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Frankfurter Buchmesse: Der Maler als Autor

Kunstvoll auf der Suche nach neuen Geschäften

Die Frankfurter Buchmesse ist nicht nur Lesefest. 
Es geht beim weltweit größten Branchentreff vor allem ums Geldverdienen – die Organisatoren blicken dabei immer weiter übers Buch hinaus.
Die Kunstszene ist dieses Jahr erstmals bei der Frankfurter Buchmesse vertreten. Denn viele Künstler lassen ihre Bücher in „Concept Stores“ oder Museen vermarkten. Foto: Frank Rumpenhorst

Die Kunstszene ist dieses Jahr erstmals bei der Frankfurter Buchmesse vertreten. Denn viele Künstler lassen ihre Bücher in „Concept Stores“ oder Museen vermarkten.

© Frank Rumpenhorst

Frankfurt. Die Frankfurter Buchmesse wird immer kreativer – vor allem wenn es ums Geschäft geht. Erstmals wird in diesem Jahr die Kunstszene entdeckt. Unter dem Motto „The Arts+“ sind auf der Messe auch große Museen wie das New Yorker MoMA vertreten. Aus Sicht der Veranstalter ergibt das Sinn. Die Grenzen zwischen Kunst, Mode und Design verwischen. Künstler lassen Bücher oft für viel Geld in „Concept Stores“ 
oder Museen vermarkten.

Das bedeutet aber auch, dass der Kunstband im traditionellen Laden als Auslaufmodell gilt. „Das Buch wird zum Luxus­objekt“, sagt Juergen Boos, Chef der Messe, die der Dachverband der deutschen Buch­branche organisiert. Als Stargast hat Boos zur Messe-Eröffnung am 18. Oktober den britischen Maler und Multimediakünstler 
David Hockney verpflichtet. Der 79-Jährige darf sein großformatiges Buch („Sumo“) vorstellen. Limitiert und handsigniert soll es um die 2500 Euro kosten.

Kommerz und Kultur

Für Boos geht es schon lange 
nicht mehr nur um den Verkauf von Buchlizenzen, bei dem Frankfurt seit langem vorne ist. Das allgegenwärtige Zauberwort heißt Inhalte, neudeutsch „Content“ genannt. Darunter fällt alles, was Bücherinhalte in irgendeiner Form wirtschaftlich verwertbar macht. Als Drehbuch im Film, als Vorlage für die Games-Branche, als digitale 
 Plattformen wie in der Kunst. Boos sieht Frankfurt als übergreifende Medienmesse und wichtigsten Handelsplatz für 
Inhalte aller Art.

Dennoch wird auf der 68. Frankfurter Buchmesse, zu der wie im Vorjahr rund 7000 Aussteller aus mehr als 100 Ländern erwartet werden, der Schwerpunkt auf dem traditionellen Buch liegen. Als weltweit führender Branchentreff ist Frankfurt zuvorderst Geschäftsmesse 
– aber auch gleichzeitig Publikumsmesse und Lesefest mit rund 600 Autoren und knapp 4000 Veranstaltungen. Ein Spagat für die Organisatoren, die neben dem Kommerz stets gerne die kulturelle Bedeutung des Mediums Buchs betonen.

Dieses Jahr will die Messe, die mit 300.000 Besuchern in fünf Tagen rechnet, den Blick auf das bedrohte „Projekt Europa“ richten. Insbesondere die Gefahren für die Meinungsfreiheit in der Türkei, Polen und Ungarn sollen thematisiert werden. Erwartet werden die in London lebende türkische Starautorin Elif Shafak und der in seiner algerischen Heimat gegängelte Schriftsteller Boualem Sansal, der 2011 den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels erhielt.

„Politisch verhärtete Situation“

Der arabische Sprachraum macht sich in diesem Jahr rar. Bahrain, Kuwait und Saudi-
Arabien kommen gar nicht. 
Am Geld kann es kaum liegen. Daher macht die Messe die 
„politisch verhärtete Situation“ verantwortlich. Saudi-Arabiens Erzfeind Iran meldet sich dagegen zurück. Im vergangenen Jahr hatte Teheran seine Präsenz wegen des Auftritts von Salman Rushdie („Satanische Verse“) abgesagt, der einen flammenden Appell für die Meinungsfreiheit hielt – und gleich noch sein neues Buch vorstellte.

Zu den bekanntesten Autoren dieses Jahr auf der Messe gehören die krimischreibenden Bestseller-Autoren Donna Leon 
und Martin Walker. Dabei ist aber auch der britische Historiker Ian Kershaw, der mit seinem neuen Sachbuch „Höllensturz“ über Europa von 1914 bis 1949 gerade ebenfalls die Buch-Charts gestürmt hat.

Britische Verlage sind aber auf der Messe dieses Mal schwächer repräsentiert. Die Organisatoren machen dafür nicht 
so sehr den „Brexit“ verantwortlich, sondern Verschiebungen im angloamerikanischen Buchmarkt. Die USA stellen traditionell hinter Deutschland immer das stärkste Aussteller-Kontingent.

Die größte Aufmerksamkeit unter den ausländischen Gästen erhält aber der diesjährige Ehrengast, die Niederlande und Flandern. Schon vorab hat der gemeinsame Sprachraum einen Rekord aufgestellt. Mehr als 450 Neuerscheinungen in über 130 Verlagen sind auf Deutsch angekündigt. Das gab es bei einem Gastland noch nie. Erwartet werden aus dem Gastland auch hierzulande prominente 
Autoren wie Leon de Winter, Cees Nooteboom, Connie Palmen oder Margriet de Moor.

von Thomas Maier


Ehrengäste haben Lust auf Geschichten Zwei zum Preis von einem: Die Niederlande und Flandern sind die Ehrengäste der Frankfurter Buch­messe. Die Nachbarn der Deutschen sind neugierig, lesefreudig – und schlagen jetzt schon alle Rekorde. mehr
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