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Sinnsuche in unsicheren Zeiten

Hessische Kinder- und Jugendtheaterwoche Sinnsuche in unsicheren Zeiten

Landauf, landab reagieren Theater auf gesellschaftliche Verwerfungen. Das schlägt sich auch in der 22. Hessischen Kinder- und Jugendtheaterwoche nieder. Sie wird politisch.

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Das Festivalteam um Intendant Matthias Faltz (vorne, Mitte) und Festivalchef Jürgen Sachs (rechts dahinter) freut sich mit Stadträtin Dr. Kerstin Weinbach (hinten rechts) auf eine intensive Kinder- und Jugendtheaterwoche.

Quelle: Uwe Badouin

Marburg. Theater ist Bildung. Theater ist politisch. Theater ist unverzichtbar. Das machte­ Intendant Matthias Faltz am Dientag bei der Vorstellung des Programms der 22. Hessischen Kinder- und Jugendtheaterwoche deutlich, die unter dem Titel „Kuss: Kuck! Schau! Spiel!“ vom 19. bis 25. März zum 22. Mal vom Hessischen Landestheater Marburg organisiert wird.

Angesichts der Diskussion über Etat-Kürzungen der Stadt Marburg betont er etwa im Vorwort des Festival-Programms: „Mehr Geld statt weniger muss in Kunst und Kultur investiert werden, damit nicht der Dummheit und dem Hass das Feld überlassen wird.“

Das Team um Festivalchef Jürgen Sachs hat im Vorfeld zahlreiche Stücke im In- und Ausland gesichtet und ein sehr politisches Programm zusammengestellt. „Der Spielplan war in diesem Jahr eine besondere Herausforderung aufgrund der gesellschaftlichen Entwicklungen um uns herum“, sagte Sachs. Kinder und Jugendliche bekämen diese Entwicklungen mit, das Theater müsse darauf reagieren.

Vom Puppen- bis zum klassischen Sprechtheater

„Stand Kuss 2016 schon stark unter dem Einfluss von Migration, gesellschaftlichen Veränderungen und Rassismus, so dürften auch 2017 die politischen Entwicklungen keinen Anlass zur Ruhe geben“, schreibt Stadträtin Dr. Kerstin Weinbach im Festivalprogramm. Am Dienstag lobte sie „die tolle Stückauswahl“. Es sei immens wichtig, Kinder und Jugendliche frühzeitig an das Theater heranzuführen, ­dazu leiste die Festivalwoche ­einen großen Beitrag.

Insgesamt sind an sieben ­Tagen 18 Theaterproduktionen­ aus Deutschland, Belgien, Österreich, der Schweiz und erstmals auch aus Tschechien zu sehen. Vier Stücke richten sich an Kinder im Kindergartenalter, drei an Grundschüler, elf an Jugendliche und junge ­Erwachsene. Das Spektrum reicht von Puppentheater und Objekttheater über Tanz bis zum klassischen Sprechtheater.

Zum ersten Mal nach Marburg kommt das Deutsche Nationaltheater Weimar mit dem Stück „Helden! Oder warum ich einen grünen Umhang trage und gegen die Beschissenheit der Welt ankämpfe“ (ab 13). Das Stück gibt ein Stück weit den Festivaltenor vor: Es geht um Freundschaft, Vergebung, Rechtsradikalismus und Sinnsuche in unsicheren Zeiten.

Parabel über Macht und Gier zum Auftakt

„Akim rennt“ (ab 8) von der compagnie toit végétal rückt ein Flüchtlingsschicksal ins Zentrum. „Dschihad One-Way“ (ab 14) vom Jungen Theater Hof spürt fast dokumentarisch einem deutschen Jugendlichen nach, der als Dschihad-Kämpfer nach Syrien zieht. Das Frankfurter Theater La Senty Menti wirft mit seinem preisgekrönten Stück „rememberRING“ (ab 13) einen Blick zurück auf den ­Holocaust.

