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Kinostart: „Verräter wie wir“

Russen-Mafia, Spione 
und düstere Wahrheiten

Mit dem Roman „Verräter wie wir“ gelang John le Carré mit fast 80 Jahren die Rückkehr zu alter Form. Jetzt kommt eine Verfilmung ins Kino, die Spannung und Psychologie ausbalancieren will und auf kunstvolle Bilder setzt.
Der reiche Russe Dima (Stellan Skarsgård, rechts) sucht sich den naiven Professor Perry Makepeace (Ewan McGregor) als seinen Boten zum britischen Geheimdienst aus. Foto: Studio Canal

Der reiche Russe Dima (Stellan Skarsgård, rechts) sucht sich den naiven Professor Perry Makepeace (Ewan McGregor) als seinen Boten zum britischen Geheimdienst aus.

© Studio Canal

Ein britischer Hochschul-Professor und seine Frau bekommen bei ihrem Urlaub in Marrakesch viel mehr Abenteuer geboten als erwartet: Ein reicher Russe schenkt ihnen seine Aufmerksamkeit.

Das dürfte bisher den wenigsten Urlaubern im echten Leben passiert sein – und auch hier ist der Grund, dass der tätowierte Lebemann Dima etwas im Schilde führt. Er will sein Wissen als Geldwäscher der russischen Mafia an die britische Regierung verkaufen, um das Leben seiner Familie zu retten.

So beginnt „Verräter wie wir“, die Verfilmung eines Romans von John le Carré, der aktuell ­eine Leinwand-Renaissance erlebt: Vor wenigen Monaten erst wurde der TV-Mehrteiler „The Night Manager“ auf der Berlinale vorgestellt.

Gerade dieser Vergleich macht allerdings auch deutlich, wie schwer es ist, ein Buch von le Carré mit seiner unterschwelligen Spannung und subtilen Details in knapp zwei Stunden Film zu pressen, ohne sich dabei auf einen Schnelldurchlauf der Handlung beschränken zu müssen oder Lücken in der Logik aufzureißen.

Menschliche Geschichten in der Spionage-Welt

Dafür hat ein Film die Macht, Figuren ein Gesicht zu geben, von dem man sie nicht mehr trennen kann. So wird Dima von dem Schweden Stellan Skarsgård mit Leben erfüllt, der den russischen Mafioso abstoßend und unwiderstehlich zugleich macht. Und Ewan McGregor („Star Wars“) scheint perfekt für die Rolle des Professors Perry Makepeace, der naiv glaubt, seine Mission könne damit enden, dass er den von Dima ausgehändigten USB-Stick einfach nur beim Flughafen-Zoll 
auf der Heimreise loswerden und sich aus der Affäre stehlen kann.

Denn für den britischen Geheimdienst fängt die Geschichte damit erst richtig an. Der misstrauische Geheimagent Hector Meredith (Damian Lewis aus „Homeland“) will alles darüber wissen, wie der Professor zu seinem Glück kam. Ist die Geschichte wirklich so einfach, wie Perry sie erzählt?

John le Carré (der mit bürgerlichem Namen David Cornwell heißt) machte sich einen Namen als Autor von Spionage-Romanen im Kalten Krieg. Statt geradliniger Action erzählte er menschliche Geschichten um Verrat und Liebe vor der Kulisse der Spionage-Welt.

Das ist die Stimmung, mit der Regisseurin Susanna White, die zuvor unter anderem den Klassiker „Jane Eyre“ von Charlotte Brontë für das Fernsehen in Szene setzte, bei „Verräter wie wir“ die Leinwandzeit füllt. Kalte Blautöne, traumwandlerische Bilder: Der Film spielt mit der visuellen Sprache typischer Spionage-Werke – und will doch mehr als das sein.

  • Der Film läuft im Cineplex.

von Andrej Sokolow


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