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21-Jähriger bläst bravourös das Horn

Daniel Loipold spielte in Marburg 21-Jähriger bläst bravourös das Horn

Jugendkult beim Konzertverein: Im letzten regulären Konzert der Saison standen Werke junger Komponisten auf dem Programm. Und der Solist steht ebenfalls am Anfang seiner Karriere.

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Daniel Loipold spielte zusammen mit der Thüringen Philharmonie Gotha unter der Leitung von Hermann Breuer in der Marburger Stadthalle das erste Horn-Konzert von Richard Strauss.

Quelle: Michael Hoffsteter

Marburg. Mit der Thüringen Philharmonie Gotha gastierte ein Orchester beim Konzertverein, das sich durch seine Gastspielreisen bundesweit großes Ansehen erworben hat. Der Auftakt am Sonntagabend im Erwin-Piscator-Haus geriet zwar noch etwas wacklig.

Und insofern durften die Zuhörer froh sein, dass Hermann Breuer, der bis vor acht Jahren an der Spitze des Gothaer Orchesters stand, von Felix Mendelssohn Bartholdys „Italienischer“ Sinfonie die Exposition des Kopfsatzes wiederholen ließ. Denn ab da erklang dieses romantische Meisterwerk, das Mendelssohn mit Anfang zwanzig komponiert hat, wie aus einem Guss.

Breuer erinnert nicht nur von der Erscheinung her, sondern auch, was seine etwas eckig wirkenden Bewegungen angeht, an den großen ungarischen Maestro Georg Solti, der vor zehn Jahren starb. Wenn es orchestral dramatisch wird wie im furios vorangetriebenen Finale, dem italienischen Tanz „Saltarello“, dann ist Breuer in seinem Element. Aber er hat auch eine sensible Hand für die zahlreichen lyrischen Feinheiten in Mendelssohns populärster Sinfonie, wo sich, wie in den beiden Mittelsätzen, auch die 40-köpfige Thüringen Philharmonie Gotha an allen Pulten von ihrer klangschönen Seite zeigte – hervorzuheben die Hörner im Trio-Mittelteil des Menuetts.

Gelassenheit und Leichtigkeit

Als Solo-Instrument ist das Horn in Sinfoniekonzerten nur selten zu erleben – dann meistens mit einem der Mozart-Konzerte. Aber auch Richard Strauss, der spätromantische Meister der sinfonischen Dichtung und der Oper, hat zwei Konzerte für dieses Instrument komponiert. Das erste von ihnen als 19-Jähriger. Beim Konzertverein erklang es zum ersten Mal – gespielt von einem 21-Jährigen, der bereits mehrere Preise gewonnen hat und Solo-Hornist im Bruckner-Orchester Linz ist.

Daniel Loipold meisterte seinen schwierigen Part mit einer Gelassenheit und Leichtigkeit, die den Zuhörer den Atem anhalten ließ. Bravourös bewältigte er nicht nur die virtuosen Herausforderungen, auch verstand er es, mit betörend weichem Ton auf dem Horn zu singen – hingebungsvoll begleitet von den Musikern aus Gotha unter Breuers einfühlsamer Leitung.

Ein Galopp als Zugabe

Auch im letzten Werk des Abends stand das Horn-Quartett der Thüringen Philharmonie im Vordergrund. Es eröffnete mit einem Choral die „Roma“-Sinfonie von Georges Bizet, die dieser mit Anfang zwanzig während seines Rom-Aufenthalts zu komponieren begonnen, aber erst mehrere Jahre später vollendet hat. Auch dieses Werk des „Carmen“-Meisters, das nicht nur glänzend instrumentiert ist, sondern ebenso eingängige Melodien offenbart, war beim Konzertverein erstmals zu hören – was nicht weiter verwundert, da es ein Nischendasein im Repertoire fristet. Zu Unrecht, wie Breuer in seiner kurzen Ansprache am Ende des leidenschaftlich musizierten Plädoyers betonte. Das Publikum schien mit Breuer und dem Orchester einer Meinung zu sein und erhielt als Dank für den enthusiastischen Beifall den Galopp aus Bizets „Jeux d‘enfant“ (Kinderspiele).

Eigentlich war das Gastspiel der Thüringen Philharmonie Gotha das letzte Konzert der Saison. Aber der Konzertverein holt am Dienstag, 23. Mai, ab 20 Uhr den im März wegen Krankheit des Solisten ausgefallenen Liederabend nach – allerdings mit einem anderen Sänger: Der Bariton Michael Nagy, der Mitglied im Frankfurter Opernensemble war und in Bayreuth die Hauptrolle des Wolfram von Eschenbach in Wagners „Tannhäuser“ interpretierte, wird Lieder von Schostakowitsch, Schönberg und Tschaikowsky singen. Mit dem Pianisten Gerold Huber hat er einen der derzeit renommiertesten Liedbegleiter an seiner Seite.

von Michael Arndt

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