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OP-Buchtipp: Navid Kermani: „Ungläubiges Staunen ...“

Staunender Blick auf das Christentum

Der muslimische Schriftsteller staunt. Über das Christentum mit seiner reichen Bilderwelt. Ohne sich anzubiedern oder in kritische Polemik zu verfallen, eröffnet Navid Kermani spannende Perspektiven auf eine 2000 Jahre alte Religion.
Der muslimische Schriftsteller Navid Kermani setzt sich mit dem Christentum auseinander. Foto: Thomas Frey, C. H. Beck

Der muslimische Schriftsteller Navid Kermani setzt sich mit dem Christentum auseinander.

© Thomas Frey, C. H. Beck

Navid Kermani geht einen Umweg. Wenn der bekannte Schriftsteller und Orientalist in seinem neuesten Buch „Ungläubiges Staunen“ auf das Christentum blickt, so macht er, der Muslim, das nicht, indem er sich Dogmen, Gebete, Grundüberzeugungen herausgreift, untersucht, diskutiert oder mit dem Islam vergleicht. Nein, Kermani versenkt sich in die christliche Bilderwelt.

Geschaffen von Künstlern wie Dürer, Caravaggio, El Greco, Reni. Sie haben biblische Geschichten und große Heilige dargestellt – und dabei freilich auch eine bestimmte Intention verfolgt. Wenn Kermani sich nun in ihre Werke vertieft, ist er Interpret der Interpretation. Das erlaubt Gedankenspiele und Emotionen statt dröger theologischer Fakten und Lehrsätze. Es ist also ein lohnender Umweg.

Kermani, diesjähriger Träger des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels, und das Christentum – das war schon mal ein heikles Feld. Es gab heftigen Zwist, als er 2009 den Hessischen Kulturpreis bekommen sollte:
Kermani hatte sich in einem Zeitungsbeitrag mit einem Kreuzigungsgemälde von Guido Reni auseinandergesetzt und erklärt, er lehne das Kreuz ab. Fast wäre die Preisverleihung geplatzt.

Fasziniert vom Christentum

Über das Kreuz schreibt er auch nun: „Gerade weil ich es ernst nehme, was es darstellt, lehne ich das Kreuz rundweg ab.“ Die „Hypostasierung des Schmerzes“ finde er barbarisch, körperfeindlich und undankbar gegenüber der Schöpfung. Aufgeregt hat sich bislang niemand darüber.

Der 47-Jährige ist fasziniert vom Christentum. Er staunt, wie der Buchtitel es beschreibt. Und das ist ja nicht der schlechteste Weg, einer Religion zu begegnen. Im Gegenteil: Dem Staunen wohnt ein grundsätzliches Wohlwollen inne. Auch wenn es kritische Passagen gibt, wie etwa die über das Kreuz. Oder wenn deutlich wird, dass die katholische Eucharistie mit ihrem Verständnis, dass sich Brot und Wein in Leib und Blut Christi verwandeln, lauter Fragezeichen hinterlässt.

Kermani nimmt den Leser mit auf eine spannende Reise in die Innenwelt des Christentums, genauer gesagt des Katholizismus: Schließlich war für das Buch auch Kermanis Aufenthalt in Rom als Stipendiat der Villa Massimo prägend. Und er lebt im katholischen Köln.

Er stellt Fragen, die manch einer, der zwar noch brav seine Kirchensteuer zahlt und hin und wieder einen Gottesdienst aufsucht, nicht mehr stellt oder nie gestellt hat. Kermanis Gedanken landen auch immer wieder beim Islam, bei Parallelen, bei Traditionen, bei Interpretationen.

Mal plaudernd, mal nachdenklich

Man lernt durch Kermani die Schönheit des Christentums neu kennen, die Traditionen, Gebräuche, Gedankengebilde, aber auch seine verstörenden Elemente, seine dunklen Seiten, seine offenen Fragen. Der Autor biedert sich nicht an, verfällt aber auch nicht in kritische Polemik.

Es ist ein subjektives Buch, das keinen Anspruch erhebt, theologisches Dokument zu sein. Der Ton ist mal plaudernd, mal meditativ-nachdenklich, kaum pathetisch. Außer es geht um die Grundfesten des Glaubens und um Menschen, die ihn besonders faszinieren: So etwa der heilige Franziskus, der sich der christlichen Ideologie des Heiligen Kriegs gegen den Islam nie angeschlossen und um Frieden geworben habe.

Intensiv beschäftigt sich Kermani auch mit dem Jesuitenpater Paolo Dall‘Oglio (60), der sich dem Austausch mit dem Islam verschrieben hat und in Syrien ein Kloster gegründet hat. Im Kapitel über den Jesuiten schreibt Kermani, was er bewundert am Christentum: „Es ist die spezifisch christliche Liebe, insofern sie sich nicht nur auf den Nächsten bezieht. In anderen Religionen wird auch geliebt, es wird zur Barmherzigkeit, zur Nachsicht, zur Mildtätigkeit angehalten.“ Aber die Liebe, die er vor allem bei Mönchen und Nonnen, die ihr Leben Jesus verschrieben hätten, kennengelernt habe, gehe weit darüber hinaus: „Ihre Liebe macht keinen Unterschied.“

  • Navid Kermani: „Ungläubiges Staunen. Über das Christentum“, C. H. Beck, 303 Seiten, 24,95 Euro.

von Kathrin Zeilmann


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