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Mehr als ein Nostalgie-Trip

Kinostart: „T2 Trainspotting“ Mehr als ein Nostalgie-Trip

Nach 20 Jahren im Ausland kehrt Marc Renton in seinen Heimatort Leith zurück. In dem schottischen Kaff erlebte er einst wilde Drogentrips mit seinen Freunden.
von Philip Dethlefs.

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Renton (Ewan McGregor) kehrt nach 20 Jahren zurück in sein schottisches Heimatkaff Leith. Seine alten Kumpels wie Sick Boy (Jonny Lee Miller) haben alte Rechnungen offen.

Quelle: Sony Pictures

Als „Trainspotting“ 1996 mit dem albernen deutschen Zusatztitel „Neue Helden“ in die deutschen Kinos kam, ahnte wohl niemand, dass die Geschichte des Drogenabhängigen Marc Renton ein Welterfolg werden würde.

Die Low-Budget-Produktion von 
 Regisseur Danny Boyle, die 
sich mit einer Mischung aus ­
Musikvideo und drastischen Bildern von Drogenmissbrauch zwischen Satire und Drama bewegt, gilt mittlerweile als Kultfilm. Allein die Eröffnungsszene, in der Ewan McGregor zu ­Iggy Pops „Lust For Life“ durch die Stadt rennt, ist legendär.

Knappe 21 Jahre später setzt Boyle die Geschichte nun mit sämtlichen Darstellern des ersten Films fort: „T2 Trainspotting“ basiert in Teilen auf dem Roman „Porno“ von Irvine Welsh, der auch die Romanvorlage für „Trainspotting“ schrieb. Renton (McGregor) kehrt darin nach zwei Jahrzehnten in Amsterdam in seinen Heimatort Leith zurück. In dem schottischen Kaff erlebte er in seiner Jugend unzählige Drogentrips mit seinen Junkie-Freunden, um der perspektivlosen Realität zu entfliehen. Die Gründe für seine Rückkehr bleiben zunächst unklar – aber man ahnt bald, dass es keine gute Idee war.

Augenzwinkernde Botschaft

Rückblick: Am Ende von „Trainspotting“ war Renton mit 16.000 Pfund aus einem ­dilettantischen Drogendeal verschwunden, den er in London mit seinen Kumpels Simon alias Sick Boy (Johnny Lee Miller), Spud (Ewan Bremner) und dem psychopathischen Begbie ­(Robert Carlyle) durchgezogen hatte. Nur dem liebenswürdigen, aber heroinabhängigen Spud hinterließ er später in einem Schließfach seinen Anteil.

20 Jahre später reißt Renton – clean, aber mitten in der Midlife Crisis – durch seine Rückkehr alte Wunden auf. Sein ehemals bester Freund Sick Boy, der einen heruntergekommenen Pub führt und sich mit Erpressung über Wasser hält, wird sofort handgreiflich. Auch Spud erweist sich nicht gerade als dankbar. Seinen Anteil des Geldes hat er für Drogen ausgegeben, seinen Lebenswillen verloren. Unterdessen plant Begbie seinen Ausbruch aus dem Gefängnis. Klar, dass er es auf ­
Renton abgesehen hat.

In einer Szene sagt Sick Boy zu Renton: „Der einzige Grund, warum du hier bist, ist Nostalgie.“ Und der Satz darf durchaus als augenzwinkernde Botschaft an die Zuschauer verstanden werden. Immerhin hat Regisseur Boyle ein gutes Gleichgewicht geschaffen zwischen der Nostalgie, die seine Charaktere­ auch selbst erleben, und ihrer Gegenwart. Der Film ist gespickt mit pointierten Anspielungen und dezenten Rückblicken. In der Anfangssequenz etwa läuft Renton bis zur Erschöpfung auf einem Laufband. Und in seinem alten Kinderzimmer zögert er, die alte Schallplatte von Iggy Pop aufzulegen.

Gelungene Fortsetzung

In den 90ern war der Soundtrack, zu dem auch die Techno-Ballade „Born Slippy“ der britischen Band Underworld gehörte, Teil des „Trainspotting“-Kults. Genauso wird die Fortsetzung jetzt auch von der Musik getrieben, einer exzellenten Mischung aus Klassikern von Queen und Blondie sowie Songs von Newcomern und alternativen Künstlern. Das gewaltige „Shotgun Mouthwash“ des britischen DJs High Contrast zum Beispiel leitet „T2 Trainspotting“ ähnlich stark ein wie einst Iggy Pop den ersten Film.

Marc Renton mag inzwischen clean sein, Drogenmomente gibt es in „T2 Trainspotting“ trotzdem. Und stellenweise wirkt der Film selbst wie ein Trip, weil die Zuschauer so manche rasant gefilmte und geschnittene Szene beinahe wie im Rausch erleben. Die Frage, warum insbesondere Spud trotz seiner Heroin-Exzesse relativ gesund wirkt, bleibt unbeantwortet.

Davon abgesehen erzählen Autor John Hodge und Regisseur Boyle die Geschichte der „Trainspotting“-Figuren nachvollziehbar und sehr kurzweilig weiter. Der Film ist gleichermaßen melancholisch und witzig, hat ein gutes Erzähltempo und hält einige Überraschungen parat. Das macht „T2 Trainspotting“ zu einer in jeder Hinsicht gelungenen Fortsetzung.

  • Der Film läuft im Cineplex.

von Philip Dethlefs

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