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1000 Autoren kommen nach Frankfurt

Buchmesse 1000 Autoren kommen nach Frankfurt

Auf der Frankfurter Buchmesse rücken Autoren und Leser wieder in den Blickpunkt. Die weltgrößte Bücherschau mit rund 700 Ausstellern und 4000 Veranstaltungen will mehr Publikum anlocken.

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Bücher, Bücher und noch mehr Bücher: Im vergangenen Jahr sind in Deutschland 72.820 neue Titel in Erstauflage erschienen.

Quelle: Frank Rumpenhorst

Frankfurt. Juergen Boos, langjähriger Chef der Frankfurter Buchmesse, will die weltweit wichtigste Leitmesse der Branche, die diesen Dienstag eröffnet wird, für das lesende Publikum attraktiver machen. Das hat immer erst nach den Fachbesuchern an den letzten beiden Tagen Zugang, in diesem Jahr am 14. und 15. Oktober.

Boos setzt auch auf Promis: Dieses Jahr wird Dan Brown, der mit seinen Thrillern zu den ­Megasellern im globalen Markt gehört, am Messe-Samstag vor 2000 Leuten seinen neuen Thriller vorstellen. Dass die Messe so stark um den Leser buhlt, hat gleich mehrere Gründe. Zum einen rückt das alte Kerngeschäft wieder in den Vordergrund, da sich der digitale Hype ums E-Book und anderen Schnickschnack im Buchgeschäft inzwischen gelegt hat.

Der Umsatzanteil von E-Books in Deutschland liegt gerade mal bei etwas mehr als fünf Prozent – im vergangenen Jahr war die Zahl der Käufer von digitalen Büchern sogar erstmals wieder rückläufig. „Auch nach 500 Jahren bleibt das Buch eine geniale und ausgereifte Innovation“, sagt Ronald Schild von der MVB, der für die Umsetzung der Digitalisierung zuständigen Tochter des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels. Er hatte dem E-Book vor einigen Jahren selbst eine weit schnellere Entwicklung zugetraut, wie er einräumt.

Gastland ist diesmal Frankreich

In Deutschland wird außerdem der direkte Kontakt zum Leser immer wichtiger. „Der Autor verlangt immer mehr, dass er auch sein Publikum trifft“, glaubt Boos. Sogar Kleinstädte organisieren heute Literaturfestivals. Zugleich sind die lit.Cologne oder das Berliner Literaturfest zu hochkarätig besetzten Veranstaltungen mit Weltstars der Szene geworden, zu denen Zehntausende Besucher kommen. Das setzt die Buchmesse­ unter Druck. Boos sieht sich zwar nicht in Konkurrenz zu anderen Festivals. Die Messe müsse aber gemeinsam mit den Verlagen auf die neue Situation reagieren.
Viele prominente Autoren kommen an den Main

Rund 1000 Autoren und schreibende Prominente kommen dieses Jahr wieder auf die Messe. Neben Brown gehören dazu unter anderem Margaret Atwood, Ken Follett, Paula Hawkins, Sebastian Fitzek oder Michel Houellebecq und Yasmina Reza aus dem diesjährigen Gastland Frankreich. Fast 200 Schriftsteller aus der gesamten frankophonen Welt sind insgesamt vertreten. Der Ehrengast Frankreich hat sich das ehrgeizige Ziel gesetzt, den gesamten französischsprachigen Sprachraum abzubilden bis nach Afrika oder Haiti.

Von dieser Vielfalt kann die Messe nur profitieren, genauso­ wie von der bereits im vergangenen Jahr wieder spürbar stärker gewordenen politischen Agenda. So soll das Thema Meinungsfreiheit – zum Beispiel in der Türkei – erneut einen Schwerpunkt auf der ­
Messe bilden.

Für die erwarteten 7000 Aussteller aus rund 100 Ländern steht aber das Geschäft im Vordergrund – auch weiter mit der Digitalisierung im Fokus. Frankfurt ist auch weltweit der wichtigste Handelsort für Buchlizenzen. In dem eigens für Literaturagenten reservierten Zentrum wurden 500 Tische verkauft – ein Rekord. Für den Eröffnungstag hat man als Redner den Chef von Penguin Random House, Markus Dohle, verpflichtet. Der weltweit führende Verlagskonzern gehört mehrheitlich zum Bertelsmann-Konzern.

Publiukum darf am Wochenende rein

Auch die im vergangenen Jahr begonnene Zusammenarbeit mit den Bereichen Kunst, Design und Mode will die Messe fortsetzen. Unter dem Motto „The Arts+“ will dort das Künstlerkollektiv robolab vom ZKM Karlsruhe seinen Roboter „manifest“ präsentieren.

Am Wochenende stürmt dann das Lesepublikum die Messe: Der Vorverkauf ist so gut angelaufen, dass mit einer Steigerung der Besucherzahlen gerechnet wird. Das Kalkül der Messe, mehr Publikum zu gewinnen, könnte also aufgehen. Allerdings bleibt die Frage, wie die zusätzlichen Besucherströme kanalisiert werden sollen. Schon bei früheren Messen war in einigen Hallen oft kein Durchkommen mehr.

  • Die Tageskarte für Privatbesucher kostet am Wochenende 19 Euro; ermäßigt 14 Euro; ­Wochenendticket 30 Euro, Familienkarte 46 Euro; für Kinder bis sechs Jahre ist der Eintritt frei. Geöffnet ist die Buchmesse von 9 bis 18.30 Uhr, am Sonntag nur bis 17.30 Uhr. Alle Informationen rund um die Buchmesse und die 4000 Veranstaltungen gibt es im Internet unter www.buchmesse.de.

von Thomas Maier

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