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OP-Buchtipp: Jonas Jonasson: „Mörder Anders und ...“

Von Mördern 
und von Menschen

Skurrile Figuren, Drogenmissbrauch, Mord und Totschlag – Jonas Jonasson greift wieder in die Vollen.
Jonas Jonassons dritter Streich als Autor: „Mörder Anders und seine Freunde nebst dem einen oder anderen Feind“. Fotos: Rolf Vennenbernd, carl‘s books

Jonas Jonassons dritter Streich als Autor: „Mörder Anders und seine Freunde nebst dem einen oder anderen Feind“.

© Rolf Vennenbernd, carl‘s books

Der erfolgsverwöhnte Autor hat seine Nummer drei vorgelegt: Nach dem Riesenerfolg mit seinem Debütroman „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“ und „Die Analphabetin, die rechnen konnte“ erscheint nun „Mörder Anders und seine Freunde“ auf Deutsch.

Der schwedische Schriftsteller (54) bleibt sich treu: Ausgefallene Ideen, Lust am Fabulieren und die Regel, dass der Fantasie keine Fesseln angelegt werden dürfen. All das gilt für den dritten Roman genau wie für die vorherigen, die gerade hierzulande erfolgreich waren:

Die deutsche Ausgabe des Romans über den Hundertjährigen, der aus dem Altenheim flüchtet (2011) führte 32 Wochen lang die „Spiegel“-Bestsellerliste an und verkaufte sich mehr als 4,2 Millionen Mal. Das zweite Buch (2013) über die Analphabetin Nombeko kam in Deutschland auf mehr als 1,2 Millionen verkaufte Exemplare.

Der dritte Roman ist der dünnste – mit Blick auf den Umfang, vielleicht aber auch sonst. Vor allem aber hat er keine Hauptfigur, der die Sympathien der Leser zufliegen: Johan Andersson, Mörder-Anders genannt, ungebildet und mit einem Hang zur gedankenlosen Gewalttätigkeit, kommt dafür nicht infrage.

Mörder will sein Leben umkrempeln

Per Persson auch nicht. Beruflich Fuß gefasst hat er als Mitarbeiter eines Bordells, zuständig dafür, dass jeder Kunde bekommt, was er wünscht, aber der Zeitplan eingehalten wird. Als sein Arbeitgeber das Bordell in ein Hotel umwandelt, wird er Rezeptionist und lernt so Mörder-Anders kennen, der sich dort ein Zimmer nimmt.

Der hat ebenfalls kein leichtes Leben hinter sich. Schon mit 20 kommt er hinter Gitter, weil er einen Dealer mit der Axt ermordet hat. Kaum ist er frei, erschießt er sein nächstes Opfer und landet wieder im Knast. Als er in der schmuddeligen Pension einzieht, sieht es nicht so aus, als wende sich nun alles zum Guten.

Per Persson seinerseits hat gerade Johanna Kjellander getroffen, eine Pfarrerin, die bald zu seiner Partnerin wird. Sie stammt aus einer Pastorenfamilie, glaubt aber nicht an Gott. Persson und Mörder-Anders kommen ihr gerade recht. Das Trio etabliert sich erfolgreich in der Körperverletzungsbranche: In erster Linie geht es darum, säumige Zahler durch Gewalt dazu zu bringen, ihre Schulden zu begleichen.

Und so hätte es immer weitergehen können, aber Mörder-Anders will aus religiösen Gründen plötzlich ein anderer Mensch werden. So weit, so fantasievoll. Aber an die beiden ersten Romane reicht die Geschichte dann doch nicht heran.

  • Jonas Jonasson: „Mörder Anders und seine Freunde nebst dem einen oder anderen Feind“, carl‘s books, 348 Seiten, 19,99 Euro.

von Andreas Heimann


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