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"El Clan"

Wie eine Mafiafamilie Entführungen als Geschäft entdeckt

Eine ganze Familie ist in Buenos Aires an Entführungen reicher Bürger beteiligt: "El Clan" basiert auf wahren Begebenheiten. Beim Filmfest Venedig gab es dafür den Preis für die beste Regie.
In "El Clan" ist die ganze Familie Puccio an der Entführung reicher Bürger beteiligt.

In "El Clan" ist die ganze Familie Puccio an der Entführung reicher Bürger beteiligt.

© Prokino

Marburg. Der Mann der Familie ist zwar meist der Strippenzieher. Doch bei mafiösen Machenschaften sind häufig auch die anderen Mitglieder der Familie involviert. Wie so etwas funktioniert, zeigten etwa Francis Ford Coppolas Mafiasaga "Der Pate» und die erfolgreiche TV-Serie "Die Sopranos" eindrucksvoll. Nun folgt so etwas wie eine südamerikanische Variante: In "El Clan" versetzt eine Familie in Buenos Aires die Menschen mit Entführungen und Morden in Angst und Schrecken.

Es ist Anfang der 1980er Jahre, kurz nach dem Ende einer Diktatur. Familienvater Arquímedes Puccio erkennt, dass er das Machtvakuum für sich nutzen kann, und entführt reiche Bürger der Stadt, um von deren Familien hohe Lösegeldsummen zu erpressen.

Nach außen wirkt Arquímedes zwar wie der nette Nachbar von nebenan. Doch das Sportgeschäft im vorderen Teil des Hauses ist nur Tarnung - in der Wohnung dahinter werden die Opfer gefangen gehalten. Vor allem aber terrorisiert der Vater seine gesamte Familie und fordert bedingungslose Unterstützung. Besonders der älteste Sohn Alejandro begehrt jedoch immer stärker auf.

Mit "El Clan" erzählt der argentinische Regisseur Pablo Trapero eine Geschichte, die auf wahren Begebenheiten basiert: Die Puccios gab es tatsächlich, erst nach vielen Jahren wurden sie festgenommen und teilweise verurteilt. Der Film offenbart so neben den familiären Spannungen auch politische Missstände der damaligen Zeit.

Während die Mafiosi in anderen Werken jedoch mit ihren Schwächen gezeigt werden und so eine gewisse Nähe zu den Zuschauern aufbauen, fehlt diese Identifikation bei "El Clan": Arquímedes ist und bleibt ein unsympathischer Patriarch. Außerdem zeigt Trapero die illegalen Machenschaften als ein routiniert abgespultes Geschäft, so dass sich hier wenig Spannung aufbaut. "El Clan" schwankt daher etwas unentschieden zwischen düsterem Mafiathriller und Familiendrama hin und her.

von Aliki Nassoufis


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