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Kinostart: „Am Ende ein Fest“

Tragisch, komisch, herzzerreißend

Eine Komödie über Sterbehilfe? Zwei israelische Filmemacher haben sich mit „Am Ende ein Fest“ an diese Gratwanderung gewagt – und gewonnen.
Yehezkel (Ze'ev Revach) arbeitet an einer neuen Maschine. Foto: Neue Visionen

Yehezkel (Ze'ev Revach) arbeitet an einer neuen Maschine. Seine Frau (Levana Finkelstein) leidet an Alzheimer.

© Neue Visionen

Dieser Film beschönigt nichts. Und doch verlässt der Zuschauer das Kino heiter und getröstet. „Am Ende ein Fest“ ist ein Film über Sterbehilfe – und eine Komödie. Die israelischen Regisseure Tal Granit und Sharon Maymon bringen auf fabelhaft leichte Art ein schweres Thema auf die Leinwand.

Eine Gruppe von Altenheimbewohnern in Jerusalem und eine selbstgebaute Tötungsmaschine stehen im Mittelpunkt der bewegenden Geschichte über das Abschiednehmen. Die Filmemacher haben für ihr außergewöhnliches, beim Filmfestival Venedig mit dem Publikumspreis ausgezeichnetes Werk zahlreiche israelische Schauspiel- und Comedystars gewonnen, darunter Ze'ev Revach („The Quest“).

Hilflos stehen die Freunde Yehezkel (Ze'ev Revach), Levana (Levana Finkelstein) und Yana (Aliza Rosen) zu Filmbeginn am Bett des von Schmerzen gepeinigten Max (Shmuel Wolf). Der schwerkranke Mann fleht sie an, ihm beim Sterben zu helfen. Max' Frau Yana ist bereit, ihren Ehemann gehen zu lassen. Doch wie sollen die Freunde Max' Wunsch erfüllen?

Erfinder hat seine eigenen Sorgen

Tüftler und Erfinder Yehezkel hat eine Idee: Er baut eine technische Vorrichtung, mit der Max selbst über sein Ende bestimmen kann. Ein pensionierter Tierarzt besorgt die dafür nötigen Narkosemittel, ein Ex-Polizist kümmert sich darum, dass von der Aktion keine verräterischen Spuren zurückbleiben.

Das spricht sich in Jerusalem schnell unter den Menschen herum, die in einer ähnlich schlechten Lage wie Max sind. Sie wenden sich voller Hoffnung an Yehezkel. Doch der steht selbst vor einer schwierigen Entscheidung: Seine Frau Levana hat Alzheimer – und ihr Zustand verschlechtert sich erschreckend schnell.

Den Filmemachern gelingt es hervorragend, die Balance zwischen Ernst und selbstironischer Komik zu halten. Wunderbar der Running Gag, bei dem die mit dem Tötungsapparat herumfahrende Truppe wegen zu schnellen Fahrens von einem Polizisten angehalten wird – und sich jedes Mal raffiniert aus der Affäre zieht.

Grandiosen Charakterdarsteller

Die Bilder des Films deuten in gedeckten, ausgebleichten Farben die Vergänglichkeit des Lebens an. Doch die Freunde aus dem Altenheim wollen das Leben bis zuletzt bewusst erleben. Humor darf da auf keinen Fall fehlen: Yehezkel gibt sich bei einer erschöpften alten Dame per Telefon als Gott aus und spricht ihr Mut zu.

Der schwule Tierarzt Dr. Daniel hadert immer noch mit seinem Coming-out und versteckt seinen Freund im Schrank. Als Levana wegen ihrer nachlassenden geistigen Leistung eines Tages vergisst, ihre Kleider anzuziehen und nackt im Speisesaal auftaucht, widersetzt sich die Clique kurz darauf mit einem nackigen Kifferfest im Gewächshaus den Konventionen.

Und auch singend wird den Schrecklichkeiten des schrecklich schönen Lebens getrotzt. Ein wichtiger Film mit grandiosen Charakterdarstellern, denen man das echte, gelebte Leben ansieht.

  • Der Film läuft im Filmkunsttheater Kammer.

von Elke Vogel


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