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OP-Buchtipp: „Die Toten von der Falkneralm“

Vom Schauspieler zum Krimi-Autor

Miroslav Nemec ist nicht nur irgendein Schauspieler – er ist „Tatort“-Kommissar. Wer könnte also der bessere Ermittler in seinem ersten Kriminalroman sein, als er selbst? Dabei gilt: „Wer auf dem Klo war, ist verdächtig.“
Der Schauspieler und „Tatort“-Kommissar Miroslav Nemec geht mit seinem Roman „Die Toten von der Falkneralm“ unter die Krimi-Schriftsteller. Foto: Tobias Hase

Der Schauspieler und „Tatort“-Kommissar Miroslav Nemec geht mit seinem Roman „Die Toten von der Falkneralm“ unter die Krimi-Schriftsteller.

© Tobias Hase

Seit mehr als 25 Jahren ist Miroslav Nemec Kommissar Ivo Batic im ARD-„Tatort“ aus München. Grund genug, ihn nun auch selbst zum Ermittler zu machen – dachte Miroslav Nemec (62).

Der Schauspieler hat einen Krimi mit sich als Hauptfigur geschrieben. „Die Toten von der Falkneralm“ heißt das Buch, das gerade auf den Markt gekommen ist. Um diese Toten geht es aber nur am Rande; in erster Linie dreht sich alles um Nemec. „Mein erster Fall“ lautet der Untertitel folgerichtig.

„Das war genau die Idee, dass ich als Ich sozusagen in eine Situation gerate, in die normalerweise nur der Ivo Batic gerät, nämlich: wo es einen oder zwei oder mehr Tote gibt“, sagte Nemec nach Verlagsangaben bei der Aufnahme des Hörbuchs. „Es passiert oft, dass man mich als „Ah, der Herr Kommissar!“ oder „Herr Batic“ anspricht. Aber auch „Herr Nemec“ natürlich – man kennt mich ja mittlerweile auch mit richtigem Namen.“

Trotzdem sei diese Rolle allgegenwärtig. „Bitte nicht verhaften!“, sagen die Leute, „Ich hab nichts getan!“ oder „Wo ist denn die Leiche?“ „Das passiert fast täglich, wenn man unterwegs ist in der Stadt, im Laden, in der Eisenbahn, im Flugzeug, am Flughafen, es passiert einfach. Und genau das nutzen wir für diese Geschichte und für diesen Krimi.“ Das Drehbuch habe er im Übrigen gleich mitgedacht, sagte er nach Verlagsangaben. „Ich werde auf alle Fälle an der Sache dranbleiben, denn das wäre ein schöner Neunzigminüter für mich, in dem ich mich selbst spiele.“

Autor Nemec nutzt Figur Nemec

Im Roman reist Nemec zu einer Lesung auf eine abgelegene Alm. Kurz nach seiner Ankunft bricht ein schrecklicher Sturm über das Hotel herein und Stargast Nemec ist mit seinem Publikum gefangen. Als wenn das doch nicht schlimm genug wäre, wird im Berghotel plötzlich ein Mann nach dem anderen ermordet. Einer schwimmt tot im Pool, ein anderer bekommt beim Rauchen Dachziegeln auf den Kopf und dem Dritten schlägt in der Sauna sein letztes Stündchen. An Unfälle glaubt dabei niemand – am wenigsten Nemec, der so was ja aus seinem Job kennt. „Wer auf dem Klo war, ist verdächtig.“

Ein Verdacht, der Nemec durch den Kopf schießt: Diese Mordserie muss doch was mit mir zu tun haben. Autor Nemec nutzt die Figur Nemec, um alles zu schreiben, was er schon immer mal sagen wollte, in Interviews aber bislang vielleicht nicht gefragt wurde – zum Beispiel, dass es ihm manchmal schwer fällt, in der Öffentlichkeit ständig erkannt zu werden. Aber: „Natürlich bin ich eitel genug, um mich darüber zu freuen.“

Oder, dass er nicht gerne dankbar für irgendetwas ist. „Das hatte man in meiner Kindheit wohl zu oft von mir verlangt.“ Er erzählt von seiner Frau und seiner Tochter, wie es auf der Schauspielschule in Zürich war, beschreibt Episoden aus „Tatort“-Drehs mit seinem Freund Udo (Wachtveitl). Einmal zitiert er auch seinen Opa: „Mut ist, mit dem nackten Arsch einen blanken Säbel runterzurutschen.“

Ansonsten beschreibt er in großer Ausführlichkeit, wie die Menschen auf der Alm auf den berühmten Nemec reagieren, wie die Frauen seine Nähe suchen und mit ihm flirten. Ganz zum Schluss klärt sich der Kriminalfall dann durch bloßes Nachdenken im Nachhinein auf – quasi ohne Ermittlungen, wie Kai aus der Kiste. Verwicklungen und Andeutungen gibt es kaum. Falsche Fährten werden mit der Planierraupe gelegt. Beim Leser bleibt der Wunsch, Ivo Batic hätte den Fall übernommen.

  • Miroslav Nemec: „Die Toten von der Falkneralm. Mein erster Fall“, Knaus Verlag, 256 Seiten, 19,99 Euro.

von Britta Schultejans


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