Navigation:
Ticket-Shop Anzeigen- und Abo-Service

OP-Buchtipp: Durs Grünbein: „Die Jahre im Zoo“

Reise in ein verschüttetes Reich

Wildwestromantik in 
einer kriegsversehrten Stadt. Durs Grünbeins 
 Erinnerungsbuch ist eine Liebeserklärung an seine Heimatstadt Dresden und die Gartenkolonie 
Hellerau.
Durs Grünbein, 1992 mit dem inzwischen eingestellten Marburger Literaturpreis ausgezeichnet, hat ein Erinnerungsbuch an 
seine Kindheit in Dresden geschrieben. Foto: Timo Lindemann

Durs Grünbein, 1992 mit dem inzwischen eingestellten Marburger Literaturpreis ausgezeichnet, hat ein Erinnerungsbuch an 
seine Kindheit in Dresden geschrieben.

© Timo Lindemann

Viele Jahre war der Dresdner Hauptbahnhof, „dieser dunkle Schildkrötenbau am Ende der Prager Straße“, für den jungen Durs Grünbein (53) ein Symbol der Verheißung: „Damals begann ich davon zu träumen, die Stadt zu verlassen, das Land, diese ganze, in sich kreisende, vor sich hin dämmernde Geisterbahnwelt.

Erwachend stellte ich mir vor, auf einen Zug aufzuspringen und die Irrealität dieses real existierenden Sozialismus gegen irgendein Jenseits zu tauschen – gern auch für immer.“ Aber zunächst blieb es Verheißung und Traum.

Erst nach dem Fall der Mauer holte Grünbein das Versäumte in einer übersteigerten Form des „beinahe hysterischen Reisens“ nach. Dresden und seine Gartenstadt Hellerau waren nur noch der Bodensatz der Erinnerung an eine ferne Kindheit.

Verschiedene Stilmittel verschmelzen stimmig

In seinem Buch „Die Jahre im Zoo“ lässt Grünbein seine Kindheit in der DDR auf wunderbare Weise wiederauferstehen und setzt der Gartenkolonie Hellerau ein Denkmal. Als Kaleidoskop bezeichnet der Dichter sein Erinnerungsbuch.

Anstelle einer linearen Erzählung tauchen Erinnerungssplitter auf und verschwinden wieder, Prosa-Passagen wechseln mit Gedichten und alten Schwarz-Weiß-Fotos ab, all das verbindet sich zu einem stimmigen Ganzen.

Eine Jugend in Hellerau, jenem Utopia, in dem Anfang des 20. Jahrhunderts Künstler, Reformpädagogen und Architekten ein neues Lebensmodell erprobten. Auch Schriftsteller hinterließen ihre Spuren. Franz Kafka machte dort am offenen Fenster seine Turnübungen und Gottfried Benn schaute während des Fronturlaubs in Hellerau bei seiner Familie vorbei.

Zu DDR-Zeiten war der Lack des Besonderen allerdings längst ab. Als Durs Grünbein 1968 mit seinen noch jugendlichen Eltern dorthin zieht, erscheint dieses Fleckchen Erde der Familie dennoch wie das Paradies.

Der Metzger mag Spaziergänge zum Elbhafen

Es ist eine Jugend, die sich vor allem im Freien abspielte, in Brachlandschaften und Gärten, nicht zuletzt beim wilden Indianerspiel. Früh erwies sich der Junge aber auch als Einzelgänger, der die Einsamkeit schätzte und seine ersten Gedichte schrieb.

Die Erinnerungen enthalten anrührende Menschenporträts, etwa der beiden Großväter. Der eine übte den blutigen Beruf des Metzgers aus. Er war ein großer Schweiger, der seinem Enkel nicht gerne von seinem anrüchigen Handwerk erzählte. Dafür machte er mit ihm ausgedehnte Spaziergänge zum Elbhafen.

Ein einfacher Mann, der seine Würde zu wahren wusste und sein Leben lang „klassen- und rassenkampfresistent“ blieb. Der andere Großvater lebte in Gotha und war ein gebrochener Kriegsheimkehrer, der sich als Schmuggler durchschlug und noch spät das Küferhandwerk erlernte.

„Die Jahre im Zoo“ waren für den Dichter eine Kindheit in einer kriegsversehrten Stadt in einer umzäunten, begrenzten Welt, aber auch eine Zeit fantasievoller Erkundung, voller Träume und Sehnsüchte. Der Leser folgt ihm gerne in dieses verschüttete Reich.

  • Durs Grünbein: „Die Jahre im Zoo. Ein Kaleidoskop“, Suhrkamp Verlag, 400 Seiten, 24,95 Euro.

von Sibylle Peine


Nächster Artikel
Nächster Artikel
Vorheriger Artikel
Voriger Artikel

Anzeige




Jubiläum




Wünsche




Terra-Tech




Sport-Tabellen




Spielerkader




zur Galerie

Fußballfotos vom Wochenende

Sonderveröffentlichungen




Spielplatz-Serie




LWL-Shop




Mit der OP durch das Gartenjahr




Blende 2016




Heimatprämie sichern!




Instagram

Meistgelesene Artikel

Schüler lesen die OP




Kommentare




OP kostenlos lesen




Der Online-Shop der OP




Städtewetter
Ihre Stadt/Ihr Ort
Tagestemperatur
°
Tiefsttemperatur
°
Regenprognose
%
Windstärke
km/h
Pollenflug
Ihre Wettervorschau
zur Galerie

Willkommen im Leben:

Die Transfers im Landkreis




Die OP-Serien

Eine Vergleichsstudie zwischen Marburg und Osnabrück hat die Wirksamkeit von Karies-Präventionsprogrammen in Marburger Schulen bewiesen. Foto: dpa Kariesprophylaxe

Marburger Schüler haben die besseren Zähne

Marburg nimmt beim Kampf gegen Karies eine Vorreiterposition ein. Dies beweist eine Studie von Professor Klaus Pieper, Leiter der Abteilung Kinderzahnheilkunde der Marburger Zahnklinik. mehrKostenpflichtiger Inhalt



90 regionale Rezepte: Das Besser-Esser-Buch


Das Besser Esser Buch mit 70 regionalen Rezepten.

Die Grill-App der Oberhessischen Presse


Rostkost: Rezepte und Grilltechnik




  • Sie befinden sich hier: OP-Buchtipp: Durs Grünbein: „Die Jahre im Zoo“ – Reise in ein verschüttetes Reich – op-marburg.de