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„Perfekt ausgebildet fürs Morden“

OP-Buchtipp: Christian von Ditfurth: „Zwei Sekunden“ „Perfekt ausgebildet fürs Morden“

Bis in die höchsten politischen Ebenen reicht die Gefahr in Christian von Ditfurths neuem Thriller „Zwei Sekunden“. Erst ein unkonventioneller Ermittler kann Klarheit in den komplexen Fall bringen.

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Der Krimi-Autor Christian von Ditfurth posiert im schleswig-holsteinischen Ahrensbök für den Fotografen.

Quelle: Marcus Brandt

Mit einem Knall beginnt 
Christian von Ditfurths neuer Roman. Die Bundeskanzlerin begrüßt den russischen Präsidenten auf dem Berliner Flughafen und fährt mit ihm ins Regierungsviertel.

Unterwegs passiert es: Eine Bombe explodiert mitten in der Fahrzeugkolonne. Nur zwei Sekunden früher, und die beiden ranghohen Politiker wären tot. So trifft die Bombe das Auto hinter der Staatskarosse und reißt Regierungsberater in den Tod.

Sofort nehmen Polizei und Staatsschutz die Ermittlungen auf. Und da der Anschlag sehr wohl dem russischen Präsidenten gegolten haben könnte, ist auch der russische Geheimdienst an den Untersuchungen beteiligt. Die Ermittler finden nur wenige Spuren, und was sie finden, ergibt keine Klarheit: „Die Attentäter haben einen kleinen Fehler gemacht. Das passt aber nicht ins Bild.“

Dann geschehen weitere Morde in Berlin. Personenschützer, die bei dem Anschlag im Einsatz waren, werden getötet, dann auch weitere Politiker und hohe Verwaltungsbeamte. Was auch immer die hochkarätigen Mitglieder der Taskforce unter­nehmen, sie stehen den perfekt ausgeführten Anschlägen anscheinend hilflos gegenüber.

Vor allem ein Problem macht den Ermittlern zu schaffen: Es lässt sich absolut nicht erkennen, was für ein Motiv hinter den Morden stecken könnte. Jeder Ermittler verfolgt den Ansatz, der ihm von seiner Organisation her am nächsten liegt, aber keiner von ihnen findet 
eine plausible Erklärung.

Nur zwei Männern gelingt es, sich eigenständig Gedanken über die Fälle zu machen und so der Wahrheit näherzukommen. Aber der eine ist Mitarbeiter des russischen Geheimdienstes, 
der andere ein Kriminalpolizist, der nicht zur Taskforce gehört. Ihre Unabhängigkeit zeichnet sie aus, macht sie aber auch weniger effektiv.

Spannendes Verwirrspiel

Der unkonventionelle und unberechenbare Kommissar de Bodt, den Ditfurth bereits in seinem Roman „Heldenfabrik“ eingesetzt hatte, entpuppt sich als einziger, der den Verbrechern gewachsen ist. Und diese Verbrecher sind nicht ohne. 


De Bodt beschreibt sie so: „Wir haben es mit kühl planenden, hochintelligenten Leuten 
zu tun. Perfekt ausgebildet fürs Morden.“ Allmählich, nach zahlreichen Verwicklungen und falschen Fährten, die Ditfurth zu einem spannenden Verwirrspiel mit unterschiedlichen Erzählperspektiven konstruiert, werden die Hintergründe der Taten deutlich.

Bis die zahlreichen Morde aufgeklärt sind, bietet „Zwei Sekunden“ rasant erzählte spannende Unterhaltung, die auch zum Nachdenken über internationale politische Entwicklungen und Zusammenhänge anregt.

Christian von Ditfurth (63) hat seit 1991 ein breites Spektrum von Büchern veröffentlicht. Neben Sachbüchern und Romanen aus dem Bereich der Alternativgeschichte hat er mehrere Krimis geschrieben, darunter 
sechs mit dem Historiker Josef Maria Kachelmann als ungewöhnlichem Ermittler.

  • Christian von Ditfurth: Zwei Sekunden. Carl‘s books, München, 459 Seiten, 14,99 Euro.

von Axel Knönagel

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