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Kunstverein

Satiriker verbeugen sich vor Lichtenberg

Der Aphoristiker und Physiker Georg Christoph Lichtenberg hätte sich über diese Hommage sicherlich köstlich amüsiert. Die Ausstellung „Lichtenberg reloaded“ wird am Freitag, 2. Oktober, um 18 Uhr eröffnet: Sehen, staunen, lachen.
Kurator WP Fahrenberg (links) und der Kunstvereins-Vorsitzende Dr. Gerhard Pätzold platzieren Frank Hoppmanns Bild. Es zeigt ­Figuren aus „Planet der Affen“, unter denen der Künstler Georg Christoph Lichtenberg versteckt hat. Foto: Uwe Badouin

Kurator WP Fahrenberg (links) und der Kunstvereins-Vorsitzende Dr. Gerhard Pätzold platzieren Frank Hoppmanns Bild. Es zeigt ­Figuren aus „Planet der Affen“, unter denen der Künstler Georg Christoph Lichtenberg versteckt hat.

© Uwe Badouin

Marburg. Fünf Jahre lang hat der Kurator WP Fahrenberg an dieser Ausstellung gearbeitet, einer Ko-Produktion zwischen dem Marburger Kunstverein und dem Wilhelm-Busch-Museum in Hannover. Der Kunsthistoriker und Journalist ist ein erfahrener Ausstellungsmacher und vor allem ein ausgewiesener Kenner der deutschen Karikaturisten und Satiriker. Und die sind reichlich vertreten in seiner Ausstellung über Georg Christoph Lichtenberg. Die Ausstellung „Lichtenberg reloaded“ ist eine tiefe und vor allem sehr witzige Verbeugung vor dem Universalgenie der deutschen Aufklärung. Denn Witz hatte auch der erste deutsche Experimentalphysiker, ohne dessen Forschungen es beispielsweise keinen Fotokopierer geben würde, so Fahrenberg.

Lichtenberg-Virus greift um sich

Der Kunsthistoriker hat zahlreiche Künstler mit dem Lichtenberg-Virus infiziert. Etwa den US-Amerikaner Javier Mayoral, einen Ex-Koch, der heute als international gefeierter Zeichner Furore macht. „Lichtenberg, den Typen kenne ich nicht. Schick mir mal ein Buch“, habe Mayoral gesagt. Zwei Wochen später sei die Reaktion gekommen: „Oh, ist der toll.“ Schon waren die Zeichnungen da.

Oder die US-Amerikanerin Susannah Martin, die in ihrem großen Ölgemälde Größen der europäischen Aufklärung vor ein kitschiges Postkarten-Bergpanorama stellt - und zwar als nackte Kinder und Jugendliche. „Kitsch as Kitsch can“, sagt Fahrenberg dazu und freut sich. Passt toll in seine Ausstellung.

Auch Altmeister Hans Traxler ist vertreten

Und natürlich hat er die Vertreter der Neuen Frankfurter Schule für Lichtenberg gewonnen - sie sind dem klugen Aphoristiker einfach ganz nah: Von Robert Gernhardt sind 25 Bilder aus dessen Lichtenberg-Zyklus zu sehen. Altmeister Hans Traxler ist vertreten, ebenso wie F.W. Bernstein. Zeichner und Karikaturisten, die Satire-Zeitschriften wie „Pardon“ oder „Titanic“ prägten. Daneben sind Karikaturisten wie Til Mette und Rattelschneck, Rudi Hurzlmaier und Gerhard Glück zu entdecken. Und von dem unvergessenen Loriot gibt es einen Scherenschnitt.

Sogar ein Marburger hat es in die Ausstellung geschafft: Bildhauer Rupert Eichler zeigt einen Lichtenberg-Charakterkopf in Bronze. Was macht Georg Christoph Lichtenberg so spannend? Seine Vita, sein Lebenswerk, seine hintergründigen Aphorismen.

Lichtenberg wurde am 1. Juli 1742 in Ober-Ramstadt nahe Darmstadt als 17. Kind eines Pfarrers geboren. Er war kränklich, hatte einen Buckel, war nur 1,46 Meter groß. „Er war eigentlich dem Tode geweiht, doch er hat das Beste daraus gemacht“, sagt Fahrenberg und verweist auf Lichtenbergs Witz, der sich in Aphorismen dokumentiert wie etwa: „Der Amerikaner, der den Kolumbus zuerst entdeckte, machte eine böse Entdeckung.“

In der Ausstellung kann man viel Zeit verbringen. Manche Karikaturen bestehen aus einer Pointe, in anderen, etwa den großartigen Grafiken von Horst Janssen und den fantastischen Zeichnungen von Rainer Ehrt, gibt es unglaublich viel zu entdecken. Zur Eröffnung heute Abend werden zahlreiche Künstler erwartet.

Die Ausstellung ist bis zum 19. November zu sehen; geöffnet Dienstag bis Sonntag von 11 bis 17 Uhr, Mittwoch von 11 bis 20 Uhr. Eintritt frei. Zur Ausstellung ist ein reich bebilderter Katalog erschienen. Der Kunstverein plant ein Rahmenprogramm. Jeden Samstag um 16 Uhr finden Führungen statt.

von Uwe Badouin

[Uwe Badouin]

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