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Kinostart: „The Diary of a Teenage Girl“

Quirliges Drama um Teenie

Flower-Power, Coming-of-Age und ein wenig Feminismus: Bel Powley ist großartig als Männer vernaschendes Teenie-Girl im San Francisco der 70er Jahre.
Gemeinsam mit Kimmie (rechts) durchlebt die 15-jährige Minnie die Pubertät in San Francisco 1976. Foto: Sony Pictures

Gemeinsam mit Kimmie (rechts) durchlebt die 15-jährige Minnie die Pubertät in San Francisco 1976.

© Sony Pictures

Marburg. Nur gelegentlich starten amerikanische Filme mit so viel erfrischender Direktheit: „Ich hatte heute Sex – holy shit!“

Mit dieser freudigen Feststellung beginnt das Regie-Debüt der jungen Amerikanerin Marielle Heller, die uns mitnimmt ins bunte San Francisco des Jahres 1976, wo ein Teenager namens Minnie (Bel Powley) mit der Pubertät und der Entwicklung zur Frau ordentlich zu tun hat.

Ausgerechnet in den Lebenspartner ihrer Mutter (Kristen Wiig) nämlich verliebt sich Minnie, einen von Alexander Skarsgård („Melancholia“) verkörperten Schönling.

Regisseurin Heller hat ihren Erstling mit einigen aparten und gut zum Setting des Films passenden animierten Sequenzen angereichert – Minnie, ihre Hauptfigur, träumt schließlich von einer Karriere als Comic-Zeichnerin. Zunächst aber sind es vor allem Liebesfragen, die die 15-Jährige beschäftigen und auf Trab halten.

Freizügige aber respektvolle Bilder

Zum Glück hat das Mädchen mit dem schräg geschnittenen Pony einen guten und geduldigen Freund in Form eines Aufnahmegeräts, dem sie all 
ihre Gefühle und Gedanken anvertraut. Die auf Band gesprochenen Tagebücher von Minnie sind zentrales Element des Films, der gekonnt das Lebensgefühl der Zeit einfängt.

In 
einer der prägnantesten Szenen fotografiert sich Minnie selbst mit einer Polaroidkamera, just nachdem sie ihren ersten Sex hatte. Ein hübscher Seitenhieb, wenn man so will, auf die heutigen Selfies.

„The Diary of a Teenage Girl“ ist ziemlich intelligentes Coming-of-Age-Kino in guter amerikanischer Tradition und zugleich einiges mehr: Wer mag, kann diesen Film auch als starkes, wenn auch zu keiner Zeit verbissenes Feminismus-Plädoyer lesen. Immer wieder betont Minnie ihre Selbstständigkeit, „dies ist mein Leben!“, und zum Schluss resümiert sie mit Blick auf ihre Mutter: „Sie denkt, dass sie einen Mann zum Glücklichsein braucht. Ich nicht!“

Obwohl es einige recht freizügige Szenen gibt, geht Regisseurin Heller doch stets respektvoll mit ihrer Protagonistin um. Sehr einfühlsam und teils auch lustig erzählt Heller von den inneren und äußeren Kämpfen 
eines Teenagers, ohne diese dabei je auf allzu plakative oder voyeuristische Art auszustellen. Von Bel Powley, der schnell für sich einnehmenden und quicklebendigen Hauptdarstellerin, darf man noch einiges erwarten.

  • Der Film läuft im Capitol.

von Matthias von Viereck


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