Zur Eröffnung ist am 19. Februar eine Parabel über Macht und Gier zu sehen: „Herr Macbeth oder die Schule des Bösen“ (ab 12) wird vom Vorstadt-Theater Basel frei nach dem Shakespeare-Klassiker in Szene gesetzt.

Für die kleinsten Theaterbesucher gibt es vier Angebote: Das tschechische Theater 
Naivni Divadlo Liberec zeigt „Das Schaf, das vom Himmel fiel“ (ab 3), ein Stück das laut Norbert Ebel vom Festivalteam ganz „in der großen Tradition des tschechischen Puppenspiels“ stehe.

„Herr Trautsich geht hinter den Vorhang und staunt“ (ab 5) vom Theater Vorpommern ist ein fantasievolles Spiel mit der Imagination. Das „theater drei hasen oben“ präsentiert mit „Painting Songs“ eine Klangperformance für Kinder ab 2 Jahren. In „Die Steinsuppe“ (ab 3) des Spielraum-Theaters Kassel geht es spielerisch um Vorurteile.

„Kasimir und Karoline“ geht für Marburg ins Rennen

An Grundschüler richten sich neben „Akim rennt“ die Produktionen „Das Mädchen, mit dem die Kinder nicht verkehren durften“ (ab 8) von Charis Nass und „Jo im roten Kleid“ (ab 9), ein Stück über männliche Rollenmuster vom Theater Triebwerk aus Hamburg. Das Tanzstück „Blutsschwestern“ (ab 12) vom Wiener Dschungel beleuchtet weibliche Rollenmuster.

Das Hessische Landestheater­ geht mit Ödön von Horváths „Kasimir und Karoline“ (ab 14) ins Rennen um den mit 2000 Euro dotierten Festivalpreis, den die Theaterfreunde stiften. Ein ungewöhnliches „Stück Handwerk“ ist „Mit Herz und Hand“ (ab 13), das in der Tischlerei Stengel aufgeführt wird.

Anouilhs „Antigone“ (ab 13, Theaterhaus und Theater Grüne Soße Frankfurt) sowie der Bühnenspaß „Ressacs“ von der Brüssler Compagnie Gare Centrale runden das Angebot ab. Das Festival endet am 25. März mit „Eat it“ (ab 15), einer getanzten „Ode an die Kartoffel“.

von Uwe Badouin

Workshops
Neben Theater sehen ist Theater spielen von Beginn an das zweite wichtige Standbein der Hessischen Kinder- und ­Jugendtheaterwoche. In diesem Jahr haben Paul Möllers und Birgit Peulings vom Verein Schulkultur gemeinsam mit dem Staatlichen Schulamt 94 Theaterworkshops mit 34 Workshopleitern organisiert, die 1600 Schülerinnen und Schüler aller Altersgruppen an Schulen im gesamten Landkreis erreichen. Die Nachfrage sei größer gewesen, „aber wir hatten nicht mehr Geld“, betonte Möllers. Traditionell gehört die Bühne des Theaters am Schwanhof am Festival-Freitag (24. März) den Schulen, die dort immer vor vollem Haus ihre­ Workshop-Ergebnisse präsentieren.
 
Vorverkauf
Der Vorverkauf für die Hessische Kinder- und Jugendtheaterwoche beginnt am Donnerstag, 9. Februar, um 15 Uhr. Karten gibt es an der Theaterkasse im Erwin-Piscator-Haus, Telefon 06421/25608, auf der Homepage des Landestheaters www.theater-marburg.de sowie an allen Vorverkaufsstellen mit dem System ADticket. Die Karten kosten für Kinder und Jugendliche 6 Euro, für Erwachsene 9 Euro, wer den Busservice in Anspruch nimmt, zahlt 3 Euro pro Karten mehr.
 
Busservice
Das Hessische Landestheater organisiert für Besuchergruppen aus dem Landkreis Busse. Anmeldungen sind bis zum 27. Februar per E-Mail an die Theaterpädagogin Juliane­ Nowak möglich: j.nowak@
theater-marburg.de
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