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19. Hessische Kinder- und Jugendtheaterwoche

Mitreißend getanzte Gefühle

Endspurt bei der 19. Hessischen Kinder- und Jugendtheaterwoche KUSS: Am Samstag wird der Festivalpreis verliehen. Es gibt viele Aspiranten. Erstmals sind drei Stipendiaten zu Gast.
Eine atemberaubende Choreographie präsentierte das Amsterdamer Danstheater Aya.Foto;: Ben van Duin

Eine atemberaubende Choreographie präsentierte das Amsterdamer Danstheater Aya.Foto;: Ben van Duin

© BEN VAN DUIN

Marburg. „Das Festival ist eine großartige Gelegenheit. Wo bekommt man sonst die Chance, in einer Woche 20 internationale Theaterproduktionen zu sehen“, sagt Brian Bell. Zum ersten Mal in der 19-jährigen Geschichte der Hessischen Kinder- und Jugendtheaterwoche hat das Hessische Landestheater drei Stipendiaten eingeladen. Der 31-jährige Theatermacher und Theaterpädagoge Bell kommt aus den USA und lebt derzeit in Weimar. Er ist derzeit persönlicher Assistent des Generalintendanten und Regieassistent am Deutschen Nationaltheater Weimar. Gemeinsam mit der Theaterpädagogin und Performerin Anna Ach (26) aus Linz und dem Theaterpädagogen Julian Gerhard (29) aus Bochum besucht Bell alle Inszenierungen des Festivals.

Sie wurden unter 33 Bewerbern ausgewählt und haben nun die Chance, aktuelles und innovatives Kinder- und Jugendtheater aus sechs Ländern zu sehen. Betreut werden sie von Eva Bormann, Annelie Mattheis und Nina Eichhorn vom KUSS-Festivalteam. Gefördert wird das Projekt von der Assitej Deutschland. Assitej ist die internationale Vereinigung des Theaters für Kinder und Jugendliche.

„Das Festival ist ein Geschenk“, sagt der US-Amerikaner Bell und bringt damit den Charakter der Theaterwoche auf den Punkt. Er meint diesen Satz sehr persönlich, aber man kann ihn durchaus auf das Publikum übertragen: Denn die 20 ausgewählten Inszenierungen zeigen die enorme Bandbreite des modernen Kinder- und Jugendtheaters.

Am Dienstagabend etwa war die Compagnie Sac à Dos aus Brüssel mit „Antigone“ zu Gast. Was die beiden Darsteller aus der antiken Tragödie gemacht haben, war einfach grandios. Zum einen haben das französischsprachige Duo seinen Text übersetzen lassen und auf deutsch gelernt. Auswendig lernen müssen Schauspieler ohnehin, aber ein Stück in einer fremden Sprache zu präsentieren ist mehr als außergewöhnlich.

Der Compagnie Sac à Dos diente die Tragödie von Sophokles als Grundstock für ein sehr heutiges Erzähltheater über Macht und Ohnmacht, Terror der Alleinherrschaft und das Grauen des Krieges: Warum darf ein König allein für alle entscheiden, lautet Antigones zentrale Frage. Die gesamte Erzählung betonten sie mit kleinen, eindrucksvollen Tonfiguren, die vor den Augen der Zuschauer entstehen. Still und ergreifend war diese „Antigone“.

Nicht weniger fesselndes und doch völlig anderes Theater präsentierten gestern vier junge Tänzerinnen und vier junge Tänzer vom Danstheater Aya aus Amsterdam. Ihr Gastspiel „Eerste Keer“ war nur möglich, weil es von der Botschaft der Niederlande unterstützt wurde, ansonsten hätte diese aufregende Produktion über „das erste Mal“ den finanziellen Rahmen des Marburger Theaterfestivals gesprengt.

In einer mitreißenden Choreographie von Wies Bloemen mit Elementen zeitgenössischer Tanzformen wie Breakdance oder Street Dance setzt sich das Ensemble mit Liebe und Sex auseinander und den Gefühlen, die Jugendliche aufwühlen: Angst, Hoffnung, Verzweiflung, Wut, Glück und Trauer. Zum Auftakt wird das Publikum in vier Gruppen geteilt – je eine Tänzerin und ein Tänzer führen an verschiedenen Orten in das Thema ein. Erst danach geht es auf die Bühne, wo zugleich einfühlsam als auch in einem atemberaubenden Tempo all das ausgedrückt wird, wofür Jugendliche nur schwer Worte finden. Großes Tanztheater.

n Heute um 10 Uhr ist die Compagnie Les Voisins aus Frankreich mit „Buh“ zu Gast. Ab 11 Uhr zeigen „Theater Strahl / bat-Studiotheater“ aus Berlin „Weißbrotmusik“. Um 16 Uhr präsentieren fünf Schulen ihre Workshopergebnisse. Und um 19.30 Uhr ist „das Herz eines Boxers“ zu sehen.

von Uwe Badouin


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