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Kinostart: „Zeit für Legenden“

Triumph über die Nazi-Propaganda

Er war der Star der Olympischen Spiele in Berlin 1936 – sehr zum Missfallen der Nationalsozialisten. „Zeit für Legenden“ erzählt die Geschichte 
des Ausnahmesportlers Jesse Owens.
Jesse Owens (Stephan James, rechts) im Kampf um die Medaillen bei den Olympischen Spielen 1936. Foto: SquareOne/Universum

Jesse Owens (Stephan James, rechts) im Kampf um die Medaillen bei den Olympischen Spielen 1936.

© SquareOne/Universum

Der 23-jährige Jesse macht sich die Entscheidung nicht leicht. Soll er nach Berlin fahren? Oder die 1936 von der nationalsozialistischen Diktatur veranstalteten Olympischen Spiele boykottieren?

Der Film „Zeit für Legenden – Die unglaubliche Geschichte des Jesse Owens“ ist mehr als eine packende Sportler-Biografie.

Das Drama mit Stephan James („Selma“) in der Rolle des charismatischen Leichtathleten Owens erzählt auch von der fatalen Verquickung von Sport und Politik und von bis heute nicht überwundenem Rassismus.

Film erzählt keine Heldengeschichte

Bei der Abstimmung im Olympischen Komitee der USA fällt die Entscheidung denkbar knapp aus. Komitee-Vorstand Jeremiah Mahoney (William Hurt) wirbt für den Boykott. Hitler dürfe durch eine amerikanische Teilnahme an den Spielen keine indirekte Legitimation für seine Taten erhalten.

Letztlich setzen sich aber die Befürworter um den mächtigen Immobilienmogul Avery Brundage (Jeremy Irons) durch, der mit Joseph Goebbels (Barnaby Metschurat) dann über Details und Bedingungen verhandelt.

Und was macht Owens? Am Ende fährt er nach Berlin, holt zum Missfallen der Nazis gleich vier Goldmedaillen für die USA und freundet sich mit seinem deutschen Konkurrenten Luz Long (David Kross) an.

Owens sensationelle Leistungen schreiben Sportgeschichte. Doch Regisseur Stephen Hopkins („Lost in Space“), dessen Film im Original weniger pathetisch „Race“ heißt, erzählt 80 Jahre nach den Olympischen Spielen in Berlin keine Heldengeschichte.

Durch Hintereingang zur Siegesfeier

Die ärmlichen Verhältnisse, in denen Owens (1913 – 1980) und seine Familie leben, sind zu Beginn etwas kulissenhaft und pittoresk ausgepinselt. Dennoch packt die Geschichte um dem Aufstieg des talentierten, wegen seiner schwarzen Hautfarbe diskriminierten Owens und seines ehrgeizigen Trainers Larry Snyder den Zuschauer sofort.

Das liegt vor allem an dem schauspielerisch nie auftrumpfenden Hauptdarsteller Stephan James und dem zwar konventionell geradlinigen, aber ungemein dichten Drehbuch. Owens ist der Star der Spiele und Liebling des Publikums.

Hitlers Regime, das Sport auch als ideale Vorbereitung der Menschen für einen Kriegseinsatz ansah, schmückt sich mit den von den deutschen Sportlern gewonnenen Medaillen. Owens kehrt in die USA zurück – als Schwarzer muss er zur Feier seines Triumphs in einem New Yorker Luxushotel allerdings durch den Hintereingang gehen. Der Vordereingang ist für Weiße reserviert.

  • Der Film läuft ab Donnerstag, 28. Juli, im Capitol.

von Elke Vogel


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