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Kabarett

Vince Ebert bereitet großen Denkspaß

Wer Lust auf intelligentes Kabarett, zahlreiche gelungene Pointen und bissigen Humor hatte, war am Sonntagabend in der Stadthalle am richtigen Platz.

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Vince Ebert: „Wenn ich sage, im glaube, im Kühlschrank ist noch Bier, bin ich Theologe“.

© Fredy Haas

Marburg. Dort erwartete nämlich Vince Ebert sein Publikum – wahlweise als „lustigster Physiker Deutschlands“ oder „der Urknaller unter den Kabarettisten“ tituliert. Schon der Titel seines aktuellen Programms unterscheidet sich angenehm von den Comedy-Formaten, die im Normalfall angeboten werden: „Denken lohnt sich“ behauptet der diplomierte Physiker und versucht gute zwei Stunden lang, diese These argumentativ und im besten Hegel’schen Sinn zu belegen. Dabei betreibt er eine Art „Küchentischphysik“ – Eberts Beispiele sind recht einfach zu verstehen – wenn man mitdenkt jedenfalls. Denn, so der Kabarettist, allein schon der Griff nach dem abendlichen Bier sei bereits eine wissenschaftliche Methode. Der Wissenschaftler stelle eine These auf „Im Kühlschrank ist noch Bier“ und könne diese dann mit einem Blick in das Küchengerät hinein be- oder widerlegen. „Das ist Wissenschaft. Wenn ich sage, ich glaube, im Kühlschrank ist noch Bier, bin ich Theologe. Wenn ich nachsehe, nichts finde und trotzdem behaupte, es ist Bier drin, dann bin ich Esoteriker!“

Dabei sei das Gehirn und insbesondere die Nutzung die „evolutionäre Nische“ des Menschen, der weder über Giftzähne noch abnehmbare Begattungsorgane, wie andere Lebewesen auf der Erde, verfüge. „Als wir zum ersten Mal auf der Bildfläche erschienen, hätte jede Marketingabteilung gesagt: „Aufrechter Gang? Braucht kein Mensch!“ Und deshalb ermutigt Ebert, kritisch zu hinterfragen, lustvoll zu forschen, mit Spaß zu überprüfen und beweist eindrucksvoll, dass Denken und Humor einander nicht ausschließen, sondern sich im Gegenteil aufs Vortrefflichste ergänzen. Wenn Ebert etwa die Heisenbergsche Unschärfenrelation sozusagen im Vorübergehen anhand des Beispiels eines untreuen Ehegatten erklärt, bleibt kein Auge trocken – und ein bisschen Wissen hängen. Das verbindet ihn auch mit Berufskollegen Eckart von Hirschhausen, mit dem Ebert nicht von ungefähr zusammenarbeitet.

Ebert ist ständig im Dialog mit dem Publikum, sucht sich zu Beginn einen Probanden, den er eindringlich ermahnt, das Denken unbedingt zu vermeiden, um herauszufinden, ob seine Denken-lohnt-sich-These auch wirklich zutrifft. Und dann legt er los mit dem Sinnieren, fragt sich und seine Zuschauer, wozu Autobahnkirchen gut sind: „Falls mal jemand in religiöse Raserei verfällt, oder was?“, überlegt, warum sich ausgerechnet katholische Bischöfe zu einem komplexen Thema wie der Stammzellenforschung äußern müssen und beklagt, dass es heutzutage Studenten gebe, „die halten den Prager Frühling für eine Modemesse!“ Dazu gibt’s Versuche mit schwimmenden oder sinkenden Cola-Dosen oder Metronomen auf einer Schaukel, die verblüffende Aha-Erlebnisse liefern und letztlich das bestätigen, was wir bereits wussten: Aktives Denken ist generell eine richtig gute Sache – und macht Spaß!

von Ines Dietrich


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