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Vom Skandalprojekt zum Wahrzeichen

Elbphiharmonie wird eröffnet Vom Skandalprojekt zum Wahrzeichen

Es ist tatsächlich geschafft: Nach Skandalen um Kostenexplosionen und Bauverzögerungen wird am 11. Januar die Hamburger Elbphilharmonie eröffnet. Eine Geschichte mit Happy End.

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Der große Konzertsaal in der neuen Elbphilharmonie.

Quelle: dpa

Hamburg. Am besten nähert man sich der Elbphilharmonie mit dem Schiff. Von einer Barkasse oder einer Elbfähre aus erscheint die Fassade der „Gläsernen Welle“ immer wieder anders, je nachdem, wie sich das Licht und der Himmel in den markant gebogenen Fensterflächen spiegeln: mal dunkel und bedrohlich, wenn graue Wolken über dem Hamburger Hafen aufziehen, mal glitzernd und golden, wenn sich die Sonnenstrahlen in den 1096 Glaselementen des 110 Meter hohen Gebäudes spiegeln. Die einzigartige Lage des Konzerthauses auf einer Landzunge am Eingang der Hafencity - unten historischer Backstein, oben der moderne Glaswürfel -, von drei Seiten von Wasser umgeben, soll die Architekten an die Inselkirche San Giorgio in Venedig erinnert haben.

Am 11. Januar ist es endlich so weit - was manch einer angesichts der Querelen um Kostenexplosionen und Bauverzögerungen schon nicht mehr zu hoffen wagte: die Elbphilharmonie, schon jetzt das neue Wahrzeichen der Hansestadt, wird mit einem Konzert des NDR Elbphilharmonie Orchesters unter Leitung von Chef­dirigent Thomas Hengelbrock eröffnet.

Das spektakuläre Gebäude aus Glas der Schweizer Architekten Herzog & de Meuron soll Hamburg in die Liga der zehn besten Konzerthäuser der Welt katapultieren. Nach fast zehn Jahren Bauzeit - der erste Eröffnungstermin war für 2010 geplant - und einer Kostenexplosion von den ursprünglich kalkulierten 77 Millionen auf 789 Millionen Euro hatte sich die „Elphi“ im Laufe der Zeit für alle Beteiligten in einen Alptraum verwandelt.

Endlich ist sie fertig: die Elbphilharmonie in Hamburg.

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Doch spätestens seit 2013 die Neuordnung des Projekts die Elbphilharmonie aus den Negativschlagzeilen herausgeholt hat, steigt die Vorfreude auf das neue Konzerthaus. Zum dreiwöchigen Eröffnungsfestival hat sich das „Who is Who“ der Klassikszene angekündigt: von den Wiener Philharmonikern über das Chicago Symphony Orchestra bis zu den Einstürzenden Neubauten - fast alle Konzerte sind ausverkauft. Bei den beiden Eröffnungskonzerten werden Stars wie Wiebke Lehmkuhl, Philippe Jaroussky und Bryn Terfel im neuen Musentempel singen. Für die Konzerte haben sich mehr als 200000 Menschen um 1000 Freikarten beworben.

Für Christoph Lieben-Seutter, seit 2007 Generalintendant von Elbphilharmonie und Laeiszhalle, hat sich das Blatt zugunsten der Elbphilharmonie gewendet: „Jahrelang war die Elbphilharmonie das Problemkind der Stadt und wir konnten uns vor schlechten Schlagzeilen gar nicht schützen. Jetzt ist in der Stadt die Begeisterung wieder absolut zu spüren. Und die Kosten sind erstaunlicherweise schon jetzt kaum noch ein Thema“, meint der Österreicher. Schon drei Mal, 2010, 2012 und jetzt 2017, hat der 52-Jährige die Eröffnung geplant.

"Nationales Architekturwunder"

Spätestens seit am 4. November die Bilder vom Konzertsaal und der Eröffnung der öffentlichen Plaza in 37 Metern Höhe um die Welt gingen, ist die Elbphilharmonie in aller Munde. „Glänzend!“, „Sensationell!“, „Grandios!“ - lautete das Urteil der nationalen und internationalen Presse. Das ehemalige Problemkind der Stadtplanung sei „zum nationalen Architekturwunder“ („Süddeutsche Zeitung“) aufgestiegen.

Aber wie konnte aus dem Prestigeprojekt im Laufe der Jahre ein Pleiten-, Pech- und Pannenbau werden? Angefangen hat alles mit einer spektakulären Idee. Die hatte der Hamburger Architekt Alexander Gérard. Bereits in den 1990er Jahren hatte er gefordert, an dieser exponierten Stelle in der neu entstehenden Hafencity einen kulturellen Anziehungspunkt zu schaffen - und nicht wie zunächst geplant einen Media City Port. Zunächst stößt er auf Unverständnis, aber als er seine Studienkollegen Jacques Herzog und Pierre de Meuron mit ins Boot holt, wendet sich das Blatt: Als er im Juni 2003 die Entwürfe einer „Gläsernen Welle“ der Schweizer Architekten der Öffentlichkeit präsentiert, ist der Jubel groß.

Zunächst soll das neue Konzerthaus die Stadt noch nicht einmal etwas kosten: Finanziert werden soll der Saal von einem Investor aus den Gewinnen des Hotels und der Wohnungen, die er auf dem städtischen Grundstück baut.

Die Schattenseite: Explodierende Kosten und Bauverzögerungen

Ende 2006 wurden die Verträge zwischen der Stadt, den Architekten Herzog & de Meuron und dem Bauunternehmen Hochtief unterzeichnet, wenig später stimmte auch die Hamburger Bürgerschaft dem Projekt einstimmig zu, obwohl die Kosten auf 241 Millionen Euro gestiegen waren, 114 Millionen Euro sollten davon die Steuerzahler tragen. Bei der Grundsteinlegung am 2. April 2007 gab es nur strahlende Gesichter. Doch schon bald stellt sich heraus: Nichts ist fertig durchdacht - Pläne, Termine und bauliche Umsetzung passten nicht zusammen. Die Architekten Herzog & de Meuron und Hochtief redeten nicht direkt miteinander, sondern verhandelten ausschließlich mit der Stadt, die damit hoffnungslos überfordert war. Das Ergebnis: Explodierende Kosten und Bauverzögerungen, die immer dramatischere Ausmaße annahmen.

Neben den vertrackten Verhältnissen auf der Baustelle spielte auch die architektonische Einzigartigkeit des Gebäudes eine entscheidende Rolle: Vieles an der Elbphilharmonie wurde so noch nie gebaut. Der große Konzertsaal mit Platz für 2100 Besucher ist wie die Berliner Philharmonie nach dem Weinberg-Prinzip gebaut, mit einer Bühne in der Mitte, die von terrassenförmigen Publikumsrängen umgeben ist - nur viel höher und viel steiler. Aus Schallschutzgründen wurde der 12500 Tonnen schwere Saal vom restlichen Gebäude entkoppelt und ruht auf 362 Stahlfederpaketen. Auch die Glasfassade mit ihren 1096 Fensterelementen ist einzigartig, jedes Element wurde zum Schutz gegen die Sonne mit einem Raster aus Chrompunkten individuell bedruckt. Ebenfalls noch nie gebaut wurde die „Tube“, die 82 Meter lange Rolltreppe, die die Besucher auf die öffentliche Plaza in 37 Metern Höhe führt.

von Carola Große-Wilde

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