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200 Gemälde für das Kunstmuseum

Ausstellung „Ausblicke“ im Landgrafenschloss 200 Gemälde für das Kunstmuseum

Nach der Stiftung von ­Hilde Eitel mit moderner Kunst freut sich das Marburger Kunstmuseum der Philipps-Universität über eine neue Groß-Stiftung mit Landschaftsmalerei des 19. Jahrhunderts.

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Der Stifter Professor Reimund Seidelmann (rechts) und der Stiftungsvorsitzende Bernd Höhmann betrachten eines der Landschaftsbilder, die derzeit im Schloss kleine „Ausblicke“ auf die gesamte Sammlung des Politologen ermöglichen.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. 40 Jahre lang hat der Politologe Professor Dr. Reimund Seidelmann gezielt deutsche und französische Landschaftsmalerei des 19. Jahrhunderts gesammelt.

Dann hielt er inne. Was tun mit einer Sammlung, die man ein halbes Leben lang leidenschaftlich aufgebaut, gepflegt und ausgebaut hat. „Man kann eine Sammlung, an der man hängt, nicht in alle Winde verstreuen lassen“, sagte Professor Seidelmann am ­Donnerstag im Landgrafenschloss.

Wert beträgt rund 2 Millionen Euro

Er wandte sich an den Verein Freunde des Museums für Kunst und Kulturgeschichte, die das Kunstmuseum in der Biegenstraße und das Museum im Landgrafenschloss seit 1988 ideell und materiell unterstützen. Der Kunstsammler entschied sich für die Stiftung Kunstsammlung Prof. Dr. Reimund Seidelmann“, die im Landgrafenschloss mit einer kleinen Kabinettausstellung unter dem Titel „Ausblicke“ vorgestellt wird. Dort sind 15 von rund 200 Gemälden zu sehen, die ebenso wie wertvolle chinesische Keramik zum Vermögen der gemeinnützigen Stiftung gehören, die den Bestand des Marburger Kunstmuseums bereichern soll.

Den Wert der Kunstwerke bezifferte Bernd Höhmann, Vorstandsvorsitzender der Stiftung, auf rund zwei Millionen Euro. Zweck der gemeinnützigen Stiftung mit Sitz in Marburg ist es, Kunst und Kultur unter besonderer Berücksichtigung der Malerei zu fördern und insbesondere die Kunstsammlung des Stifters für die Allgemeinheit zu erhalten, einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen und der wissenschaftlichen Forschung zur Verfügung zu stellen.

Zu den in der Sammlung vertretenen Künstlern gehören mit Carl Rottmann, Eduard Schleich d. Ä., Carl Spitzweg sowie Charles F. Daubigny, Theodore Gudin, Theodore Rousseau und Felix Ziem bedeutende Landschaftsmaler des 19. Jahrhunderts. Seidelmann hofft auf Nachahmer.

„Passt außerordentlich gut zu unserem Museum“

Er drückte die Hoffnung aus, „unser aller Museum mit weiteren Stiftungen zu stärken“. Seine Sammlung ist nach der Stiftung der Marburger Sammlerin Hilde Eitel die zweite große Stiftung, die das Kunstmuseum bereichert. Seine Sammlung sei „durch den Geschmack des Einzelnen geprägt“, sagte der Stifter im Fürstensaal. Er will seine Sammlung auch künftig weiter ergänzen. Die Landschaftsmalerei des 19. Jahrhunderts sei künstlerisch hochinteressant und zugleich in den letzten Jahrzehnten vernachlässigt worden. Sie erlebe jetzt aber eine „langsame Renaissance“.

Nach Ansicht der Unipräsidentin Professorin Katharina Krause, selbst Kunsthistorikerin, passt die Sammlung „außerordentlich gut zu dem Bestand und dem Charakter unseres Museums“. Es seien Bilder mit stillem Charakter in unserer schnelllebigen Zeit. Die Ausstellung „Ausblicke“ sei „ein kleiner Vorgeschmack auf eine große Zukunft“.

Der Stiftungsvorsitzende Bernd Höhmann erläuterte die juristischen Probleme bei der Gründung einer Stiftung. Was ist, wenn ein Stifter ein Bild aus seiner Stiftung in seiner Wohnung aufhängen möchte? All dies sei „partnerschaftlich gelöst worden“. Höhmann sprach von einem „beachtlichen Mäzenatentum“, die Sammlung schärfe das Profil des Museums.

Sammlung soll Lehrzwecken dienen

Die Kunsthistorikerin Dr. Anna Ahrens, Expertin für die Malerei des 19. Jahrhunderts, nannte die Stiftung „ein wunderbares Vorhaben“. Sie sprach über die Unterschiede zwischen den Künstlernationen Deutschland und Frankreich insbesondere in der Landschaftsmalerei. Die sei freier als andere Genres wie ­etwa die Historienmalerei, daher könne man an ihr „die ­Entwicklung zur modernen ­Malerei in Reinstform nachvollziehen“.

Wie Museumsdirektor Dr. Christoph Otterbeck betonte, soll die Sammlung wissenschaftlich aufgearbeitet werden und damit auch, wie vom Stifter gewünscht, Lehrzwecken dienen. Geplant ist nach der Wiedereröffnung des Kunstmuseums eine große Ausstellung mit allen Arbeiten. Zudem soll ein Katalog erstellt werden.

Professor Seidelmann ist Marburg eng verbunden. Er hat an der Martin-Luther-Schule sein Abitur gemacht, an der Philipps-Universität studiert und hat als Politologe unter anderem in Brüssel, Jena und Gießen gelehrt. Darüber hinaus leitete er zahlreiche internationale Forschungsprojekte, insbesondere in Indonesien und China.

von Uwe Badouin

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