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OP-Buchtipp: „Bühlerhöhe“

Spione im Schwarzwald

Es geht um Geheimagenten, ein Attentat auf Konrad Adenauer und immer wieder um den Schwarzwald. Der Kriminalroman „Bühlerhöhe“ erzählt deutsche und israelische Nachkriegsgeschichte.
Im Schlosshotel Bühlerhöhe im Schwarzwald spielt der gleichnamige Roman, in dem es um ein fiktives Attentat auf den ehemaligen Bundeskanzler Konrad Adenauer geht. Foto: Uli Deck

Im Schlosshotel Bühlerhöhe im Schwarzwald spielt der gleichnamige Roman, in dem es um ein fiktives Attentat auf den ehemaligen Bundeskanzler Konrad Adenauer geht.

© Uli Deck

Bühl, 1952: Kanzler Konrad Adenauer macht mit seiner Tochter im Nobelhotel „Bühlerhöhe“ Urlaub. Dass ein Anschlag auf ihn geplant ist, ahnt er jedoch nicht – ebenso wenig wie die Tatsache, dass eine jüdische Agentin sich zu seinem Schutz in dem Hotel einquartiert hat. Dieses Szenario entwirft Brigitte Glaser in ihrem Roman „Bühlerhöhe“ (List Verlag). Dass das Buch im Schwarzwald spielt, ist kein Zufall. Die Autorin stammt aus der Region.

„Bühlerhöhe“ ist allerdings kein Regionalkrimi, sondern eher eine Mischung aus Politthriller und Geschichtsroman. Glaser beschreibt darin deutsche und israelische Geschichte der Nachkriegszeit. Dreh- und Angelpunkt ist die von Adenauer angestrebte finanzielle Wiedergutmachung des Leids der Juden im Nationalsozialismus. Gegner des entsprechenden Gesetzes wollen den Bundeskanzler umbringen. Die Jüdin Rosa Silbermann hat vom israelischen Geheimdienst den Auftrag, das zu verhindern. Denn der hofft auf das Geld aus Deutschland, um damit den jüdischen Staat aufzubauen.

Als verdeckte Agentin soll Rosa im Hotel Bühlerhöhe daher den Kanzler schützen – zusammen mit ihrem angeblichen Ehemann Ari, den ebenfalls der jüdische Geheimdienst geschickt hat. Rosa ist nicht zum ersten Mal auf der Bühlerhöhe: Als gebürtige Kölnerin hat die junge Frau ihre Kindheit im Schwarzwald verbracht.

Bühlerhöhe gibt es wirklich

Ihre Gegenspielerin verkörpert die Hausdame des Hotels, Sophie Reisacher. Die Mittdreißigerin ahnt bereits, dass Rosa nicht die ist, die sie vorgibt zu sein. Außerdem ist ihr die schöne Jüdin ein Dorn im Auge, seitdem sie sie zusammen mit ihrem Verlobten gesehen hat.

Ebenso wie die Figuren ist auch das Attentat auf den ersten Kanzler der Bundesrepublik Deutschland fiktiv. 1952 urlaubte Adenauer noch nicht auf der Bühlerhöhe – sondern erst von 1953 bis 1956, wie die ­Autorin im Nachwort schreibt. „Allerdings bezieht sich der Roman auf reale Vorkommnisse“, betont Glaser.

Belegt seien etwa drei Briefbombenattentate in der Zeit der Vorbereitung des Wiedergutmachungsgesetzes. „Die Verhandlungen darüber wurden 1952 geführt, weshalb ich mir die schriftstellerische Freiheit erlaubt habe, den Kanzler bereits ein Jahr früher in den Schwarzwald reisen zu lassen.“

Auch die Bühlerhöhe gibt es wirklich. Das einstige Luxushotel wurde zwischen 1911 und 1914 auf rund 800 Metern Höhe im Schwarzwald gebaut. Neben Adenauer reisten viele andere Politiker und Prominente dorthin. Seit einigen Jahren ist das Hotel jedoch geschlossen und soll von einer Investorengruppe wiedereröffnet werden.

„Während des Schreibens hatte ich Schwarz-Weiß-Fotos des Hotels auf meinem Schreibtisch liegen, ein schönes von der Rundhalle hat mich sehr inspiriert“, sagte Glaser dem „Offenburger Tagblatt“. „Es ist mehr als schade, dass man der Öffentlichkeit den Zutritt zu diesem schönen Ort verwehrt.“

Und Rosas Auftrag? Der muss natürlich schon wegen der tatsächlichen Geschichte der Bundesrepublik glücken. So viel sei aber verraten: Am Ende geht es um Leben und Tod – und es stellt sich heraus, dass so mancher nicht das ist, was er vorgibt zu sein.

  • Brigitte Glaser: „Bühlerhöhe“, List Verlag, 448 Seiten, 20,00 Euro.

von Antonia Lange


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