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Kinostart: „Madame Marguerite oder Die Kunst der schiefen Töne“

Singen will nicht nur gelernt sein

Die Millionärin Marguerite Dumont trifft keinen Ton, sieht sich aber dennoch als talentierte Sopranistin. Da wagt ihr auch niemand zu widersprechen – dem Franzosen Xavier Giannoli gelingt so eine wunderbare Tragikomödie.
Marguerite (Catherine Frot) singt mit voller Leidenschaft, allerdings ist sie absolut unbegabt. Doch keiner traut sich, das der Millionärin zu sagen. Foto: Concorde Film

Marguerite (Catherine Frot) singt mit voller Leidenschaft, allerdings ist sie absolut unbegabt. Doch keiner traut sich, das der Millionärin zu sagen.

© Concorde Film

Marburg. Singe, wem Gesang gegeben. So hat Ludwig Uhland einst gedichtet. Doch was, wenn jemand trällert, obwohl es an Stimme fehlt? Wozu das führen kann, zeigt die französische Komödie „Madame Marguerite oder Die Kunst der schiefen Töne“ mit viel Witz und Lebensweisheit und der grandiosen Catherine Frot in der Hauptrolle.

Die Französin begeisterte schon vor drei Jahren auch hierzulande in der Romanze „Die Köchin und der Präsident“ als patente Küchenfee. In der von Xavier Giannoli geschriebenen und inszenierten Komödie „Madame Marguerite“ brilliert sie nun erneut mit feinster Charakterisierungskunst.

Catherine Frot spielt Marguerite Dumont. Die Millionärin lässt sich regelmäßig bei von ihr privat veranstalteten Konzerten von einem ausgesuchten Verehrerkreis als Sopranistin feiern. Tatsächlich trifft sie jedoch keinen Ton, hält nie den Rhythmus und verfehlt jede Melodie.

Film reflektiert Entwicklungen in Kunst und Gesellschaft

Doch die Speichellecker um sie herum huldigen ihr. Als junge anarchistische Künstler auf die scheinbar exzentrische Madame aufmerksam werden, verführen sie Marguerite zu einem öffentlichen Auftritt. Was 
für die gnadenlos unbegabte Sängerin mehr als fatale Folgen hat.

Angeregt wurde der Spielfilm durch die Biografie von Frances Foster Jenkins (1868 - 1944). Deren vergebliches Streben nach Sangesglück hatte kurz vor ihrem Tod seinen legendären Höhepunkt mit einem Auftritt in der New Yorker Carnegie Hall.

Anders als bereits in einigen Theaterstücken und in einem für das nächste Jahr angekündigten Spielfilm von Regisseur Stephen Frears mit Meryl Streep in der Hauptrolle wird in diesem Werk aber nicht das Leben und Sterben der berühmt-berüchtigten US-Amerikanerin beleuchtet.

Xavier Giannoli hat die Erzählung ins Frankreich der frühen 1920er Jahre verlegt. Das gibt ihm reichlich Gelegenheit, leichtfüßig damalige Entwicklungen in Kunst und Gesellschaft zu reflektieren. Damit gibt er dem Film eine schöne Eleganz. Zudem belässt er es nicht bei der pointierten Schilderung skurriler Situationen. Von seiner Hauptdarstellerin kräftig unterstützt, denkt er nebenbei durchaus tiefsinnig über den Wert und die Gefahr von Lebensträumen nach.

Dramatische Wendung zum Finale

Marguerite wird durch die liebevolle Annäherung an ihre Person nie der Lächerlichkeit preisgegeben. Wohl jeder im Publikum gewinnt die nur auf den ersten Blick schräg und verrückt anmutende Frau jenseits der sogenannten besten Jahre lieb. Denn es ist bewundernswert, wie sie unbeirrbar um die Verwirklichung ihres Traumes kämpft, Selbstbewusstsein und Selbstbetrug dabei als Schild und Schwert einsetzt.

Das Finale überrascht mit einer höchst dramatischen Wendung – die jedoch absolut konsequent ist. Da wird mit einem lachenden und einem weinenden Auge das vielgeliebte Bonmot, dass jeder das Recht auf seine eigene Lebenslüge habe, ad absurdum geführt.

Man verlässt das Kino mit einem durchaus schmerzlichen Nachdenken darüber. Allerdings überwiegen das häufige Schmunzeln und das gelegentlich gar brüllende Lachen angesichts einer überaus intelligent in Szene gesetzten und gespielten Komödie von Format.

  • Der Film läuft im Filmkunsttheater Kammer.

von Peter Claus


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