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Zwei Egozentriker in Höchstform

Kinostart: „Ich und Kaminski“ Zwei Egozentriker in Höchstform

Gegensätzlicher könnten der Kunstkritiker Zöllner und der blinde Maler ­Kaminski kaum sein. Was beim Lesen des Kehlmann-Romans „Ich und Kaminski“ schon ein Spaß war, haben sich jetzt Filmemacher vorgeknöpft.

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Ein Zusammentreffen mit grotesken Zügen: Kunstkritiker Sebastian Zöllner (Daniel Brühl, rechts) will eine Biografie über den blinden Manuel Kaminski (Jesper Christensen, links) schreiben. Karl Ludwig (Denis-Lavant) ist amüsiert.

Quelle: X-Verleih

Literaturverfilmungen genießen häufig einen schlechten Ruf. Autor Daniel Kehlmann sagt: „Grundsätzlich teile ich die billige Skepsis gegenüber Literaturverfilmungen nicht.“ Denn: Die meisten Filme seien schlecht – ganz gleich ob Literaturverfilmung oder nicht. Nach „Ruhm“ und „Die Vermessung der Welt“ kommt jetzt „Ich und Kaminski“ auf Grundlage des gleichnamigen Kehlmann-Romans in die deutschen Kinos.

Daniel Brühl spielt darin den glücklosen Kunstkritiker Sebastian Zöllner, der mit langen Haaren und Bart leicht verschroben aussieht. Das wird noch unterstützt durch seine überhebliche, großkotzige Attitüde. Er will eine Biografie über den fast vergessenen Künstler Manuel Kaminski (Jesper Christensen) schreiben, der als blinder Maler in die Geschichte einging. Doch Zöllner wittert einen Scoop: Kann der klapprige Kahlkopf sehr wohl sehen?

Kaminski, von der Öffentlichkeit abgeschirmt durch seine strenge Tochter Miriam (Amira Casar), lässt sich nicht in die Karten gucken – schon gar nicht von dem mäßig engagierten Zöllner. Erst als der den Alten zu seiner Jugendliebe fahren soll, kommt die Geschichte – und damit auch die Beziehung der beiden – ins Rollen. Sie streiten über die Liebe, tragen Generationenkonflikte aus. Was als satirische Komödie gedacht ist, stimmt an einigen Stellen durchaus auch nachdenklich.

Künstlerische Szenenübergänge

Dass es in dem Film um Kunst geht und dass er auf einem Buch basiert, wird schon an der Gliederung nach Kapiteln deutlich. Die Übergänge sind künstlerisch gestaltet: Die Filmszenen gehen in Standbilder über, die wie Malereien wirken. Kapitelnummer und Titel werden eingeblendet. Eine unkonventionelle Umsetzung, die aber sowohl dem Roman als auch dem kreativen Thema an sich gerecht wird.

Kehlmann war zwar nicht an den Arbeiten beteiligt, nach eigenen Angaben aber im ständigen Gespräch mit Regisseur Wolfgang Becker und Autor Thomas Wendrich – über mehrere Drehbuchfassungen hinweg. „Ich habe den Film schon mehrmals gesehen und finde ihn einfühlsam, witzig, einfallsreich und im schönsten Sinn ungewöhnlich“, sagt der Schriftsteller nun.

Wer das Buch kennt, wird vieles wiederfinden. Allerdings gibt es einen entscheidenden Unterschied: „Eine Herausforderung der Umsetzung lag natürlich darin, dass der Leser des Buches eingesperrt ist in die Ich-Perspektive eines eitlen und sich ständig selbst überschätzenden Erzählers – das ist im Film, der ja naturgemäß die Figuren von außen zeigt, nicht ohne weiteres zu machen“, so Kehlmann. Dennoch dominiert die Zöllner-Perspektive.

  • Der Film läuft im Filmkunsttheater Kammer.

von Marco Krefting

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