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OP-Buchtipp: „Dictator“

Politik kurz vor dem Untergang

Intrigen und Revolten: In „Dictator“ beschreibt Robert Harris die wohl turbulenteste Zeit der römischen Republik. Es geht um politische Machtspiele – nicht nur in der Antike.
Der britische Autor Robert Harris nutzt das historische Geschehen, um die moderne Politik zu beschreiben. Foto: Marcus Brandt

Der britische Autor Robert Harris nutzt das historische Geschehen, um die moderne Politik zu beschreiben.

© Marcus Brandt

Am Ende war der brillanteste Redner im antiken Rom nurmehr zum Spielball der mächtigen Feldherren geworden. Bis dahin galt Marcus Tullius Cicero noch selbst als einer der heimlichen Strippenzieher und begnadetsten Politiker, doch in den Turbulenzen nach der Ermordung Caesars im Jahr 44 vor Christus verfing auch er sich im Intrigengeflecht der untergehenden Republik.

„Eines der verworrensten Kapitel der römischen Geschichte“, nannte der deutsche Cicero-Biograf Manfred Fuhrmann diese Zeit. Jenes Kapitel schlägt nun Robert Harris in „Dictator“ auf. Zwölf Jahre hat der Brite insgesamt an seiner Roman-Trilogie über Cicero gearbeitet. Wie in „Imperium“ und „Titan“ lässt er auch im letzten Band den großen Redner und Politiker durch die Augen seines Sekretärs und Sklaven, des Ich-Erzählers Tiro, erscheinen.

In seinen Cicero-Romanen ist Harris ein politischer Autor. Der 58-Jährige war Korrespondent und Kolumnist bei der BBC, der „London Sunday Times“ und des „Daily Telegraph“. Sein Hitler-Bestseller „Vaterland“ von 1992 sei „das Ende des gewöhnlichen Lebens“ gewesen, hat Harris einmal gescherzt. Seither hat er weltweit viele Millionen seiner Bücher verkauft.

Harris balanciert auf schmalem Grad

In der Figur Ciceros hat der Brite eine riesige Spielwiese gefunden. Zwar ist er einer derjenigen, über die die meisten Zeugnisse aus dem Altertum existieren – aus eigener oder fremder Hand, von Zeitgenossen oder späteren Autoren. Aber dennoch gibt es auch im Leben des Redners eine Vielzahl von Lücken, die Harris erzählerisch zu füllen vermag.

„Cicero gehört zu den wenigen“, heißt es bei Fuhrmann, „die jeder Beschreibung seines Lebens viel Freiheit geben und sie zugleich der Gefahr der Willkür aussetzen.“ Auf diesem schmalen Grat balanciert Harris in seinen Romanen. Der dritte Band setzt mit Ciceros zeitweisem Exil in Griechenland ein, eine Folge der Überwerfung mit Caesar. Es geht um seine letzten 14 Jahre, in denen der Politiker immer unbedeutender wird und die meisten seiner philosophischen Schriften verfasst.

Man sollte „Dictator“ am besten politisch lesen, die Taktik der Staatskunst, dieses Spiel auf Leben und Tod. Wo hören Prinzipien auf, wo beginnen Kompromisse? „Im antiken Rom lässt sich die moderne Politik in ihrer Urform beobachten“, so Harris. Und gerade in diese feinen Spielereien aus Versprechen und Brüchen, aus Hinterlisten und Komplotten setzt er seine Handschrift.

Das Ende ist bekannt

Harris meinte einmal, in den Nebeln der Vergangenheit werde „das Spiegelbild der Gegenwart sichtbar“. Dass selbst ein integrer Anwalt wie Cicero bei seiner politischen Arbeit kompromittiert wird, zeigt: Wie moralisch gut man sich auch gibt, ein Versagen ist vorprogrammiert. Für Harris liegt das daran, dass politische Führer selten von selbst den richtigen Moment erkennen, der Politik den Rücken zu kehren.

Wie etwa beim Höhepunkt des Romans: der Ermordung Caesars. Einerseits war Caesar in seiner Hybris längst blind gegenüber seinen Gegnern, andererseits skandierten die Mörder nach der Tat noch „Freiheit“, „Frieden“ und „Republik“, während die mächtigen Caesar-Anhänger bereits die neue Ordnung analysierten und entsprechend handelten.

Der Schluss des Romans ist weithin bekannt: Den Niedergang der Republik hat Cicero gerade einmal zehn Tage überlebt. Als die Häscher des Antonius den für vogelfrei erklärten Redner im Jahr 43 vor Christus töten, sagt Tiro: „Die Freiheit war aus der Welt verschwunden.“

  • Robert Harris: „Dictator“, Heyne Verlag, 528 Seiten, 22,99 Euro.

von Sebastian Fischer


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