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Kinostart: „Jane got a gun“

Western drückt auf die Tränendrüsen

Ein Western ist ein Western ist ein Western. Und eben keine gefühlsduse­lige Romanze. Das könnte das Problem werden für Natalie Portmans „Jane got a gun“.
Die Filmszene zeigt Natalie Portman als Jane Hammond und Joel Edgerton als Dan Frost im Film „Jane got a gun“. Foto: Jack English/Universum Film/dpa

Die Filmszene zeigt Natalie Portman als Jane Hammond und Joel Edgerton als Dan Frost im Film „Jane got a gun“.

© Jack English/Universum Film/dpa

Marburg. Hass und Rachegelüste, gepaart mit ein bisschen Angst und viel Selbsterhaltungstrieb: Das ist der gängige Gefühlsmix für einen Western. Sentimentales Schwelgen zweier Liebender in der gemeinsamen Vergangenheit passt da eher nicht so gut.

Der Stoff von „Jane got a gun“ aber taugt für beides: Jane, gespielt von Oscar-Preisträgerin Natalie Portman, will ihre Farm verteidigen. Ihr Ehemann Bill „Ham“ Hammond (Noah Emmerich) ist vor Jahren aus einer Ganovenbande ausgestiegen und hat dabei viel Blut vergossen. Der Trupp ist ihm nun auf die Schliche gekommen und hat den Hünen mit Blei durchlöchert. Er röchelt nur noch, fällt für den Widerstand also aus, weshalb sich Jane Hilfe bei ihrem Ex-Verlobten Dan Frost (Joel Edgerton) sucht.

Über Rückblenden mit Kornfeldromantik wird die Geschichte des Trios in den 1860ern, zur Zeit des Bürgerkriegs, umständlich erzählt. Während die beiden Kampffähigen auf den Angriff der Bande um John Bishop (Ewan McGregor) warten, kommen sie sich dank der Erinnerungen an die idyllische Zeit wieder näher. Das hätte Potenzial, auf die Tränendrüsen zu drücken – würde ein paar Sekunden später nicht das Geballer losgehen.

Film verfehlt seinen Anspruch

„Der Westernaspekt dieses Films ist eine Metapher für Liebe und die Wege, auf denen wir uns gegenseitig verletzen, ohne es zurücknehmen zu können“, sagt Portman. „Wenn du einmal etwas tust, kannst du damit eine Beziehung irreparabel zerstören.“ Ja, das passt zu Natalie Portman, die mit ihrer Zerbrechlichkeit im Ballett-Psychothriller „Black Swan“ gut besetzt war.

Dass Jane um ihre Familie kämpft, gerne ihre Ruhe hätte und in Frieden leben würde, kauft man Portman auch in „Jane got a gun“ ab. Die harte, bisweilen rachsüchtige Westernbraut eher nicht. Auch wenn Jane eine Waffe hat – und diese auch benutzt –, käme sie ohne ihren Ex nicht weit. Damit verfehlt der Film auch den Anspruch, eine Frau in den Fokus zu nehmen und auf diese Weise eine Alternative zum testosteronlastigen Standard-
Western zu bieten.

Da war etwa „The Homesman“ mit Hilary Swank in der Hauptrolle im vergangenen Jahr weiter. Nun bleibt der Versuch, in der malerischen, wenn auch bisweilen staubtrockenen Landschaft im US-Bundesstaat New Mexico einen etwas anderen Western zu zeigen. Das klappt. Fraglich ist dann nur, wessen Geschmack diese Version am Ende trifft: Westernfreunde oder Liebhaber von Herz-Schmerz-Geschichten.

  • Der Film läuft ab Silvester im 
Cineplex.

von Marco Krefting


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