Dirigent Uroš Lajovic bewegte die Jenaer Philharmonie mit tänzerisch anmutender Körpersprache zu einem breit strömenden, warmherzig pulsierenden Musizieren.
Marburg. Gleich mit der „Tragischen Ouvertüre“ von Johannes Brahms zog die Jenaer Philharmonie das Publikum in ihren Bann. Welch ein wundervoll warmer und samtiger Orchesterklang! Er wirkt auf überaus sympathische Weise altmodisch und ist selten geworden auf den internationalen Konzertpodien. Denn dort sind vor allem Perfektion und Hochglanz gefragt, vorangetrieben auch durch die mediale Verwertung.
Aber Brahms hat genau jenen typisch „deutschen“ Klang der Jenaer Philharmonie vor Ohren gehabt, als er seine „Tragische Ouvertüre“ komponierte und fast anderthalb Jahrzehnte mit der Entstehung seiner ersten Sinfonie rang, weil ihn das erdrückende Vorbild Beethoven immer wieder abschreckte. Ergebnis ist eines der größten Meisterwerke der romantischen Sinfonik, das beim ersten Marburger Gastspiel von Thüringens größtem Konzertorchester eine kongeniale Wiedergabe erfuhr.
In ihr kam mitreißend auch das Wienerische in der Musik des gebürtigen Hamburgers und Wahlwieners Brahms zum Tragen.
Verantwortlich dafür war der slowenische Dirigent Uroš Lajovic. Er entstammt der renommierten Wiener Dirigentenschmiede Hans Swarowskys, aus der auch Pultstars wie Claudio Abbado und Zubin Mehta hervorgegangen sind. Und seit 21 Jahren lehrt er selbst in Wien.
Mit tänzerisch anmutender Körpersprache bewegte der 66-Jährige die Jenaer Philharmonie zu einem breit strömenden, warmherzig pulsierenden Musizieren, wobei die Streicher zu Recht im Vordergrund standen. Aber auch die Bläser überzeugten: solistisch (Oboe und Horn zusammen mit der Solovioline im zweiten Satz) und als Ganzes, so die wundervoll weichen Hörner und der kultivierte Posaunenchor, welche den Boden bereiteten für das hymnische Ohrwurmthema des Finalsatzes.
von Michael Arndt
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