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Zwischen Kunst und Klischee

OP-Buchtipp: „Der japanische Liebhaber“ Zwischen Kunst und Klischee

Isabel Allendes neuer 
Roman „Der japanische Liebhaber“ erzählt von einer eigenwilligen Frau, die jahrzehntelang ein Geheimnis mit sich herumträgt. Eine Reise durch Raum und Zeit.

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Im Oktober war Isabel Allende auf der 67. Frankfurter Buchmesse in Frankfurt zu Gast.

Quelle: Jens Kalaene

Wieder einmal ist es die Geschichte einer großen Liebe. Und wieder einmal reist die Autorin Isabel Allende (73) in ihrem neuen Roman durch Zeit und Raum: durch vier Generationen und drei Kontinente. „Der japanische Liebhaber“ ist ein typisches Werk der erfolgreichen Chilenin („Das Geisterhaus“), die gern starke Frauen in den Mittelpunkt stellt.

Die Frau in diesem Roman ist Alma Belasco, eine Künstlerin, die sich mit fast 80 Jahren in ein Altenheim in San Francisco zurückgezogen hat. Wobei sie oft eher fatalistisch und eigenwillig als stark den Herausforderungen ihres bewegten Lebens begegnete, das einst in Polen begann. Am kunstvollen Konstrukt aus Vergangenheit und Gegenwart der Alma Belasco arbeiten vor allem Irina, ihre junge Assistentin aus Moldawien, und ihr Enkel Seth, die in ihrem Auftrag das in Kisten verstaute Leben ordnen, heimlich aber auch einer Liebschaft der alten Dame auf der Spur sind.

Auch Klischees werden erfüllt

Der geheimnisvolle Mann, den Alma seit ihrer Kindheit kennt, ist ein (in den USA geborener) Japaner. Den bunten Reigen komplettiert noch rund ein Dutzend weiterer Mitwirkender, darunter Almas Ehemann und andere Familienangehörige, die allesamt ein schweres Schicksal hatten und so für die entsprechende Dramatik sorgen, die Allende mit ihrem mitreißenden Erzählstil über weite Strecken wunderbar umsetzt.

Aber genau hier tun sich auch Schwächen auf. Es sind nur allzu bekannte Ereignisse und Gegebenheiten, die Allende leider hier und da in klischeehafte Schilderungen verfallen lässt: die zur Prostitution gezwungenen Osteuropäerinnen, der Stoizismus der Asiaten (hier in amerikanischen Internierungslagern nach dem Luftangriff der Japaner auf die US-Pazifikflotte in Pearl Harbor), der Kult um ein Samurai-Schwert oder manch arg rührselige Szene.

Die Person der eigenwilligen Alma ist gut getroffen in ihrer Zwiespältigkeit – im Gegensatz zu anderen Charakteren, die nicht durchweg geglückt sind. Irina zum Beispiel, deren Schicksal bis zu ihrer Arbeit im Altenheim durchaus nachvollziehbar ist, zeigt übermenschliche Größe in ihrer Aufopferung. Der „Liebhaber“ ist auch irgendwie unwirklich, und einige von Almas Angehörigen sind einfach zu edel für diese Welt. Ja, Allende tangiert dabei die Grenze zum Trivialen.

Hang zur Mystik blitzt kaum auf

Doch erweist sich die 73-Jährige auch wieder als einfühlsame Erzählerin, die sich vor allem dem Thema Alter sehr eindringlich nähert und ein wenig wehmütig, aber auch voller Selbstbewusstsein und Altersweisheit die späten Freuden eines erfüllten Lebens überzeugend wiedergibt.

Witzig: die linksliberalen Bewohner des Altenheims, die im Rollstuhl oder mit Rollator für Frieden demonstrieren. Ihren bekannten Hang zur Mystik hat die Chilenin, deren Werke bislang in 27 Sprachen übersetzt wurden und sich über 50 Millionen Mal verkauften, in diesem Buch kaum durchblitzen lassen. Nur eine tote Mutter mit Kind geistern ganz kurz durch den Roman – sozusagen als Randfiguren. Die Magie der Liebe aber gibt es allemal.

  • Isabel Allende: „Der japanische Liebhaber“, Suhrkamp Verlag, 336 Seiten, 21,95 Euro.

von Frauke Kaberka

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