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Rasanter Thriller über Profitgier

Kinostart: „The Big Short“ Rasanter Thriller über Profitgier

Eine Geschichte um die Finanzkrise spannend und humorvoll inszeniert, mit Stars wie Christian Bale, Ryan Gosling und Brad Pitt – diese Rechnung geht weitgehend auf.

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Jeremy Strong (von links), Rafe Spall, Hamish Linklater, Steve Carell, Jeffry Griffin und Ryan Gosling in einer Szene aus „The Big Short“.

Quelle: Paramount Pictures

Bislang war die Finanzkrise von 2008 eher das Thema für eine ganze Reihe von Dokumentationen. Jetzt legt Regisseur Adam McKay mit „The Big Short“ einen hochkarätig besetzten Finanzthriller vor, der den großen Crash am amerikanischen Immobilienmarkt und den globalen Bankenkollaps aus der Sicht von ein paar schrägen, aber hellsichtigen Außenseitern unterhaltsam in Szene setzt.

Das Kunststück, einen eher drögen und sperrigen Stoff wie den Börsenhandel und die Immobilienkrise spannend und kurzweilig in Szene zu setzen, gelingt dem hochtourig inszenierten Ensemblefilm über weite Strecken – auch dank der hochkarätigen Besetzung mit Christian Bale, Ryan Gosling und Brad Pitt. Die Story für diesen mitunter haarsträubenden Finanzthriller nach wahren Begebenheiten stammt von Bestsellerautor Michael Lewis.

Vier Geld-Musketiere gegen das Wall-Street-Establishment: Schon 2005 ahnt der leicht autistisch angehauchte, ansonsten geniale Hedgefonds-Manager Michael Burry (Christian Bale), dass etwas mächtig faul ist im Finanzsystem der USA.

Gosling ist diesmal nicht der Held

Aber der Heavy-Metal-Fan mit Glasauge, der barfuß am Schreibtisch sitzt und sich am liebsten an seinem Schlagzeug austobt, wird lange nur müde belächelt. So ähnlich ergeht es auch dem einstigen Star-Investor und Ökoaktivisten Ben Rickert, den Brad Pitt mit Zauselbart und randloser Professorenbrille liebevoll und schön verhuscht verkörpert.

Ein ganz cooler Absahner ist der Bank-Makler Jared Vennett (Ryan Gosling), der den Durchblick behält und am Ende richtig Kasse macht. „Ich bin nicht der Held in dieser Geschichte“, behauptet er freimütig. Den interessantesten Part aber spielt Steve Carell als Börsenprofi Mark Baum, der völlig aus dem Ruder läuft, weil er den Selbstmord seines Bruders nicht verhindern konnte.

Dieser Mark Baum, eigentlich ein knallharter Profi, wird zum wütenden Moralisten, der die Tricksereien in seiner Branche gnadenlos anprangert. Einmal fährt er mit einem Kollegen nach Florida in ein Neubaugebiet, das schon wieder verlassen wurde. Eine Geisterstadt, gebaut aus Gier und Profitsucht.

Solche Szenen hätte man sich häufiger gewünscht. Etwas zu oft zappt der rasant geschnittene Film zwischen den Protagonisten, deren Geschichten nicht verbunden sind, hin und her. Figuren sprechen in die Kamera, komplizierte Finanzprodukte werden am Pokertisch erklärt. Bloß keine Langeweile aufkommen lassen, scheint die Devise zu sein. Etwas mehr Konzentration auf etwas weniger Figuren hätte „The Big Short“ sicher gut getan. Eines ist allerdings auch klar: Dem realen Börsenwahnsinn, der 2008 in den Crash führte, wird man mit keinem Drehbuch wirklich gerecht.

  • Der Film läuft im Cineplex, am 15. und 16. Januar, 22.45 Uhr, auch im Capitol.

von Johannes von der Gathen

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