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Kinostart: „Das Talent des Genesis Potini“

Wie ein Schachgenie Neuseeland inspirierte

Genesis Potini war ein Mann wie ein Bär, und wegen einer psychischen Krankheit manchmal unberechenbar aggressiv. Aber mit kleinen Kindern konnte er. Er inspirierte Tausende. Sein Trick? Ein Spiel.
Die Kinder des Eastern Knight Clubs sehen Genesis (Cliff Curtis) als gutmütigen Träumer, dessen Mut ansteckend ist. Foto: Koch Films

Die Kinder des Eastern Knight Clubs sehen Genesis (Cliff Curtis) als gutmütigen Träumer, dessen Mut ansteckend ist.

© Koch Films

Es ist eine Geschichte über Mut und Armut, Hürden und Höhepunkte, Triumphe und Tiefen: Der neuseeländische Film „Das Talent des Genesis Potini“ berührt und inspiriert.

Der ungewöhnliche Held der wahren Geschichte ist ein neuseeländischer Ureinwohner, ein Maori, mit einer schweren bipolaren Störung: in einer Minute lammfromm, in der nächsten aggressiv. Der wahre Potini, genannt „Dark Horse“, ist 2011 gestorben. Sein Vermächtnis lebt in Neuseeland weiter.

Als „überlebensgroß“ beschreiben ihn Leute, die ihn kannten, nicht nur wegen der 140 Kilogramm, die er auf die Waage brachte. „Er war zwar groß und schwarz und hässlich, aber gleichzeitig so ungestüm und offen mit den Kindern – sie haben ihn gleich gemocht“, erzählt sein Freund Noble Keelan der Deutschen Presse-Agentur.

Mit ihm zusammen hatte Potini den „Eastern Knights“-Schachclub im Städtchen Gisborne gegründet. Eigentlich wollten die beiden nur ihrem Hobby frönen, dann kam die Idee, benachteiligte Kinder, vor allem Maoris, zum Schachspiel zu bringen.

Potini: „Manisch, depressiv aber nicht verrückt“

Potini entpuppte sich als 
Naturtalent. Er baute Geschichten aus der Maori-Mythologie in seine Schachstunden ein und lehrte beim Aufschreiben der Züge nebenbei Mathe und Geometrie. „Er hat eine Methodik entwickelt, die wir bis heute nutzen“, sagt Keelan. Jungen erzählen bis heute, wie Potini sie vor einer Karriere als Kleinkriminelle bewahrte.

In einem Dokumentarfilm aus dem Jahr 2003 sagte Potini: „Ich lebe als Maori, ich lebe als Mensch und ich lebe als Schachspieler, aber ich lebe nicht als Opfer einer bipolaren Störung. Ich habe manische und depressive Phasen, aber ich bin nicht verrückt.“

Freunde wie Keelan nannten Potini „Gen“, sein Spitzname aber war „Dark Horse“, 
wie der Film auch im Original heißt. „Dunkles Pferd“ übersetzt, aber im übertragenen Sinn bezeichnet man damit auch eine „unbekannte Größe“, zum Beispiel jemanden, der im Verborgenen unerwartete Talente hat.

Genesis Potini starb mit 47 Jahren an einem Herzinfarkt, kurz nach der Geburt seines Sohnes. Mit dem Film lebt er weiter, sagt Keelan, weil Schauspieler Cliff Curtis ihn so echt darstelle. „Es ist, als ob Gen ihn die ganze Zeit unsichtbar geführt habe“, meint Keelan. Der Schachclub besteht noch heute. Mehr als 15.000 lernten dort schon das Königsspiel. Keelan unterrichtet inzwischen zwei Fünfjährige: seinen eigenen Sohn Purewa und Potinis Sohn Nopera.

  • Der Film läuft im Filmkunsttheater Palette.

von Cheryl Norrie 
und Christiane Oelrich


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