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OP-Buchtipp: Guntram Vesper: „Frohburg“

Monumentaler Deutschlandroman

Selbsterlebtes trifft Zeitgeschichte. Auf 1 000 Seiten verknüpft der Schriftsteller Guntram Vesper in „Frohburg“ seine eigene Biographie mit akribisch recherchierten Anekdoten der deutschen Geschichte.
Für seinen Roman „Frohburg“ wurde der Schriftsteller Guntram Vesper mit dem diesjährigen Preis der Leipziger Buchmesse in der Kategorie Belletristik ausgezeichnet. Foto: Hendrik Schmidt

Für seinen Roman „Frohburg“ wurde der Schriftsteller Guntram Vesper mit dem diesjährigen Preis der Leipziger Buchmesse in der Kategorie Belletristik ausgezeichnet.

© Hendrik Schmidt

Um Guntram Vesper war es zuletzt ruhig geworden. Sechs Jahre lang arbeitete der Autor, einst Mitwirkender der Gruppe47, an einem großen Roman über seine sächsische Geburtsstadt Frohburg.

Dann legte der 74-Jährige das mehr als 1000 Seiten starke „Frohburg“ vor. „Ausufernd“ sei das Werk geworden, schreibt er darin selbst. Es hat ihm nun den Preis der Leipziger Buchmesse in der Kategorie Belletristik eingebracht.

Die Jury würdigte „Frohburg“ als „Opus magnum“ und „Mammutwerk“. Es ist vor allem die unglaubliche Fülle an Geschichte und Geschichten, die die Kritiker beeindruckt hat. Vesper habe dies alles meisterlich geformt.

Sorgsam recherchierte Geschichten

Seine Sätze folgten einer „Ästhetik des Verknüpfens“. „Man spürt beim Lesen manchmal gar nicht, wie gleitend diese Sätze einen durch die Zeiten und Geschichten, Namen und Schauplätze tragen“, sagte Laudator Dirk Knipphals bei der Preisverleihung.

„Frohburg“ ist vieles: Eine Autobiografie Vespers, ein tiefer Blick in das Deutschland der Weimarer Republik, der Nazizeit, der deutsch-deutschen Teilung. Der Schöffling-Verlag nennt es ein „Geschichts- und Geschichtenpanorama, wie wir schon lange keines hatten“. Tatsächlich reiht Vesper in „Frohburg“ eine sorgsam recherchierte Geschichte an die nächste. Es ist dem Buch auf fast jeder Seite anzumerken, wie viel Aufwand und Akribie darin stecken.

Vesper verbindet Anekdoten aus seiner Familiengeschichte – 
einen Motorradausflug seiner Eltern Wolfram und Erika, seine 
Polio-Erkrankung als kleiner Junge, die Übersiedlung in den Westen 1957 und viele andere 
mehr – mit historischen Geschehnissen.

Die Materialflut 
ist fast erschlagend, weckt aber auch Neugier auf die jeweils nächste zu erzählende Geschichte. Der Autor schreibt dabei nicht chronologisch, sondern wechselt munter zwischen den Zeiten hin und her. So was ist nicht immer eine gute Idee, weil es – schlecht gemacht – die Gefahr birgt, dass der Leser den Überblick verliert. Vesper allerdings gelingen die Zeitensprünge elegant.

Ausführliche Zeitreise in die deutsch-deutsche Geschichte

So schafft er immer wieder Überraschungsmomente, etwa 
wenn er einen Dialog seiner Eltern nach der Niederlage der Wehrmacht in Stalingrad mit bissigen Bemerkungen über den aktuellen sächsischen Ministerpräsidenten Stanislaw Tillich (CDU) enden lässt, einst in der DDR stellvertretender Vorsitzender des Rates des Kreises Kamenz, „der sich in jedem tagtäglichen Sachsenspiegel des MDR zwei-, dreimal zeigen lässt, im blass steinernen Gesicht mit demokratisch süffisantem Lächeln, das unter den alten Verhältnissen nicht infrage gekommen wäre, undenkbar war, etwas hat er also doch gelernt, der Tillich“.

„Frohburg“ ist wegen der vielen Details interessant für Leser, die sich ein wenig in der sächsischen Provinz zwischen Leipzig und Chemnitz auskennen. Aber ausgehend von der Kleinstadt Frohburg und Vespers Familiengeschichte ist es weit mehr als das: Es ist eine ausführliche Zeitreise in die deutsch-deutsche Geschichte.

  • Guntram Vesper: „Frohburg“, Schöffling & Co., 1008 Seiten, 34 Euro.

von Birgit Zimmermann


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