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Luther gegen Papst und Italiener

Die Auseinandersetzung zwischen Luther und dem Vatikan über den rechten Glauben wurde mit harten Bandagen geführt. Römer wie Wittenberger waren nicht zimperlich, wenn es um die eigenen Ziele ging.
Ein Denkmal auf dem Marktplatz in Wittenberg in Sachsen-Anhalt zeigt den Reformator Martin 
Luther. Foto: dpa

Ein Denkmal auf dem Marktplatz in Wittenberg in Sachsen-Anhalt zeigt den Reformator Martin 
Luther.

© dpa

Der Mann sei der „Hurenwirt aller Hurenwirte“, ein „Aufwiegler zu zahlreichem Blutvergießen“, ein „Erzkirchendieb und Kirchenräuber“ – und so weiter.

Gemeint ist der Papst – in diesem speziellen Fall Papst Paul III. (1534-1549). Autor der galligen Worte: Martin Luther in seiner Abhandlung „Wider das Papsttum zu Rom, vom Teufel gestiftet“ vom März 1545 – 28 Jahre nach den 95 Thesen gegen den Ablass, die die Kirchenspaltung auslösten, und knapp ein Jahr vor seinem Tod. Zahlreiche neue Veröffentlichungen zum Luther-Jahr 2017 beschäftigen sich mit dem Reformator und seiner Zeit.

Der alte Luther schrieb diese 
Abhandlung nicht nur gegen die nach wie vor reformunwillige katholische Kirche und 
ihre absolutistisch herrschenden Päpste. Er schrieb sie auch in der Angst, sein Vermächtnis könnte nach Jahren des Streites an Wirkmächtigkeit verlieren. Luther spürte seit längerem, dass sich das Klima im damaligen Deutschland und in Europa wandelte, und dies nicht zum Vorteil der Lutheraner.

Theologe mit Blick für nationale Ehre

Versuche, sich in strittigen theologischen Punkten anzunähern, waren regelmäßig gescheitert. Streit gab es etwa um die Frage, ob und inwieweit der Wille des Menschen frei sein könne. Für Luther war 
alles vorbestimmt. Erlösung gab es nur durch die Gnade Gottes. Der Mensch konnte im Grunde nichts selbst dazu beitragen – etwa durch gute Werke.

Für die katholische Kirche hat der Mensch bei aller nötigen Gnade Gottes sehr wohl die Möglichkeit, sich für oder gegen Gott zu entscheiden, etwa durch gute Werke. Ohne diese 
 theologische Einsicht hätte auch die Geldeinnahmequelle 
Ablass nicht funktioniert, mit der die Kirche so viel Schind­luder gerade in Deutschland trieb: Wenn du gute Werke tust (gerne auch mit klingender Münze), wirst du gerettet.

Luther argumentierte von 
Anfang an nie nur theologisch, sondern immer auch nationalistisch als Verteidiger der deutschen Ehre: Die katholische Kirche in Rom, dominiert durch italienische Clans, will für ihre Ausschweifungen den hart arbeitenden Deutschen das Geld aus der Tasche ziehen. Das verfing bei Theologen, Humanisten und Fürsten nördlich der 
Alpen.

Andererseits sahen die Kirchenfürsten in Rom die Sache des Mönchleins aus Sachsen und seiner Mitstreiter als ungeheuerliche Anmaßung der deutschen Barbaren. Diese 
Feindbilder verschärften sich bis zu Luthers Tod und wirkten im Grunde noch bis ins 19. Jahrhundert des evangelisch-preußisch dominierten Deutschen Reiches und darüber 
hinaus nach.

Abgleich verschiedener Blickwinkel

Als Theologe hatte Luther zunächst keinen Anlass, über 
politische Fragen nachzudenken. Erst als es in Folge der 
reformatorischen Bewegung zu Unruhen kam, wurden Fragen nach politischen Ordnungsstrukturen aufgeworfen. In der Schrift „Von der weltlichen Obrigkeit: wie weit man ihr Gehorsam schuldet“ von 1523 zeigt er in die Zukunft weisende Unterschiede zwischen „geistlicher“ und „weltlicher“ Sphäre, zwischen Religion und Politik auf.

Zwei Kenner der Materie befassten sich praktisch gleichzeitig mit dem Thema Luther und Rom – allerdings aus verschiedenen Blickwinkeln. Der Tübinger Kirchenhistoriker Volker 
Leppin zeigt – vornehmlich aus deutscher Sicht – die theologischen wie politischen Wurzeln auf, aus denen heraus Luther argumentiert. Volker Reinhardt von der Universität Fribourg (Schweiz) nimmt mit 
vatikanischen Quellen zur Causa Luther einen eher römischen Blickwinkel ein.

Das ändert nichts an der Grundkonstellation – hier die absolutistischen, kirchlichen Renaissance-Fürsten in Rom, dort der rebellische Wittenberger und seine Anhänger. Aber gerade der Abgleich beider Blickwinkel ist spannend zu 
lesen und bringt über die Streitparteien hinaus etliche neue Einsichten in das für Theologie und Kirche so konfliktreiche 16. Jahrhundert. Tillmann Bendikowski versucht, die Auswirkungen dieser Glaubenskonflikte bis in die Gegenwart aufzuzeigen. Und so wie Luther nie nur theologisch, sondern immer auch politisch argumentierte, waren diese Konflikte während der gesamten 500 Jahre nie nur theologisch motiviert, sondern immer auch politisch.

  • Volker Leppin: „Die fremde Reformation. 
Luthers mystische Wurzeln“, Verlag C.H.Beck, München, 247 Seiten, 21,95 Euro.


  • Volker Reinhardt: „Luther der Ketzer. Rom und die Reformation“, Verlag C.H.Beck, München, 352 Seiten, 24,95 Euro.


  • Tillmann Bendikowski: „Der deutsche Glaubenskrieg. Martin Luther, der Papst und die Folgen“, Bertelsmann Verlag, 380 Seiten, 24,99 Euro.
  • 

Leonhardt, Rochus, Arnulf von Scheliha 
(Herausgeber): „Hier stehe ich, ich kann nicht anders. Zu Martin Luthers Staatsverständnis“, Nomos Verlag, 262 Seiten, 39 Euro.

von Ruppert Mayr


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