von Annabell Smith in die Arme. Die liegt am nächsten Morgen tot in seiner Wohnung und er flieht in die schottischen Highlands, um ihren Hinweisen nach einem Spion zu folgen; verfolgt von der Polizei, die ihn für Annabells Mörder hält. Dabei trifft er auf Pamela, mit der er an Handschellen zusammengekettet fliehen kann. Am Ende wird natürlich der Bösewicht - Kopf der Spionage-Organisation der „39 Stufen“ - enttarnt und das Publikum mit einem glücklichen Paar belohnt.

Bis es soweit ist, bekommen die Zuschauer in der Marburger Waggonhalle großes Kino auf der kleinen Bühne geboten. Die minimalistisch anmutende Bühnendekoration - eine Bretterwand mit Fenster und Tür - verwandelt sich dank vieler witziger Ideen mit wenigen Handgriffen in Hannays Stadtwohnung, ein Bauernhaus oder einen Bahnhof und der Umbau von Requisiten wird ins Stück hinein choreografiert.

Geräuschkulissen und Musik sind perfekt abgestimmt und buchstäblich im Vorbeigehen wird auf der Bühne zum Beispiel aus einem Polizisten ein Zugbegleiter. Einzig Harald Schmidt ist durchgehend als Richard Hannay zu sehen, ansonsten spielen vier Schauspieler Dutzende von Rollen.

Harald Schmidt, Norbert Rechlin, Nina Schnautz, Kathrin Franz und Herbert Helmbrecht kommen alle aus dem Raum Marburg und sind im wahren Leben Ergotherapeuten, Techniker oder Verkäufer. Sie haben sich im vergangenen Jahr zum „Theater voRSpIel 39“ zusammengefunden und waren vor der Premiere ihres ersten Stücks richtig aufgeregt, wie Regie-Assistentin Ingrid Feike im Gespräch mit der OP verriet.

Apropos Zeitung: Die Oberhessische Presse wird sogar in Edinburgh gelesen, wenn man dem Stück Glauben schenken darf? Eine von vielen kreativen und witzigen Ideen, die die Truppe in ihr Stück eingebaut hat und die laut Regisseur Harald Schmidt oft während der Proben entstanden sind.

Der „Hausmeister“ als Schaf auf Rollen, ein Fenster, durch das man im Stehen klettern kann, eine parodistische Filmsequenz im Stil alter Schwarz-Weiß-Filme oder die „Men in Black“ mit einer richtig coolen Tanzeinlage sorgten für Szenenapplaus und am Ende durfte sich das „Theater voRSpIel 39“ (die großen Buchstaben stehen für die Initialen der Initiatoren) über verdienten Jubel in der Waggonhalle freuen.

Beeindruckend sind vor allem die Liebe zu den kleinen Details in der Inszenierung und die tollen Kostüme.

Nach zwei Vorstellungen am Donnerstag- und Freitagabend gibt es am heutigen Samstag ab 20 Uhr noch einmal die Gelegenheit, „Die 39 Stufen“ zu sehen. Könnte der Papp-Alfred schmunzeln und applaudieren - er täte es bestimmt.

von Nadja Schwarzwäller

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