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Kinostart: „Ricki – Wie Familie so ist“

Meryl Streep als Rocksängerin

In „Ricki – Wie Familie so ist“ spielt die Oscar-Gewinnerin Meryl Streep eine Rocksängerin, die für den Traum vom Musiker-Leben Mann und Kinder verlassen hat. Jahre später will ihre Familie nichts von ihr wissen.
Meryl Streep als Ricki Rendazzo und Rick Springfield als Greg im Film „Ricki – Wie Familie so ist“. Foto: Sony Pictures

Meryl Streep als Ricki Rendazzo und Rick Springfield als Greg im Film „Ricki – Wie Familie so ist“.

© Sony Pictures

Mal wieder ein Musikfilm von Jonathan Demme – allerdings nicht dokumentarisch wie die wunderbare Konzertdoku „Stop Making Sense“ der Talking Heads, sondern ein Spielfilm. Oscar-Preisträgerin Meryl Streep gibt darin die erfolgreiche Rocksängerin Ricki Rendazzo. In Jahrzehnten auf der Bühne und im Tourbus hat sie ihre Familie komplett vernachlässigt. Nun will sie Versäumtes nachholen und zu ihren erwachsenen Kindern eine Beziehung aufbauen.

„Ricki – Wie Familie so ist“ erzählt die Geschichte amüsant, wenn auch recht konventionell und vorhersehbar. Dennoch ist der Film sehenswert – dank Streep, die an der Seite von Rock-Veteran Rick Springfield und ihrer Coverband Ricki and the Flash als Gitarristin und Sängerin eine tolle Performance liefert. Und dank Mamie Gummer, die im Film wie im wahren Leben Streeps Tochter ist.

Wut und Trotz, aus Liebe und Ablehnung

Eines Tages platzt Ricki überraschend ins beschauliche Vorstadt-Leben ihrer Familie. Die Söhne Adam und Josh wollen von ihr nichts wissen. „Oh mein Gott, sie spielt Mami, hat jemand ‘ne Kamera?“, kommentiert Adam Rickis Versuche, ein Familiengefühl aufzubauen. Für ihn ist Maureen die Mutter, gespielt von der Sängerin und Schauspielerin Audra McDonald. Sie ist die fürsorgliche Frau an der Seite von Rickis Ex-Mann Pete (Kevin Kline) und fühlt sich von Ricki an den Rand gedrängt. Ein Zickenkrieg beginnt.

Auf totale Ablehnung stößt Ricki bei ihrer Tochter (Mamie Gummer). Julie steckt in einer tiefen Depression, seit ihr Mann sie jäh verlassen hat. Rickis unbeholfene Versuche, ihr beizustehen, weist sie brüsk zurück. Unvergessen die Jahre, als sich das Mädchen nach der Mutter sehnte und immer wieder enttäuscht wurde. So entsteht eine Dynamik aus Wut und Trotz, aus Liebe und Ablehnung, wie sie so typisch für Mütter und Töchter ist.

Meryl Streep und Mamie Gummer als Mutter-Tochter-Duo spielen wunderbar: Zwei desillusionierte Frauen, verletzt, unsicher, aufbrausend und in vielerlei Hinsicht ähnlich, auch wenn sie das nicht wahrhaben wollen. Julie hat den Glauben an die Liebe und sich selbst verloren. Und Ricki muss erkennen, dass das, was sie zu Hause versäumt hat, unwiederbringlich ist.

Streep singt selber

Der Film erhebt keine Anklage und erklärt die Standardfamilie nicht zum allein seligmachenden Lebensziel. Das ist sympathisch. Am Ende geht es in Jonathan Demmes Film darum, eigene Fehler zu erkennen, sich gegenseitig zu verstehen und vielleicht auch zu vergeben – ohne viele Worte.

Denn anstatt den Film mit Dialogen zu überfrachten und Gefahr zu laufen, am Ende doch nicht die treffenden Worte zu finden, lässt Jonathan Demme Ricki singen. Und zwar echt, nicht Playback, wie sonst in Filmen oft üblich, darauf legt der 71-jährige US-Amerikaner wert. So spricht Streep mit ihrem rauen Gesang: mal wild und unbändig, mal leidenschaftlich und dann wieder ganz leise und voller Liebe.

Eine Herausforderung auch für Streep, die einen Gitarren-Lehrer engagierte und monatelang übte, um mit der Band mithalten zu können, allen voran Springfield, im Film Rickis Liebhaber und auch Gitarrist. Zwei Wochen hatten die Musiker Zeit, zu einer Band zusammenzuwachsen.

Anfangs sei es ihr schwergefallen, bekennt Streep. „Dann, ungefähr am sechsten Tag, sprang der Funke über, und wir konnten nicht mehr aufhören zu spielen. Wir spielten und spielten und spielten, und ich konnte wirklich endlich verstehen, warum Ricki das niemals aufgeben wollte, weil es sooooo viel Spaß bereitete.“

  • Der Film läuft im Cineplex.

von Cordula Dieckmann


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