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Bad Hersfelder Festspiele: Halbzeitbilanz

Wedel denkt über Luther-Stück nach

Eine positive Bilanz zieht Intendant Dieter Wedel nach der ersten Hälfte der Bad Hersfelder Festspiele 2016 und verkündet erste Pläne für das kommende Jahr.
Das Stück „Hexenjagd“ hat Intendant Dieter Wedel selbst inszeniert. Foto: Uwe Zucchi

Das Stück „Hexenjagd“ hat Intendant Dieter Wedel selbst inszeniert.

© Uwe Zucchi

Bad Hersfeld. So plant der Theatermann für das Luther-Jahr ein Stück, das sich mit dem Reformator beschäftigen soll. Insgesamt möchte er dem Schauspiel noch mehr Gewicht verschaffen.

Oberhessische Presse: Herr Wedel, sind Sie mit dem bisherigen Verlauf der Festspiele zufrieden?
Dieter Wedel: Ja, denn die Akzeptanz der Stücke und die Besucherzahlen sind durchaus sehr positiv. Aber natürlich gibt es immer noch etwas, was verbessert werden kann, vor allem auch im organisatorischen Bereich. Erleichtert und glücklich bin ich, dass ein so anspruchsvolles, ernstes Stück wie „Hexenjagd“ bei den Abendvorstellungen nahezu ausverkauft war. Es ist natürlich ein Risiko, einen so politisch brisanten Stoff im Sommertheater zu präsentieren. Aber ich glaube, dass die Zuschauer gemerkt haben, dass das Stück sie persönlich etwas angeht.

OP: Und die anderen Stücke?
Wedel: Über „Krabat“ bin ich sehr happy, auch wenn uns leider einige Schulen ein wenig im Stich gelassen haben. Da haben wir mit viel mehr jungen Besuchern gerechnet. Die Abendvorstellungen allerdings waren ausverkauft, darum zeigen wir es ja noch zweimal am Abend Ende August. Bei „My Fair Lady“ merkt man, dass es auf dem Stück eines großen Schriftstellers basiert, Georg Bernhard Shaw. Dazu die wunderbare Musik und großartige Darsteller wie Sandy Mölling, Cusch Jung, Ilja Richter und Gunther Emmerlich. Gerade bei diesem Stück war es mir wichtig, dass die Darsteller nicht nur gut singen, sondern genauso gut spielen können.

OP: Das klingt alles sehr positiv, gibt es auch Defizite?
Wedel: Natürlich. Aber zunächst mal können wir doch feststellen, dass die Festspiele bisher beim Publikum überaus gut angekommen sind. Aber manches muss noch reibungsloser laufen, einiges muss strenger kontrolliert werden. Trotzdem braucht Theater auch markante Figuren, die nicht nur funktionieren, sondern auch mal Sand ins Getriebe streuen.

OP: Mit dem Vorsitzenden der Freunde der Stiftsruine, Helgo Hahn, haben Sie sich kürzlich auf offener Bühne einen Schlagabtausch geliefert. Ist das der Sand im Getriebe, den Sie meinen?
Wedel (Foto: Karl Schönholtz): Ja. Er meinte, mir ein paar Ratschläge geben zu müssen. Die nehme ich auch gern entgegen – ob ich sie befolge, ist eine andere Sache. Von sponsorengesteuertem Theater zu sprechen, das ist aber einfach Unsinn. Ich habe mir noch nie von Sponsoren etwas vorschreiben lassen.

OP: Helgo Hahn hat – wie viele andere – kritisiert, dass es bei Ihnen ein Schauspiel weniger gibt, als das früher der Fall war. Nehmen Sie diese Kritik an?
Wedel: Ja, ich möchte sehr gern ein weiteres Schauspielstück in die Ruine bringen. Ich habe auch immer gesagt, dass das Gewicht auf dem Schauspiel liegen wird. Natürlich ist das Musical – dank der guten Arbeit von Christoph Wohlleben – in Bad Hersfeld inzwischen eine Marke, denn es hat eine gleichbleibend hohe Qualität und bringt einen Grundstock an Zuschauern, die immer zu den Festspielen kommen. Wir müssen jetzt erreichen, dass auch das Schauspiel zu so einer Marke wird.

OP: Es ist von einem Defizit in Millionenhöhe die Rede, was nicht an zu wenigen Zuschauern sondern an zu hohen Ausgaben liegen soll. Was ist richtig daran?
Wedel: Ich weiß nichts von einem Defizit in Millionenhöhe. Als Land und Bund die Zuschüsse im vorigen Jahr erhöht haben, war damit die Auflage verbunden, dass die Stadt im Gegenzug nicht ihre Zuschüsse senkt. Das hat sie aber getan. Wir sind von 300.000 Euro mehr ausgegangen. Ohnehin ist in diesem städtischen Zuschuss ein Sockelbetrag an festen Kosten enthalten, den die Stadt auf jeden Fall aufbringen müsste, egal ob Festspiele stattfinden oder nicht. Das müsste eigentlich aus dem jährlichen städtischen Zuschuss herausgerechnet werden. Außerdem sollte man mal aussprechen, was die Festspiele der Stadt bringen. Zum Beispiel die vielen auswärtigen Besucher, die hier Geld ausgeben.

OP: Schauen wir auf die nächste Spielzeit: Sie wollten immer ein Stück über Luther machen. 2017 ist das Luther-Jahr. Gibt es also ein Luther-Stück?
Wedel: An einem solchem Stück bin ich sehr interessiert und dazu auch mit einem renommierten Bühnenautor im Gespräch. Ich selber habe natürlich auch etliche Überlegungen dazu. Mich interessiert vor allem, warum sich nicht schon längst einer der großen deutschen Schriftsteller an diesen Stoff gewagt hat? Warum gibt es kein Luther-Stück von Schiller oder von Hebbel? Deshalb frage ich mich auch, ob ich so vermessen sein darf, ein Stück über Luther zu machen?

OP: Und wie steht es mit einer Wiederaufnahme von „Hexenjagd“ und „My Fair Lady“?
Wedel: Ja, beide Stücke möchte ich im nächsten Jahr wieder spielen. Sowohl das „Hexenjagd“-Ensemble als auch das Ensemble von „My Fair Lady“ sollen wiederkommen. Sie alle haben die Festspiele lieb gewonnen. Aber natürlich müssen wir jetzt erst mal darüber verhandeln.

OP: Bei einigen langjährigen Festspielbesuchern und -fans stößt es übel auf, dass einige ­Laudatoren so tun, als hätten erst Sie das Licht nach Bad Hersfeld gebracht, weil es hier vor Ihnen nur Bauerntheater gab. Ist das nicht auch etwas über­trieben?
Wedel: Völlig übertrieben und trifft auch nicht zu. Holk Freytag und Elke Hesse haben mich gefragt, warum mit dem Lob für das gerade Gegenwärtige das Vorangegangene gleich niedergemacht werden muss? Das ist doch wirklich nicht nötig. Alles basiert auf dem Vorangegangenen, denn das ist das Prinzip der Kunst überhaupt. Nichts kann ohne Vorgänger existieren.

von Kai A. Struthoff 
und Karl Schönholtz


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