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Neue Ausstellung im Haus der Romantik

Zwei Frauen-Leben gegen den Strom

„Lebensspuren. Caroline Schlegel und Ricarda Huch“ heißt die neue 
 Ausstellung im Haus der 
Romantik. Sie zeigt zwei ungewöhnliche Frauen, die gegen Konventionen ihrer Zeit verstießen.
Professorin Marita Metz-Becker neben einer Puppe mit Kleidern aus der Zeit von Caroline Schlegel-Schelling. Foto: Bettina Preussner

Professorin Marita Metz-Becker neben einer Puppe mit Kleidern aus der Zeit von Caroline Schlegel-Schelling.

© Bettina Preussner

Marburg. Die Schau befasst sich mit zwei klugen Frauen, die in vielerlei Hinsicht „revolutionär“ waren, wie Professorin Marita Metz-Becker, Vorsitzende des Hauses der Romantik, erklärt. Caroline Schlegel-Schelling und Ricarda Huch gestalteten mutig und selbstbewusst ihr eigenes Leben, auch gegen gesellschaftliche Widerstände.

Caroline Schlegel-Schelling, die auch drei Jahre in Marburg gelebt hat, wurde 1763 in ein bildungsbürgerliches Milieu hinein geboren. Schon als junge Frau äußerte sie, dass sie „weit lieber nicht heiraten würde“. Sie war dann aber dreimal verheiratet, einmal ließ sie sich scheiden, um den 13 Jahre jüngeren Friedrich Schelling zu heiraten. In Jena war sie Mitglied des Kreises der Frühromantiker um die Schriftsteller Tieck, Novalis, Brentano und Schlegel und führte einen viel besuchten literarischen Salon.

Sie war eine glühende Anhängerin der Französischen Revolution und zog 1793 nach Mainz, das damals Republik war. ­Ihre Revolutionsbegeisterung brachte ihr eine mehrmonatige Haft ein, die sie zusammen mit ihrer kleinen Tochter antrat.

1809 starb sie mit nur 46 Jahren in Maulbronn. Obwohl außer ihrem Briefwechsel keine Werke von ihr veröffentlicht wurden, muss man davon ausgehen, dass sie unter anderem an Schlegels Shakespeare-Übersetzung mitgewirkt hat.

Protest gegen die Nazis

Ricarda Huch wurde 1864 in Braunschweig geboren. Sie studierte und promovierte als eine von wenigen Frauen dieser Zeit in Zürich. In Deutschland war damals ein Studium für Frauen gar nicht möglich. Auch Ricarda Huch heiratete mehrmals und ließ sich wieder scheiden.

Sie führte ein recht unstetes Leben unter anderem in Triest, München, der Schweiz und in Jena. Ricarda Huch war mit Thomas Mann befreundet, der sie „die erste Frau Deutschlands“ nannte. 1933 trat sie demonstrativ aus der Akademie der Künste aus und distanzierte sich von Hitlerdeutschland.

Fortan lebte sie in der inneren Emigration. Die Schriftstellerin veröffentlichte zahlreiche Romane, Erzählungen und Gedichte. 1902 schrieb sie ein Buch über die Romantik und hat damit die Rezeption dieser Epoche, die über hundert Jahre vergessen war, wieder angestoßen.

Die Ausstellung, die im Romantikerhaus Jena konzipiert wurde, zeichnet die Lebensläufe der beiden Frauen vor allem auf Schautafeln nach. In Vitrinen werden aber auch Gegenstände aus der jeweiligen Zeit gezeigt, zum Beispiel ein Frauenfächer von 1800, ein Damen-Schreibzeug und eine echte französische Kokarde.

  • Die Ausstellung wird diesen Mittwoch, 11. November, um 18 Uhr im Haus Am Markt 16 eröffnet. Sie ist bis zum 21. Februar 2016 zu sehen.

von Bettina Preussner


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